Kinderreporter treffen Meredith Michaels-Beerbaum Pferde sind keine Maschinen

Sie ist die erfolgreichste Springreiterin der Welt: Meredith Michaels-Beerbaum, 40, erzählt Lissa, 10, und Ann-Sophie, 12, warum ihre Pferde für sie durchs Feuer springen würden und warum Mädchen die besseren Reiter sind.

AP

Dein SPIEGEL: Meredith, wer ist schwerer zu zähmen: Jungs oder Pferde?

Meredith Michaels-Beerbaum: Früher die Jungs. Ich bin in der Schule eher ein kleines Entlein gewesen. Die Jungen haben sich für die hübscheren Mädchen in meiner Klasse interessiert. Dann aber habe ich gemerkt, dass ich die Jungs mit Cleverness auf meine Seite ziehen kann. Irgendwann haben sie mir dann aus den Händen gefressen - genau wie die Pferde.

Dein SPIEGEL: Warum streicheln und striegeln vor allem Mädchen ihre Pferde so gern?

Michaels-Beerbaum: Mädchen lieben Pferde auf eine besonders innige Weise. Sie kommunizieren mit ihnen ganz ohne Worte. Eine Gabe, die Jungs nur selten haben.

Dein SPIEGEL: Trotzdem sind die auf den Turnierplätzen häufig erfolgreicher.

Michaels-Beerbaum: Für Jungs sind Pferde oft Spielzeuge. Sie interessieren sich für sie, wenn sie mit ihnen etwas gewinnen können. In Wirklichkeit aber sind wir Frauen die besseren Reiter. Wir haben weniger Muskeln und sind nicht so groß, aber dafür haben wir das bessere Gespür. Männer setzen mehr auf Kraft, Frauen auf Vertrauen. Das macht uns Frauen in diesem Sport so stark. Immer mehr Frauen machen den Männern in der Weltspitze Konkurrenz.

Dein SPIEGEL: Was ist Ihr Geheimnis?

Michaels-Beerbaum: Ich habe eine ganz besondere Beziehung zu meinen Pferden. Pferde haben eigentlich Angst vor Feuer. Aber mein Pferd Shutterfly hat so großes Vertrauen zu mir, dass er für mich durchs Feuer springen würde. Das klingt jetzt vielleicht kitschig, aber Pferde sind die große Liebe meines Lebens. Bis auf zwei Ausnahmen: meinen tollen Ehemann und unsere gemeinsame Tochter - die liebe ich noch mehr.

Dein SPIEGEL: Was müsste passieren, damit Sie nie mehr auf ein Pferd steigen?

Michaels-Beerbaum: Ich möchte eine gute Mutter sein - und eine gute Reiterin. Wenn ich die beiden Dinge nicht mehr miteinander in Einklang bringen kann oder der Sport meiner Gesundheit schadet, würde ich sofort aufhören, professionell zu reiten.

Dein SPIEGEL: Wie bringt man ein Pferd dazu, über ein Hindernis zu springen? Mit Zucker oder mit der Peitsche?

Michaels-Beerbaum: Meine Pferde haben richtig Spaß am Springen, sie sind ehrgeizig und wollen gewinnen. Man kann ein Pferd nicht mit der Peitsche über ein Hindernis zwingen, es muss schon selber springen wollen.

Dein SPIEGEL: Manche helfen aber nach, obwohl das verboten ist. Wie dopt man ein Pferd?

Michaels-Beerbaum: Es gibt Leute, die einem verletzten Tier Schmerzmittel geben, damit es trotz Schmerzen über die Hindernisse springt. Oder die eine spezielle Salbe auf das Pferdebein reiben: Die macht das Bein empfindlicher - das Pferd springt dann höher, weil es auf keinen Fall das Hindernis berühren will. Intelligente und gute Reiter machen so etwas nicht, denn es ist mit den Pferden wie bei uns Menschen: Ein Sportler, der trotz einer leichten Verletzung trainiert, riskiert auch seine Gesundheit. Außerdem ist in jedem Wettbewerb Doping natürlich verboten.

Dein SPIEGEL: Wie merken Sie, dass Ihr Pferd schlechte Laune hat?

Michaels-Beerbaum: Jeder Top-Reiter weiß, dass Pferde keine Maschinen sind. Ein Auto oder ein Tennisschläger funktioniert immer gleich. Pferde dagegen sind genauso launisch wie wir Menschen. Das macht unseren Sport ja auch so interessant. Wenn meine Pferde nicht gut aussehen oder müde wirken, dann lasse ich sie im Stall.

Dein SPIEGEL: Ab wann ist Reiten Tierquälerei?

Michaels-Beerbaum: Wir Reiter sind keine Tierquäler! Meine Pferde haben das beste Leben, das ein Tier haben kann. Sie würden niemals über diese hohen Hindernisse springen, wenn es ihnen bei mir nicht gutginge.

Dein SPIEGEL: Sie messen sich mit Ihrem Ehemann Markus auf denselben Turnieren. Was ist das für ein Gefühl, gegen den eigenen Mann zu kämpfen?

Michaels-Beerbaum: Am Anfang war es komisch. Einmal lag er auf einem wichtigen Turnier ganz vorn, und ich war als letzte Reiterin die Einzige, die ihm den Sieg noch nehmen konnte. Da habe ich ihn gefragt: "Was soll ich machen?" Er sagte: "Du gehst da jetzt raus und versuchst zu gewinnen!"

Dein SPIEGEL: Und: Sie haben gewonnen?

Michaels-Beerbaum: Falsch. Markus hat gewonnen. Ich war so durcheinander, ich hatte schon beim ersten Hindernis einen Fehler. Inzwischen bekomme ich das sehr gut hin. Wir wissen, dass der Erfolg des einen zur Hälfte auch der Erfolg des anderen ist.

Dein SPIEGEL: Muss man reich sein, um im Springsport Erfolg zu haben?

Michaels-Beerbaum: Egal, ob ich ein gutes Pferd füttere oder ein schlechtes - es kostet gleich viel. Auch die Kosten für den Schmied, den Tierarzt und den Stall bleiben immer gleich. Ganz ohne Geld geht es natürlich nicht, aber man muss sich nicht das teuerste Pferd kaufen, um gewinnen zu können. Mein Pferd Shutterfly ist das beste Pferd der Welt. Wir haben ihn gekauft, als er noch jung war, dann haben wir ihn ausgebildet. Und jetzt ist er ein Vermögen wert.

Dein SPIEGEL: Wie viel denn genau?

Michaels-Beerbaum: Wir sprechen über richtig viel Geld. Mehr verrate ich nicht.

Dein SPIEGEL: Dann können Sie ihn ja verkaufen und sind reich.

Michaels-Beerbaum: Nein, er ist unverkäuflich!

Dein SPIEGEL: Schon mal Pferdewurst probiert?

Michaels-Beerbaum: Igitt. Niemals!


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