1. Teil: Warum ist auf einmal so häufig die Rede von sexuellem Missbrauch?
Ende Januar wurde bekannt, dass vor rund 30 Jahren an einer katholischen Schule in Berlin etliche Kinder von ihren Lehrern missbraucht worden waren. Diese Nachricht hat erst mal viele Leute erschreckt: Die Schule hat nämlich eigentlich einen sehr guten Ruf. Und dass ausgerechnet katholische Pater die Täter waren, machte es besonders schlimm: Von Patern denkt man, dass sie gute Menschen sind. Und von Lehrern erwartet man, dass sie ihre Macht über Schüler nicht für etwas Böses ausnutzen.
An der Berliner Schule war beides nicht der Fall. Nach den ersten Berichten meldeten sich immer mehr ehemalige Opfer, auch von anderen Schulen, aus Internaten und Heimen. Die Schüler von damals sind heute längst erwachsen. Sie hatten jahrelang nichts gesagt. Entweder weil sie dachten, ihnen würde sowieso keiner glauben. Oder weil sie sich schämten.
Doch schämen muss sich nur einer: der Täter. Und nicht das Opfer.
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