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01.12.2009
 

Politik

"Wir müssen anders leben"

Umweltminister Röttgen: "Wir müssen anders leben"
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AP

Seit ein paar Wochen hat Deutschland einen neuen Umweltminister: Norbert Röttgen, 44, von der CDU. Linda, 12, und Janis, 10, trafen den Minister in seinem Büro. Sie fragten, was er gegen den Klimawandel tun will, was man als Umweltminister können muss und warum Politiker für alles immer so lange brauchen.

Dein SPIEGEL: Herr Minister, was machen Sie persönlich für den Umweltschutz?

Röttgen: Als neuer Umweltminister habe ich jetzt die Chance, sehr viel zu bewegen. Die nächsten Generationen sollen eine saubere Luft, sauberes Wasser, gesunde Böden vorfinden.

Dein SPIEGEL: Halt, halt! Wir wollen wissen, was Sie ganz privat tun.

Röttgen: Da strenge ich mich an, zum Einkaufen nicht mit dem Auto zu fahren, Müll zu trennen und das Licht auszuschalten, wenn ich als Letzter aus einem Zimmer gehe.

Dein SPIEGEL: Fahren Sie in Berlin mit dem Fahrrad von Ihrer Wohnung ins Büro?

Röttgen: Ich will mir nach dem Winter ein Fahrrad anschaffen und dann manchmal damit ins Büro kommen statt mit dem Auto.

Dein SPIEGEL: Was wollen Sie als Minister erreichen?

Röttgen: Ich will dazu beitragen, dass wir in den nächsten vier Jahren umsteuern in der Art, wie wir leben und wirtschaften. Wir müssen jetzt damit beginnen, die Erwärmung der Erde durch Treibhausgase unter Kontrolle zu halten. Und wir müssen die enorme Vielfalt der Tiere, Pflanzen und Lebensräume bewahren.

Dein SPIEGEL: Wer sind die schlimmsten Umweltsünder?

Röttgen: Ich finde es falsch, wenn ein Minister sagt, da sind die Guten, und da sind die Sünder. Meine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass es Regeln gibt, unsere Lebensgrundlagen zu schützen.

Dein SPIEGEL: Kann der Klimawandel wirklich so schlimm werden, wie wir so oft lesen?

Röttgen: Absolut. Da gibt es nichts zu verharmlosen. Hunderte Millionen Menschen könnten ihre Lebensgrundlage verlieren, und der ganze Naturkreislauf könnte durcheinanderkommen. Auch wir in Deutschland wären betroffen.

Dein SPIEGEL: Viele Menschen denken, dass es mit der Umwelt immer nur bergab geht. Wird auch irgendwas besser?

Röttgen: Sehr viel! Das Umweltbewusstsein ist stark gestiegen. Die Flüsse sind heute viel sauberer als zum Beispiel in meiner Kindheit. Und in Kopenhagen kommen jetzt 190 Länder zusammen, um gemeinsam das Klima zu schützen. Das sind Fortschritte.

Dein SPIEGEL: Erklären Sie uns mal eines: Warum brauchen die Politiker so lange, um zu handeln?

Röttgen: Es gibt sehr unterschiedliche Interessen, etwa von sehr armen und sehr reichen Ländern. Aber ich gebe euch recht, dass wir uns jetzt sehr beeilen müssen.

Dein SPIEGEL: Was muss beim Klimagipfel in Kopenhagen beschlossen werden?

Röttgen: Besonders die reichen Industriestaaten müssen sich verpflichten, deutlich weniger Treibhausgase auszustoßen. Die Industrieländer müssen den ärmeren Entwicklungsländern auch Geld geben, damit sie von Anfang an saubere Fabriken bauen - und nicht unsere Fehler wiederholen.

Dein SPIEGEL: Warum nehmen nicht einfach alle nur sauberen Strom aus Windkraft und Sonne?

Röttgen: Die Technik ist leider noch nicht so weit. Aber das wollen wir schnell ändern.

Dein SPIEGEL: Wieso will denn dann die neue Regierung Atomkraftwerke länger laufen lassen?

Röttgen: Wir wollen die Kernkraftwerke ja nicht endlos nutzen. Sie sind eine Brücke, bis wir das Land vollständig mit Ökostrom versorgen können. Wichtig ist auch, dass wir eine Lagerstätte für den gefährlichen Atommüll finden.

Dein SPIEGEL: Warum sind Sie eigentlich in der CDU und nicht bei den Grünen, wenn Sie so sehr für die Umwelt sind?

Röttgen: Das ist aber ein ziemliches Missverständnis! Wir sehen den Menschen und die Natur als Geschöpfe Gottes. Gerade deshalb ist uns die Umweltpolitik so wichtig. Ich schlage euch vor, dass wir uns in vier Jahren kurz vor der nächsten Bundestagswahl wieder treffen und noch ein Interview machen. Dann kann ich euch zeigen, dass es dann ganz normal ist, für die Umwelt und in meiner Partei zu sein. Was wollen wir wetten, eine Tüte Gummibärchen?

Dein SPIEGEL: Wir haben einen besseren Vorschlag: Wenn Sie verlieren, werden wir zwei Umweltminister.

Röttgen: Ihr habt ja ganz schön was vor! Aber dazu müsstet ihr leider noch ein bisschen älter sein.

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insgesamt 12 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
19.12.2009 von Diomedes: Eine späte Einsicht…

Der Herr Umweltminister sieht die Ölscheichs als Gefahr: Spätestens seit der großen Ölkrise von 1972 hätte es der lieben Politik dämmern müssen, wie gefährlich die Abhängigkeit von den Rohstoffen einer kulturell und religiösen [...] mehr...

04.12.2009 von G. Whittome: Atomstrom für die nächsten 100 Jahre?

>>Wir wollen die Kernkraftwerke ja nicht endlos nutzen. Sie sind eine Brücke, bis wir das Land vollständig mit Ökostrom versorgen können.<< Unter einer CDU-Regierung dürfte das ein Jahrhundert dauern, bis "das [...] mehr...

03.12.2009 von localpatriot: Wer zwischen den Zeilen lesen kann hat es im Klartext.

Ist doch ganz klar; Wie machen so weiter wie bisher, aber wir beten mehr und naechsten Fruehling kaufen wir ein Fahrrad. Beten ist immer gut, und ein Fahrrad kann auch nicht schaden. mehr...

03.12.2009 von gantenkiel: Nach dem Winter kaufe ich mir ein Fahrrad......

....... Manche Politiker sind sich echt zu nichts zu schade. So eine naive, fast schon dreiste Antwort. Und die Frage nach den Grünen ist durchaus berechtigt. In dem 80er bis in die 90er hinein wurde ökologisch denkende Menschen [...] mehr...

03.12.2009 von trespass: vorschnelle Verurteilungen

Könnte es sein, dass Ihre Rückführung des Wetteinsatzes von Gummibären auf Arroganz des Ministers ähnlich voreilig und ungeschützt ist, wie die mangelnde Sorgfalt, mit der Sie diesen Artikel gelesen haben? Sie räumen ja selbst [...] mehr...

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