Im Dirndl in die Charts "Ich bin ein Volksmusik-Star"

Stefanie, 13, tritt in Volksmusiksendungen im Fernsehen auf und hat sogar einen eigenen Fanclub. Hier erzählt sie, wie es dazu kam und wie es sich anfühlt, vor neun Millionen Menschen zu singen.


Immer wenn ich mein Dirndl mit den rosa Karos anziehe und meine grüne Schürze umbinde, bekomme ich ein bisschen Herzklopfen. Gleich muss ich raus, auf die Bühne. Manchmal schaut mir nur eine Handvoll Leute zu, manchmal sind es Millionen.

Ich mache Volksmusik. So wie man sie zum Beispiel aus dem Musikantenstadl kennt. Ich singe auf Bayerisch und spiele dazu auf der Geige. Mit Pop oder Techno kann ich wenig anfangen. Ich finde es gut, dass es in der Volksmusik um die schönen Dinge geht: um die Liebe, Familie, Freunde, die Berge oder den Sommer. Wer möchte denn schon ständig von Krieg oder Verbrechen singen?

In meiner Klasse finden viele Volksmusik nicht so gut. Sie sagen, dass das etwas für alte Menschen ist, und machen Witze über mich. Vielleicht liegt das auch daran, dass ich für Auftritte oder Proben manchmal ein paar Stunden Schule verpassen darf. Aber das ist mir egal. Wenn ich auf der Bühne stehe und die Zuschauer im Takt klatschen, bin ich glücklich. Ich habe eine gute Freundin, die mir vor meinen Auftritten immer viel Glück wünscht und richtig mitfiebert. Meine Eltern und Oma und Opa kommen meistens mit - auch wenn man dafür weit fahren muss. Ich durfte sogar schon in der Schweiz, in Österreich und in Belgien auftreten.

Die Leute sind richtig mitgegangen und standen auf den Bänken

Bei uns in Bayern schauen sich viele Menschen Volksmusiksendungen im Fernsehen an. Zu meinem zehnten Geburtstag habe ich mir gewünscht, selbst einmal so ein Lied im Tonstudio aufzunehmen. Meine Eltern kennen einen bekannten Texter, der sich auch Lieder für die großen Volksmusikstars ausdenkt. Für mich hat er "Warum denn soll ein Mädchen kein Lausbub nicht sein?" geschrieben. Bei den Aufnahmen konnte ich mich selbst im Kopfhörer hören, da musste ich am Anfang immer lachen. Als das Lied fertig war, fand ich es ziemlich cool, ein richtiger Ohrwurm. Auf unserem Dorffest habe ich es das erste Mal vor Publikum gesungen. Eigentlich war ich nur für einen Titel eingeplant, so zum Ausprobieren. Aber die Leute sind richtig mitgegangen und standen auf den Bänken. Da konnte ich nicht aufhören!

Dann ging alles sehr schnell: Schlagersender haben mein Lied auf einmal im Radio gespielt. Als ich das zum ersten Mal gehört habe, konnte ich es kaum glauben. Ein Jahr danach habe ich dann meine erste Maxi-CD aufgenommen, die kann man im Internet bestellen. "Mei beste Freundin" hieß die. Meine beste Freundin, damit war meine Geige gemeint, die man auch in dem Lied hören kann. Schon komisch, dass manche Menschen statt den Kastelruther Spatzen zu Hause im Wohnzimmer meine Lieder hören, vielleicht sogar jetzt gerade in diesem Moment.

Vor neun Millionen Menschen fühlt man sich wie ein Star

Vor ein paar Wochen haben mein Produzent und ich dann mein erstes richtiges Album gemacht, 14 Lieder sind da drauf. Dabei durfte ich auch mitreden und sagen, wenn mir zum Beispiel ein Stück Text nicht gefällt. Aufgenommen haben wir dann alle an einem Tag. Ich war froh, dass meine Stimme bis zum Schluss gehalten hat. Ich bekomme mittlerweile auch Gesangsunterricht, da lerne ich viel. Es wäre ja peinlich, wenn mir mitten auf der Bühne mal die Stimme wegbliebe.

Meinen größten Auftritt hatte ich bei der "Krone der Volksmusik". Über neun Millionen Menschen haben mich im Fernsehen gesehen, das ist schon Wahnsinn. Da habe ich mich wie ein Star gefühlt, mit eigener Garderobe und Profi-Schminke und so.

Mein Ziel ist es, einmal so berühmt zu werden wie Stefanie Hertel, mein großes Vorbild. Ich bin schon zusammen mit ihr aufgetreten, das war echt toll. Dass ich das auch schaffe, dabei hilft mir mein Fanclub. Über hundert Leute sind schon da drin, viele ältere, aber auch Kinder und Jugendliche. Meine Fans schreiben Briefe und schicken mir Kuscheltiere. Die sitzen alle in meinem Zimmer, eine richtige Bärenhöhle ist das. Ich bin froh, dass die Volksmusik so eine große Rolle in meinem Leben spielt - egal, was die anderen sagen.

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