Guttenberg: Sie versuchen, Afghanistan Frieden und Sicherheit zu bringen. Und: Das wird zwar gern verschwiegen, aber sie müssen auch kämpfen.
Dein SPIEGEL: Ist das Krieg?
Guttenberg: Von meiner Empfindung her würde ich sagen, ja. Aber juristisch gesehen bedeutet Krieg, dass zwei Staaten gegeneinander kämpfen. Doch in Afghanistan kämpfen die Afghanen untereinander. Deswegen sagen wir, dass sich unsere Soldaten in einem kriegsähnlichen Zustand befinden. Ihre Hauptaufgabe ist es, für Sicherheit zu sorgen. Sie versuchen vor allem, die Menschen dort zu beschützen, sie bilden afghanische Soldaten aus und helfen beim Bau von Straßen oder Schulen. Aber im Extremfall müssen unsere Soldaten ihre Waffen eben auch benutzen.
Dein SPIEGEL: Was ist ein Extremfall?
Guttenberg: Ein Beispiel: In einem kleinen afghanischen Dorf haben die Bewohner mit unserer Hilfe eine Schule gebaut. Dann kommen die Taliban und sprengen das neue Gebäude in die Luft. Es kann dann die Aufgabe auch unserer Soldaten sein, diese Taliban zurückzudrängen. Manchmal geht das friedlich, aber manchmal müssen sie auch kämpfen.
Dein SPIEGEL: Was genau sind Taliban, und warum sind die so gefährlich?
Guttenberg: Die Taliban stehen für eine Diktatur, die ihr Volk oft mit Gewalt unterdrückt und die Menschen zwingt, nach ihren Regeln zu leben. Frauen und Kinder haben bei den extremen Taliban keine Rechte. Musik, Sport, Fernsehen, das ist alles verboten. Wer gegen die Regeln verstößt, der muss sogar um sein Leben fürchten.
Dein SPIEGEL: Sie selbst waren schon zweimal in Afghanistan. Hatten Sie da Angst?
Guttenberg: Nein. Ich habe mich von unseren Soldaten sehr gut beschützt gefühlt. Aber ich habe mich erschrocken, wie unglaublich arm große Teile dieses Landes sind. Ihr werdet dort nicht eine Stadt finden, die vergleichbar ist mit Berlin oder München. Es fahren wenige Autos durch die Städte, viele Menschen sind auf Eseln unterwegs. Die Kinder haben nicht so tolle Spiele wie ihr, erst recht keine Computer.
Dein SPIEGEL: Wenn Sie nach Afghanistan reisen, weiß vorher niemand Bescheid. Auch Ihre Kinder nicht?
Guttenberg: Natürlich sollen die Taliban nicht wissen, wo genau ich mich aufhalte und wann ich ankomme. Aber meiner Frau sage ich Bescheid und eigentlich auch meinen beiden Töchtern Anna und Mathilde. Nur bei der letzten Reise, da habe ich es versemmelt.
Dein SPIEGEL: Wie das?
Guttenberg: Am Abend vorher, als ich es ihnen erzählen wollte, da schliefen sie schon. Und dann haben sie es am nächsten Morgen im Radio gehört, das fanden sie nicht besonders komisch. Ich habe mich dafür sehr entschuldigen müssen. Zu Recht.
Dein SPIEGEL: Wie fühlt sich das an, wenn man neuer Minister ist, und dann schreiben ständig Journalisten, wie schlecht man sei?
Guttenberg: Das ist natürlich nicht immer ein so tolles Gefühl. Aber wenn ich weiß, dass das nicht alles stimmt, dann gehe ich damit sehr gelassen um. Es geht dabei um einen Angriff, an dem auch deutsche Soldaten beteiligt waren und bei dem viele Unschuldige ums Leben gekommen sind. Ich habe erst gesagt, dass der Angriff in Ordnung war. Danach habe ich meine Meinung geändert und gesagt, ich habe eine Fehleinschätzung getroffen. Manche Leute fragen sich nun: Warum redet der erst so und dann so?
Dein SPIEGEL: Es wird Ihnen auch vorgeworfen, Sie hätten die Unwahrheit gesagt, also gelogen. Haben Sie?
Guttenberg: Nein, ich habe zu keinem Zeitpunkt gelogen. Und ich würde auch jetzt euch Kinder nicht anlügen.
Dein SPIEGEL: Wenn in Afghanistan was Schlimmes passiert, werden Sie dann sofort informiert?
Guttenberg: Für die Fälle, dass es einen Anschlag auf unser Lager gegeben hat oder ein Soldat gestorben ist, gibt es eine extra Nummer, auf der ich immer erreichbar bin. Auch wenn ich zu Hause bei meiner Familie bin und mein normales Handy ausgeschaltet ist.
Dein SPIEGEL: Sie haben zehn Vornamen: Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jakob Philipp Franz Joseph Sylvester. Ist das nicht ein bisschen übertrieben?
Guttenberg: Das müsst ihr meine Eltern fragen. Jedenfalls ist es mir ganz recht, dass von den vielen Namen nicht Maria oder Sylvester meine Rufnamen geworden sind.
Dein SPIEGEL: Stimmt es, dass Sie in einem richtigen Schloss aufgewachsen sind?
Guttenberg: Schloss klingt natürlich sehr romantisch, aber letztendlich ist das nur ein ganz, ganz großer, aber schöner Haufen Steine. Und so einen Kasten zu heizen ist schwierig. Im Winter war das dort immer ziemlich kalt. Dafür haben wir da natürlich toll Verstecken spielen können, und es konnten immer viele Freunde bei uns übernachten.
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Der Bericht ist bei Wikileaks einsehbar und nur schwer als Beweis für Verrat und Lüge oder dergleichen Zeugs irgendwelcher deutscher Offiziere oder Minister tauglich. Ich denke, Sie fordern trotzdem weiter Bürgerkrieg, wissen [...] mehr...
Du sollst nicht stehlen. mehr...
Ein sehr schönes Interview. Aber ich frage mich, warum die Möglichkeiten die so etwas bietet, nicht ausgenutzt werden. Weder gibts was zu hören, noch etwas zu sehen. Selbst Bilder sind nur sehr dürftig vorhanden. Das wäre doch [...] mehr...
Dein SPIEGEL: Es wird Ihnen auch vorgeworfen, Sie hätten die Unwahrheit gesagt, also gelogen. Haben Sie? Guttenberg: Nein, ich habe zu keinem Zeitpunkt gelogen. Und ich würde auch jetzt euch Kinder nicht anlügen. Aber sicher [...] mehr...
Maria Sylvester zu Guttenberg? Ordnung muss schließlich sein! mehr...
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