Film aus der Ferne: Per Ballon ins All

Von Bernhard Riedmann

Ein Ballon, eine Kamera, ein Handy: Ein siebenjähriger Junge und sein Vater filmten die Erde von oben - mit einem selbstgebastelten Flugobjekt. "Dein SPIEGEL", das Nachrichtenmagazin für Kinder, erzählt von einem ganz besonderen Experiment.

Film aus der Ferne: Per Ballon ins All Fotos
brooklynspaceprogram.org

Vor fast genau einem Jahr hatten Max Geissbühler, 7, und sein Vater Luke, 40, aus New York wieder mal eine Idee. Die beiden hatten schon alle möglichen Dinge gemeinsam erfunden: ein Roboterkostüm mit einem Monitor als Kopf oder kleine Fahrzeuge für Würmer.

"Lass uns die Würmer doch in die Wolken schicken", schlug Max vor. Der Vater fand den Plan nicht so gut - die Würmer würden wohl erfrieren. Doch statt der Tiere könnte man eine Kamera an Ballons hängen und die Erde von oben filmen. An einem Fallschirm sollte die Kamera dann wieder zur Erde zurückkehren. Die Idee gefiel auch Max.

Zuerst dachte Luke an einen Strauß bunter Ballons, die man auf dem Jahrmarkt kauft. Doch damit würden sie es bestenfalls bis in die Wolken schaffen.

Die Jahrmarkt-Ballons sind mit Helium gefüllt. Das ist leichter als Luft, deshalb steigen sie. Je höher sie kommen, desto dünner wird die Luft. Dünne Luft drückt nicht mehr so fest von außen gegen die Hüllen. Nun kann sich das Helium in den Ballons immer weiter ausdehnen - bis sie platzen. Und wie jeder weiß, platzen Ballons ziemlich rasch.

Eine Burger-Verpackung diente als Raumkapsel

Die beiden brauchten was Besseres: einen Wetterballon. Die haben eine sehr reißfeste Hülle. Forscher nutzen solche Ballons, um Messinstrumente in die oberen Luftschichten zu bringen, in die Stratosphäre.

Dann brauchten Luke und Max eine robuste Kamera. Auf der Reise in die Stratosphäre kann die Luft auf 60 Grad unter null abkühlen. Außerdem sollte die Kamera den harten Aufprall nach der Landung überstehen. Schließlich nahmen sie eine Kamera, die sich sonst Motocross-Fahrer an ihre Helme schrauben.

Aus einer orangefarbenen Burger-Verpackung aus Styropor konstruierten die beiden ihre "Raumkapsel". Die Wände polsterten sie mit Wärmekissen, wie man sie sich sonst im Winter in die Handschuhe steckt.

Doch wie sollten sie die Kamera nach ihrer Reise wiederfinden? "Ich habe mich schweren Herzens entschlossen, mein iPhone hineinzulegen", sagt Luke. Das Telefon hat nämlich einen eingebauten GPS-Chip, wie er in Navigationsgeräten verwendet wird.

Acht Monate nach der ersten Idee standen die beiden auf einer Wiese, Kamera und Handy waren eingeschaltet, der Ballon mit Helium gefüllt. Max zählte von zehn bis null, Luke ließ den Ballon los.

"Die Bilder haben uns alle völlig umgehauen"

Nach zwei Minuten verschwand er in den Wolken - etwa tausend Meter hoch. Nach 24 Minuten war er schon auf 10 Kilometer Höhe, das ist die Reiseflughöhe von Flugzeugen. Und er stieg weiter. Eisiger Wind schüttelte die Box samt Kamera durch, das Video zeigt ein einziges Geschaukel.

In dreifacher Flugzeughöhe gibt es weniger Wind, der Film aus der Kamera zeigt, wie der Ballon sich sanft wiegt. Und man kann erkennen, dass die Erde eine Kugel ist. Das eigentliche Weltall beginnt noch viel höher, aber man ahnt bereits, wie Raumfahrer sich fühlen.

Bei rund 30 Kilometern platzte der Ballon, die Kamerabox fiel am Fallschirm zurück. Aber wo würde sie landen?

Genau 102 Minuten nach dem Start empfingen Vater und Sohn das GPS-Signal. Ihre Kapsel war in rund 50 Kilometer Entfernung gelandet.

Den Film stellten sie ins Internet. Und Max sagt: "Die Bilder haben uns alle völlig umgehauen. Es war nicht einfach, meinen Mitschülern zu erklären, was wir da genau gemacht haben. Trotzdem fanden es alle irgendwie cool."

Dieser Artikel ist ein Beitrag aus der Ausgabe 12/2010 von "Dein SPIEGEL", dem Nachrichtenmagazin für Kinder. Hier geht es zum Inhaltverzeichnis. Das Heft gibt es im SPIEGEL-Shop oder im Zeitschriftenhandel zu kaufen.

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