Politik "Wir müssen anders leben"

Seit ein paar Wochen hat Deutschland einen neuen Umweltminister: Norbert Röttgen, 44, von der CDU. Linda, 12, und Janis, 10, trafen den Minister in seinem Büro. Sie fragten, was er gegen den Klimawandel tun will, was man als Umweltminister können muss und warum Politiker für alles immer so lange brauchen.

AP

Dein SPIEGEL: Herr Minister, was machen Sie persönlich für den Umweltschutz?

Röttgen: Als neuer Umweltminister habe ich jetzt die Chance, sehr viel zu bewegen. Die nächsten Generationen sollen eine saubere Luft, sauberes Wasser, gesunde Böden vorfinden.

Dein SPIEGEL: Halt, halt! Wir wollen wissen, was Sie ganz privat tun.

Röttgen: Da strenge ich mich an, zum Einkaufen nicht mit dem Auto zu fahren, Müll zu trennen und das Licht auszuschalten, wenn ich als Letzter aus einem Zimmer gehe.

Dein SPIEGEL: Fahren Sie in Berlin mit dem Fahrrad von Ihrer Wohnung ins Büro?

Röttgen: Ich will mir nach dem Winter ein Fahrrad anschaffen und dann manchmal damit ins Büro kommen statt mit dem Auto.

Dein SPIEGEL: Was wollen Sie als Minister erreichen?

Röttgen: Ich will dazu beitragen, dass wir in den nächsten vier Jahren umsteuern in der Art, wie wir leben und wirtschaften. Wir müssen jetzt damit beginnen, die Erwärmung der Erde durch Treibhausgase unter Kontrolle zu halten. Und wir müssen die enorme Vielfalt der Tiere, Pflanzen und Lebensräume bewahren.

Dein SPIEGEL: Wer sind die schlimmsten Umweltsünder?

Röttgen: Ich finde es falsch, wenn ein Minister sagt, da sind die Guten, und da sind die Sünder. Meine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass es Regeln gibt, unsere Lebensgrundlagen zu schützen.

Dein SPIEGEL: Kann der Klimawandel wirklich so schlimm werden, wie wir so oft lesen?

Röttgen: Absolut. Da gibt es nichts zu verharmlosen. Hunderte Millionen Menschen könnten ihre Lebensgrundlage verlieren, und der ganze Naturkreislauf könnte durcheinanderkommen. Auch wir in Deutschland wären betroffen.

Dein SPIEGEL: Viele Menschen denken, dass es mit der Umwelt immer nur bergab geht. Wird auch irgendwas besser?

Röttgen: Sehr viel! Das Umweltbewusstsein ist stark gestiegen. Die Flüsse sind heute viel sauberer als zum Beispiel in meiner Kindheit. Und in Kopenhagen kommen jetzt 190 Länder zusammen, um gemeinsam das Klima zu schützen. Das sind Fortschritte.

Dein SPIEGEL: Erklären Sie uns mal eines: Warum brauchen die Politiker so lange, um zu handeln?

Röttgen: Es gibt sehr unterschiedliche Interessen, etwa von sehr armen und sehr reichen Ländern. Aber ich gebe euch recht, dass wir uns jetzt sehr beeilen müssen.

Dein SPIEGEL: Was muss beim Klimagipfel in Kopenhagen beschlossen werden?

Röttgen: Besonders die reichen Industriestaaten müssen sich verpflichten, deutlich weniger Treibhausgase auszustoßen. Die Industrieländer müssen den ärmeren Entwicklungsländern auch Geld geben, damit sie von Anfang an saubere Fabriken bauen - und nicht unsere Fehler wiederholen.

Dein SPIEGEL: Warum nehmen nicht einfach alle nur sauberen Strom aus Windkraft und Sonne?

Röttgen: Die Technik ist leider noch nicht so weit. Aber das wollen wir schnell ändern.

Dein SPIEGEL: Wieso will denn dann die neue Regierung Atomkraftwerke länger laufen lassen?

Röttgen: Wir wollen die Kernkraftwerke ja nicht endlos nutzen. Sie sind eine Brücke, bis wir das Land vollständig mit Ökostrom versorgen können. Wichtig ist auch, dass wir eine Lagerstätte für den gefährlichen Atommüll finden.

Dein SPIEGEL: Warum sind Sie eigentlich in der CDU und nicht bei den Grünen, wenn Sie so sehr für die Umwelt sind?

Röttgen: Das ist aber ein ziemliches Missverständnis! Wir sehen den Menschen und die Natur als Geschöpfe Gottes. Gerade deshalb ist uns die Umweltpolitik so wichtig. Ich schlage euch vor, dass wir uns in vier Jahren kurz vor der nächsten Bundestagswahl wieder treffen und noch ein Interview machen. Dann kann ich euch zeigen, dass es dann ganz normal ist, für die Umwelt und in meiner Partei zu sein. Was wollen wir wetten, eine Tüte Gummibärchen?

Dein SPIEGEL: Wir haben einen besseren Vorschlag: Wenn Sie verlieren, werden wir zwei Umweltminister.

Röttgen: Ihr habt ja ganz schön was vor! Aber dazu müsstet ihr leider noch ein bisschen älter sein.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 12 Beiträge
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bonoboboi, 03.12.2009
1. Au weia
"Wir sehen den Menschen und die Natur als Geschöpfe Gottes." Da bleibt nur zu hoffen, dass er das metaphorisch meint. Eine katastrophalere Fehlbesetzung als einen Kreationisten als Umweltbundesminister gäbe es ja wohl nicht.
jetned 03.12.2009
2. Die Technik ist leider noch nicht so weit....
Zitat von sysopSeit ein paar Wochen hat Deutschland einen neuen Umweltminister: Norbert Röttgen, 44, von der CDU. Linda, 12, und Janis, 10, trafen den Minister in seinem Büro. Sie fragten, was er gegen den Klimawandel tun will, was man als Umweltminister können muss und warum Politiker für alles immer so lange brauchen. http://www.spiegel.de/deinspiegel/0,1518,664452,00.html
Die Technik ist leider noch nicht so weit....das ist vermutlich das am häufigsten verwendete Argument gegen Veränderung. Die Öffentlichkeit wird über den tatsächlichen Stand der Technik systematisch im Unklaren gehalten. Die technologische Entwicklung ist viel weiter fortgeschritten, als viele sich das vorstellen können...
kikolo, 03.12.2009
3. fast wie gstern
solange es erlaubt ist mit 350 kmh und dem entsprechendem umweltschaden durch deutschland zu rasen ...oder gar mit 600 sachen wenns ihm gefaellt dem selbst ernannten cariola.. und der fahrbare untersatz das hergibt ,glaube ich dem umweltminister der merkel regierung nicht ein einziges wort ihres angeblichen klimaschutzes ... die machen sich doch laecherlich ...also lachen wir doch... faellt schwer in deutschland das lachen nicht wahr ...ja so ist das in deutschland ....auch heute noch...fast wie gestern...
rossini 03.12.2009
4. Keine kindgerechte Darstellung
Weder Fragestellung noch die Antworten entsprechen dieser Altersgruppe. Ich finde den Gedanken,Kinder und Jugendliche an aktuelle Themen der Politik,Kultur und Wissenschaft heranzuführen, richtig vewrmisse aber eine adäquate Darstellung.
franmedia, 03.12.2009
5. Tüte Gummibärchen
Wir wissen jetzt nicht, wie alt die Kinderreporter sind, aber ihnen als Wetteinsatz eine Tüte Gummibärchen für ein weiteres Interview in vier Jahren anzubieten ist dann doch schon ziemlich arrogant. Das hätte ich so vom, mir bis dato, relativ wenig bekannten Herrn Röttgen nicht erwartet.
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