Fußball "Erst fand ich es blöd, Torwart zu sein"

Eigentlich wollte René Adler als Junge vorn im Sturm spielen und selbst Tore schießen. Aber dann kam alles anders, und jetzt wird er wohl bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika zwischen den Pfosten stehen. Beim Interview mit den beiden Kinderreportern Louis, 9, und Tim, 11, verriet der 25-jährige Nationaltorhüter, wie er mit Deutschland Weltmeister werden will - und bei einem Strafstoß zum Helden werden kann. Ein Interview aus Dein SPIEGEL, dem Nachrichtenmagazin für Kinder.

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Dein SPIEGEL: Glauben Sie, dass Deutschland Fußball-Weltmeister wird?

Adler: Tja, ich weiß nicht. Auf jeden Fall haben wir bei wichtigen Spielen und Turnieren immer wieder gezeigt, dass wir sehr, sehr stark sind, wenn es drauf ankommt. Die Chancen stehen also gar nicht schlecht.

Dein SPIEGEL: Wenn es mit dem Titel nicht klappt, können Sie in diesem Jahr mit Ihrem Verein Bayer Leverkusen immer noch Deutscher Meister werden.

Adler: Stimmt, da sind wir auf einem guten Weg. Wir wollen in jedem Fall versuchen, so lange wie möglich oben zu bleiben. Wobei man die Bundesliga und eine WM natürlich schwer miteinander vergleichen kann. Eine Weltmeisterschaft ist etwas ganz Besonderes.

Dein SPIEGEL: Welche Nationalspieler finden Sie am nettesten?

Adler: Ach, eigentlich haben wir alle ein gutes Verhältnis, und wir müssen ja auch fest zusammenhalten in Südafrika. Mit Michael Ballack, Per Mertesacker oder Mario Gomez verstehe ich mich besonders gut.

Dein SPIEGEL: Wieso sind Sie eigentlich Torwart geworden? Stürmer wie Gomez zu sein ist doch viel cooler.

Adler: Das habe ich als Junge auch so gesehen, da wollte ich viel lieber selbst Tore schießen, anstatt sie zu verhindern. Aber mein damaliger Trainer in meiner Heimatstadt Leipzig hat mich einfach ins Tor gesteckt, weil ich größer war als die anderen Jungs in meiner Mannschaft. Erst fand ich es blöd, Torwart zu sein, aber dann habe ich gemerkt: Hey, das kannst du, und das macht sogar Spaß. So bin ich nie wieder rausgekommen aus dem Kasten.

Dein SPIEGEL: Sie sind dann schon mit 15 Jahren von zu Hause ausgezogen und nach Leverkusen gegangen. Hatten Sie kein Heimweh?

Adler: Das hat sich eigentlich in Grenzen gehalten. Ich wusste, dass ich mich in Leipzig nicht mehr so weiterentwickeln konnte, weil es da kein gezieltes Torwart-Training für mich gab. Aber das ist für einen jungen Torhüter das A und O, und ich wollte unbedingt in die Bundesliga. Darum bin ich also nach Leverkusen gegangen und habe dort so viel trainiert, dass ich gar nicht so viel Zeit für Heimweh hatte.

Dein SPIEGEL: Sind Sie jetzt noch oft in Leipzig bei Familie und Freunden?

Adler: So oft wie möglich. Ich genieße es sehr, wenn ich in Leipzig bei meinen Eltern bin und einfach mal abhängen und mich mit anderen Dingen als Fußball beschäftigen kann.

Dein SPIEGEL: Sie sind reich und berühmt und sehen auch ganz gut aus. Kriegen Sie viele Liebesbriefe von Frauen?

Adler: Ein paar sind schon dabei, und manche sind sehr süß. Da schicke ich dann manchmal ein Autogramm hin.

Dein SPIEGEL: Haben Sie schon mal nach einem Spiel geweint, wenn es schlecht gelaufen ist?

Adler: Ja, klar, besonders als Kind. Ich finde das auch nicht schlimm, mal zu weinen, wenn es einem schlecht geht. Meistens hilft es doch, damit es einem wieder besser geht.

Dein SPIEGEL: Ein anderer Konkurrent um den Platz im Nationaltor, Robert Enke von Hannover 96, hat sich vor einigen Monaten das Leben genommen, weil er Depressionen hatte. Hat sich Ihr Leben dadurch verändert?

Adler: Ich hatte ein sehr gutes Verhältnis zu Robert, wir haben viel miteinander gesprochen. Durch seinen Tod ist mir noch einmal klar geworden, dass man Freunde und Familie braucht, denen man sich öffnen kann, bei denen man sein kann, wie man ist. Das ist schwierig, wenn man wie wir ständig unter Beobachtung steht.

Dein SPIEGEL: Steht man als Torwart noch mehr unter Druck als ein normaler Feldspieler?

Adler: Ich glaube schon. Wenn ein Torwart einen Fehler macht, dann gibt es meistens ein Tor. Das ist bei einem Feldspieler anders, da fällt ein Fehler nicht so auf. Außerdem hat man in manchen Spielen nur drei oder vier Aktionen, aber dann musst du da sein. Du musst dich also wahnsinnig konzentrieren, auch wenn gerade nichts los ist in deinem Strafraum.

Dein SPIEGEL: Hat ein Torwart auch mehr Angst beim Elfmeter als der Schütze?

Das glaube ich nicht. Als Torwart kann ich ja eigentlich nur gewinnen beim Strafstoß. Wenn der Ball reingeht, finden es alle Zuschauer normal. Und wenn ich den Ball halte, bin ich ein Held. Ist doch super!

Dein SPIEGEL: Was machen Sie denn so in Ihrer Freizeit?

Adler: Ich treffe mich viel mit Freunden. Gute Freundschaften muss man pflegen. Dabei spielen wir auch schon mal Videospiele. Ich finde es toll, meine Kumpel beim Tennis an der Wii abzuziehen. Aber mein größtes Hobby ist eigentlich das Golfspielen. In meinem nächsten Leben werde ich vielleicht versuchen, Golf-Profi zu werden!

Dein SPIEGEL: Vielleicht können Sie das ja schon in diesem Leben, wenn Ihre Karriere als Fußballer vorbei ist.

Adler: Nein, das glaube ich nicht. Dann bin ich auch lange genug im Profi-Sport gewesen, dann spiele ich nur noch zum Spaß und trete gegen andere ehemalige Fußball-Profis an. Es gibt ja viele, die ziemlich gut den Schläger schwingen.

Dieser Text ist ein Beitrag aus "Dein SPIEGEL - einfach mehr wissen", dem Nachrichtenmagazin für neugierige Kinder. Dein SPIEGEL berichtet über Politik und Kultur, über Themen aus Natur und Technik, über Sport und Spannendes aus aller Welt - immer unterhaltsam für junge Leser erzählt und erklärt. Das Inhaltsverzeichnis gibt es hier, bekommen kann man das Heft hier - und überall im Zeitschriftenhandel.

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