Halloween Süsses oder Saures?

Gruselmasken, Hexenkostüme und Kürbisse: Vor 15 Jahren kam Halloween aus den USA nach Deutschland. Für Kinder ist es ein Riesenspaß, für viele Firmen ein sehr gutes Geschäft.

Von Julia Bonstein

DPA

Wird er dieses Jahr Freddy Krueger sein? Oder will Henry lieber als Vampir um die Häuser ziehen? "Hauptsache unheimlich" soll das Halloween-Kostüm sein, so viel hat der 14-jährige Schüler aus Hamburg schon entschieden.

Auf das Gruselfest im Herbst freuen sich Kinder überall in Deutschland: Horrormasken auswählen, Party feiern, Erwachsene erschrecken. Am 31. Oktober erreicht der Spuk jedes Jahr seinen Höhepunkt: Tausende kleine Hexen und Teufel toben dann durch dunkle Straßen. "Süßes oder Saures", rufen sie an den Haustüren und freuen sich über die Süßigkeiten, die sie erbeuten. Und wenn sich die Nachbarn ein wenig ärgern, macht das ebenfalls Spaß. Denn zu Halloween sind harmlose Späße erlaubt. Daran haben sich auch die meisten Erwachsenen längst gewöhnt.

Einer, der sich über den Spuk auf jeden Fall freut, ist Gerd Horbach aus Idar-Oberstein. Denn mit Vampirkostümen, Geistermasken und Hexenhüten verdient seine Firma Fries & Söhne viel Geld. "Halloween war für uns eine echte Entdeckung", sagt Horbach. Und dann erzählt er davon, wie das amerikanische Fest vor etwa 15 Jahren nach Deutschland kam. Mit dieser Geschichte kennt sich Horbach aus, denn er ist einer der Geschäftsleute, die dafür gesorgt haben, dass Halloween auch hierzulande bekannt wurde.

Am Anfang stand ein großer Schreck: 1991 fiel in Deutschland wegen des ersten Golfkriegs der Karneval aus. Weil im Irak Bomben fielen, hatte in Deutschland niemand Lust auf ein fröhliches Fest, und so wurden die Rosenmontagszüge abgesagt. Für die Unternehmer war das ein großes Problem: Die Clownskostüme und Masken, mit denen sie Geld verdienen, wollte nun natürlich niemand mehr haben. Horbach blieb auf seiner Ware sitzen und musste sogar Mitarbeiter entlassen, weil er ihre Löhne nicht zahlen konnte.

Anderen Herstellern ging es ebenfalls schlecht: Alle, die normalerweise mit Karnevalsartikeln Geld verdienten, machten sich nun Sorgen um die Zukunft, es gab ein großes Krisentreffen: Was würde sein, wenn wieder einmal ein Krieg oder eine andere Katastrophe den Leuten die Lust auf den Fasching verderben würde? Womit könnte man sonst noch Geld verdienen? "Da kamen wir auf die Idee mit Halloween", erzählt Dieter Tschorn vom Deutschen Verband der Spielwarenindustrie. Von dem Fest, das in den USA groß gefeiert wird, hatten die Kostümhersteller natürlich schon gehört, und so beschlossen sie, Halloween auch bei deutschen Kunden bekanntzumachen.

Hexenkostüme und Teufelsmasken hatte es ja auch früher schon gegeben, jetzt wurden diese eben nicht erst zu Karneval, sondern bereits im Oktober verkauft. Neue Kostüme wurden entworfen, Skeletthandschuhe und blutige Fratzen aus Asien eingekauft. Und in Idar-Oberstein stellten die Mitarbeiter von Fries & Söhne jetzt nicht mehr nur Krönchen für Karnevalsprinzessinnen her, sondern eben auch Schlangenarmreifen oder Ohrringe mit Spinnen dran.

Kostüme, Schminke und Partyartikel für rund 30 Millionen Euro

Im Kino und im Fernsehen liefen dann auch Hollywood-Filme mit Vampiren, Geistern und anderen Horrorgestalten, und so wurde Halloween in Deutschland immer beliebter. Davon bekamen natürlich auch die Amerikaner etwas mit: Die Firma Rubie's, Weltmarktführer bei Halloween-Produkten, kaufte Ende der neunziger Jahre gleich fünf deutsche Unternehmen, die nun ebenfalls Kostüme, Perücken, Schminke und Hüte zu Halloween herstellten.

Für die Karnevalsfirmen ist daraus ein lohnendes Spektakel geworden: Für rund 30 Millionen Euro verkaufen sie heute Kostüme, Schminke und Partyartikel zu Halloween. Mit dem Fest machen längst auch andere Geschäfte: Haribo verkauft im Oktober spezielle Fruchtgummi-Mischungen wie den "Horror-Mix" oder "Happy Halloween", Vampirzähne und andere billige Scherzartikel gibt es dann an jeder Kasse zu kaufen, und die Bauern ernten im Herbst riesige Mengen Kürbisse. 89 400 Tonnen waren es im vergangenen Jahr. Ein Teil davon landet in den Schaufenstern von Bäckereien, Blumenläden und Supermärkten. Strohhexen und künstliche Spinnweben machen die Herbstdekoration komplett und sorgen dafür, dass an Halloween heute niemand mehr vorbeigucken kann.

Das Fest hat es also weit gebracht. Eigentlich erstaunlich, da es vor 20 Jahren in Deutschland noch recht unbekannt war. Die Fans von Schoko-Hasen und -Nikolausen brauchen sich vor den süß-sauren Geistern trotzdem nicht zu gruseln: Zu Ostern und Weihnachten wird in Deutschland nach wie vor deutlich mehr verdient. Das Geschäft der Süßwarenindustrie ist zu Weihnachten 33-mal besser als zu Halloween. Karneval ist seit 1991 übrigens auch nicht wieder ausgefallen. Und so ist Hallo-ween heute einfach ein weiterer Anlass zum Partyfeiern.

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