Nationalkickerin Lira Bajramaj fordert Stefan Raab heraus

Fatmire "Lira" Bajramaj, 23, gehört zu den besten Fußballerinnen Deutschlands. Wenn im Juni die WM der Frauen beginnt, wird sie für ein paar Wochen Schweinsteiger und Co. die Show stehlen. Hier erzählt sie, weshalb sie an einen deutschen Sieg glaubt - und was sie über Leute denkt, die Frauenfußball blöd finden.

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Dein SPIEGEL: Worauf freust du dich am meisten bei der Frauen-Fußball-WM 2011?

Bajramaj: Auf die vollen Stadien, auf die Fans und darauf, dass meine Familie bei jedem Spiel dabei ist.

Dein SPIEGEL: Was ist deine Traumpaarung fürs Finale?

Bajramaj: Deutschland gegen USA. Brasilien haben wir ja schon 2007 besiegt.

Dein SPIEGEL: Und wer wird Weltmeister?

Bajramaj: Wir werden Weltmeister, ganz sicher, denn wir spielen kompakter als unsere Gegner, etwa die USA. Außerdem haben wir das nötige Glück, hundertprozentig.

Dein SPIEGEL: Glaubst du, dass die WM den Durchbruch für den Frauenfußball bringt?

Bajramaj: Jedenfalls wollen wir die beste Werbung dafür machen. Natürlich haben manche Angst, dass zwei Wochen später alles vergessen ist. Aber ich glaube schon, dass auch viele Sponsoren und Zuschauer merken: Hey, das ist ja ein attraktiver Sport.

Dein SPIEGEL: Möchtest du auch mal im Ausland spielen?

Bajramaj: Ja, das ist ein Traum, aber erst in ein paar Jahren. Ich möchte gerne mal in den USA spielen.

Dein SPIEGEL: Weil es in den USA Profis gibt?

Bajramaj: Ja, da ist es genau andersherum als bei uns: Da sind die Frauen die Stars im Fußball, bei denen sind die Stadien ausverkauft, nicht bei den Männern. Gefällt mir.

Dein SPIEGEL: Stefan Raab hat gesagt, er guckt lieber 90 Minuten Unterwasser-Rugby als Frauenfußball. Was sagst du dazu?

Bajramaj: Das war nur wieder einer seiner Witze. Ich lade ihn gerne zu einem WM-Spiel ein. Oder er lädt mich zu sich in seine Show ein, und wir spielen dort mal gegeneinander.

Dein SPIEGEL: Ärgert es dich, dass über Frauenfußball weniger berichtet wird als über Männer?

Bajramaj: Ja, und wie! Unsere Bundesliga ist sehr stark und hat es verdient, dass mehr darüber geschrieben wird.

Dein SPIEGEL: Könntest du in der Bundesliga der Männer mithalten?

Bajramaj: Nein, auch nicht in der zweiten.

Dein SPIEGEL: Oh, schade.

Bajramaj: Ich muss doch ehrlich sein. Wir Frauen sind nicht so athletisch und schnell, das ist nun mal von Natur aus so.

Dein SPIEGEL: Du bist bei der Wahl zur Weltfußballerin des Jahres Dritte geworden. Wie wird man so berühmt?

Bajramaj: Gut Fußball spielen und immer deine Leistung bringen. Aber du musst dich auch außerhalb des Spielfeldes professionell verhalten.

Dein SPIEGEL: Wieso nennst du dich Lira und nicht Fatmire?

Bajramaj: In unserer Familie gab es Streit wegen meines Namens. Mein Onkel und die anderen Männer wollten Fatmire, meine Mutter Lira. Die Männer haben sich durchgesetzt - zuerst. Aber meine Mutter hat sich später nicht darum geschert und mich trotzdem einfach Lira genannt. Das machen jetzt alle.

Dein SPIEGEL: In welchem Alter hast du angefangen, Fußball zu spielen?

Bajramaj: Das war ich in der ersten Klasse, also mit sechs Jahren.

Dein SPIEGEL: Hast du auch mit Jungs Fußball gespielt?

Bajramaj: Ich habe als Mädchen immer nur mit Jungs gespielt. Das kann ich nur empfehlen, da lernt ihr, dagegenzuhalten, wegzudrücken, euch am Ball zu behaupten. Ich gehe heute auch noch mit Jungs auf den Bolzplatz. Hier bei Turbine Potsdam leben viele Mädchen im Sport-Internat. Die stehen um acht Uhr morgens schon beim Training. Da denke ich manchmal: Die brauchen mehr Freiheit, müssen mal raus und einfach bolzen.

Dein SPIEGEL: Was hat dein Vater gesagt, als er erfuhr, dass du Fußball spielst?

Bajramaj: Er war sauer. Das lag aber vor allem daran, dass ich eine ganze Zeit verheimlicht habe, dass ich spiele. Ich hatte Angst, er würde es mir verbieten, und deswegen habe ich gelogen. Ich habe gesagt, ich ginge zur Leichtathletik oder treffe mich mit Freunden.

Dein SPIEGEL: Wie ist er überhaupt darauf gekommen?

Bajramaj: Das war ein Zufall. Er hat mich auf einem Sportplatz gesehen, bei einem Meisterschaftsspiel. Da hörte ich plötzlich seine Stimme: Komm bloß her, sofort. Da bin ich schon mit Tränen in den Augen hin. Aber nachher war es okay, er hat akzeptiert, dass ich spiele.

Dein SPIEGEL: Gibt es beim Frauenfußball auch so viele gute Spieler, deren Eltern aus dem Ausland kommen?

Bajramaj: In der Nationalmannschaft bin ich die Einzige, auch bei Turbine Potsdam. Insgesamt gibt es in der Bundesliga nur ein paar. Offenbar wollen viele Mädels das nicht, oder sie dürfen nicht, auch wegen der Religion. Jungs dürfen ja meist machen, was sie wollen, Mädchen leider nicht.

Dein SPIEGEL: Welche Stimmung herrscht bei euch vor den Spielen in der Umkleidekabine?

Bajramaj: Bei uns ist es immer sehr laut. Wir haben so eine Riesen-Musikbox, und die Musik dröhnt auf voller Stärke. Dazu rufen alle durcheinander, eine sucht ihre Bürste, die andere ihre Schuhe.

Dein SPIEGEL: Welcher Fußballer ist dein Idol?

Bajramaj: Ganz klar Zinedine Zidane. Den habe ich schon als Kind beobachtet und immer versucht, seine Tricks und Tore nachzumachen. Für mich ist er einer der ganz, ganz Großen.

Dein SPIEGEL: Was ist dein bester Trick?

Bajramaj: Der Übersteiger. Das ist der Trick, den ich auch im Spiel mache. Zu viel zaubern kann man da nicht, dann schießt dir der Gegner einfach den Ball weg.

Dein SPIEGEL: Hast du immer im offensiven Mittelfeld gespielt?

Bajramaj: Ja, meine Trainer würden mich nie in die Abwehr lassen, weil ich so gerne mit dem Ball dribble. Wenn ich den dann verliere, fangen wir ein Tor. Deshalb sagen die lieber: Bleib vorn, Lira!

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