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17.08.2010
 

Fußballhelden

Ein erstklassiger Verein

Von Klaus Brinkbäumer

Dein SPIEGEL: Ein Piratenclub entert die Bundesliga
Fotos
DPA

Nun beginnt wieder die Bundesliga, und diesmal spielt in der ersten Klasse ein Verein mit, der anders ist als die anderen: Der Aufsteiger FC St. Pauli ist bunter, fröhlicher und hat besonders nette Fans.

Der coolste Verein der Bundesliga? Wenn wir Cora aus Ebenhausen, heute 15 Jahre alt, zur Testperson erklären, ist das Ergebnis eindeutig.

Zuerst nämlich ging Cora zum berühmten FC Bayern in München, für den damals noch der ebenfalls berühmte Michael Ballack spielte. Bayern München gewann 4:1 gegen Bayer Leverkusen, es war ein sehr schönes Fußballspiel, aber es war still im Stadion, und manchmal schimpften Münchner Zuschauer auf Münchner Spieler. Und als Michael Ballack aus ungefähr 35 Metern einen Ball in den Winkel trat, blickte Coras Vater zu seiner Tochter hinüber, aber die Testperson hatte das Tor verpasst: Sie las "Die wilden Hühner".

Dann ging Cora zum FC St. Pauli. Es war kein schönes Fußballspiel, Regionalliga nur, aber es war laut in dem kleinen, etwas engen, etwas schmuddeligen und etwas windigen Stadion am Hamburger Millerntor. Und es war bunt. Die Menschen trugen Kopftücher mit Totenköpfen, sie trugen Ohrringe und Tätowierungen, sie sahen gefährlich aus, aber sie waren nett zu Cora und pfiffen nicht mal den Gegner aus und die eigene Mannschaft sowieso nicht. Das ist selten in deutschen Stadien. 1:0 endete das miese Spiel, die Leute im Stadion verlangten trotzdem eine Ehrenrunde von ihrer Mannschaft.

"Kannst du mein Buch einstecken?", hatte Cora ihren Vater nach einer Viertelstunde gefragt. Dann sang und klatschte sie mit.

Der FC St. Pauli ist ein anderer Fußballverein. So versteht er sich selbst: als Piratenclub, als Außenseiter, als tolerant, lustig, farbig und fantasievoll. Und es stimmt ja auch. Es gibt politische Aktionen am Millerntor, die Fans sammeln Geld für Trinkwasserprojekte in armen Ländern, und niemals gibt es ausländerfeindliche Beschimpfungen wie in anderen Arenen. Stattdessen die originellsten Fan-Gesänge Deutschlands und eine Menge Humor.

Wenn die Glocken läuten, wird den Gegnern bange

Im vergangenen Jahr sah der Torwart Gabor Kiraly von 1860 München einmal schrecklich trostlos aus, weil nämlich gerade ein Wolkenbruch über dem Stadion niedergegangen war; Kiraly trägt auf dem Platz eine dicke graue Jogginghose, und diesmal hatte sie sich mit Wasser vollgesogen. "Du hast die Hose nass", sangen die Zuschauer. St. Paulis Spieler setzten sich nach Spielschluss auf den Rasen, rutschten herum, standen auf und sangen mit: "Wir haben die Hose nass." Sogar Gabor Kiraly konnte lachen.

1910 wurde der FC St. Pauli gegründet, er wird in diesem Sommer 100 Jahre alt, und niemals war er deutscher Meister. Reich und erfolgreich war immer nur der große Nachbar, der Hamburger SV.

Das kleine St. Pauli, nahe am Hafen gelegen, hatte das schrillere Publikum, aber nie genug Geld, um im Profisport zu bestehen. Doch der Verein war nicht einfach Opfer der Umstände, er war oft auch zu dumm, um Erfolg zu haben. Immer wieder saßen Leute im Vorstand, die zwar berühmt werden wollten, aber nicht viel für den Verein taten. Laute, schlechte Trainer kamen und gingen wieder. Das wenige Geld wurde ausgegeben für Spieler, die früher einmal gut waren, aber das war lange her, viel zu lange.

Ist es jetzt anders? Es sieht so aus. Der FC St. Pauli ist zunächst von der Regionalliga in die zweite Bundesliga aufgestiegen und nun von der zweiten Bundesliga in die erste. Der ehemalige Verteidiger Holger Stanislawski ist ein ruhiger, kluger Trainer, der junge Spieler fördert, von denen er glaubt, dass sie in den kommenden Jahren erst richtig gut werden. Und der Manager Helmut Schulte, ein ehemaliger Sozialarbeiter, ist nicht nur freundlich, sondern er kann auch sparen und das Geld, das er hat, schlau einsetzen.

Bisher ging es für St. Pauli nach einem Aufstieg stets schnell wieder hinab. Diesmal "könnte hier etwas Dauerhaftes entstehen", sagt Schulte. Der berühmte FC Bayern fürchtet sich bestimmt schon mächtig vor der traditionellen Einmarschmusik des Millerntors, "Hells Bells", den Glocken der Hölle.


Dieser Text ist ein Beitrag aus "Dein SPIEGEL - einfach mehr wissen", dem Nachrichtenmagazin für neugierige Kinder. Dein SPIEGEL berichtet über Politik und Kultur, über Themen aus Natur und Technik, über Sport und Spannendes aus aller Welt - immer unterhaltsam für junge Leser erzählt und erklärt. Das Inhaltsverzeichnis gibt es hier , bekommen kann man das Heft im SPIEGEL-Shop - und überall im Zeitschriftenhandel.

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26.08.2010 von Andreas Tombrink:

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Mein Respekt und eine ehrliche tiefe Verbeugung. Selten hier im Forum beim Thema Fussball so einen ehrlichen und gut zu lesenden Beitrag gelesen. Möge der Ball mir Dir sein!!! MfG mehr...

20.08.2010 von schalker04: St. Pauli eine Bereicherung

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19.08.2010 von Rasmuss:

Ne das will ich nicht, kann dann ja gleich BVB oder Inter- Fan werden.. Fand es daher richtig erlösend, dass Pauli neulich im Pokal vergeigt hat- ehrlich, wohin soll sonst der Kommerz noch führen..? Leider gibt es denke ich [...] mehr...

19.08.2010 von Rasmuss: quo vadis pauli?

Ich bin seit Ende der 90'er Jahre Fan der Paulianer. Hatte damals nischt mit Fussi am Hut- wenn mein bester Kumpel die Sportschau gesehen hab ich mir immer einen 1000- Seiten Roman mitgebracht.. Ein anderer Kumpel schwärmte [...] mehr...

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