Politik Dies ist eure Welt

Er zählt zu den mächtigsten Menschen der Erde: Ban Ki Moon, 67, ist Generalsekretär der Uno. In der Uno-Zentrale in New York erklärte Ban den Kinderreportern Helene und Jan, was seine Organisation für den Frieden in der Welt tun kann, warum er manchmal Soldaten schicken muss und in welchen Ländern Kindern Gefahr droht.


Dein SPIEGEL: Herr Generalsekretär, die Uno hat 193 Mitgliedstaaten. Das sind fast alle Länder der Erde. Kennen Sie denn die 193 Hauptstädte auswendig?

Ban Ki Moon: Oh, schwierige Frage. Bei den Hauptstädten bin ich wohl ziemlich gut, obwohl es ein paar kniffelige gibt: Im Staat Elfenbeinküste in Afrika ist die bekannteste Stadt Abidjan, dort sitzt auch die Regierung. Aber die Hauptstadt heißt Yamoussoukro. Gerade erst haben wir die Republik Südsudan als jüngstes Mitglied der Uno begrüßt. Deren Hauptstadt heißt Juba.

Dein SPIEGEL: Und die Namen der Staats-Chefs wissen Sie auch?

Ban Ki Moon: Das würde ich nicht behaupten. Ich treffe jedes Jahr mehr als 500 Staatspräsidenten, Kanzler, Außenminister oder andere Regierungsmitglieder. Mit mindestens 700 telefoniere ich. Ich spreche also jeden Tag mit wichtigen Menschen aus allen möglichen Ländern. Bei einem Treffen bin ich natürlich immer gut vorbereitet. In meinen Anzugtaschen liegen Spickzettel, damit ich die Leute nicht durcheinanderbringe. Das ist gut organisiert. Es ist mir aber schon passiert, dass ich die Zettel verwechselt und mich auf den falschen Gesprächspartner vorbereitet habe, als der noch gar nicht an der Reihe war.

Dein SPIEGEL: Sind Sie als Uno-Generalsekretär der mächtigste Mann der Erde?

Ban Ki Moon: Der Generalsekretär ist nicht der Boss der Welt. Ich kann den Staaten keine Befehle erteilen. Aber alle Staaten der Uno haben sich auf gemeinsame Ziele geeinigt: Die Menschen sollen in Frieden und Sicherheit leben, die armen Länder sollen sich weiterentwickeln können, und überall sollen die Menschenrechte gelten. Als Uno-Chef bin ich der höchste Vertreter all dieser Ideen. Ich habe also eine wichtige Stimme. Das nennt man moralische Macht.

Dein SPIEGEL: Als Sie so alt waren wie wir, wussten Sie da schon, was die Uno ist?

Ban Ki Moon: Ja. Als ich sechs Jahre alt war, gab es in meinem Heimatland Korea einen Krieg. Meine Familie musste fliehen. Und überall im Land war alles zerstört. Als ich in die Schule kam, gab es gar kein Gebäude dafür. Wir saßen draußen auf dem Boden und lernten. Bei Regen mussten wir uns irgendwo einen trockenen Platz suchen, im Sommer hockten wir im Schatten unter einem Baum. Aber wir bekamen Hilfe von der Uno. Bücher, Hefte und Stifte kamen von Unicef, dem Kinderhilfswerk der Uno, und von der Unesco. Diese Organisation ist für Erziehung und Wissenschaft zuständig. Für uns Kinder damals in Korea war die Uno ein Hoffnungsstrahl.

Dein SPIEGEL: Worum kümmert sich die Uno heute?

Ban Ki Moon: Es gibt noch immer Flüchtlinge in vielen Ländern der Erde. Denen muss geholfen werden. Wenn Staaten sich streiten, hilft die Uno, einen Krieg zu vermeiden. Und die Uno versucht, etwas gegen den Klimawandel zu tun. Denn der geht alle Menschen etwas an, und deshalb sollen alle Länder beim Umweltschutz mitmachen.

Dein SPIEGEL: Reden Sie immer nur mit Präsidenten, oder treffen Sie auch mal Kinder?

Ban Ki Moon: Oft sogar. Bei meinen Reisen besuche ich regelmäßig Hilfsprojekte, zum Beispiel Schulen in armen Ländern. Da sehe ich, wie nötig die Hilfe ist und wie viel Hoffnung die Kinder in uns setzen. Das berührt mich sehr, weil es in meiner Kindheit ja genauso war.

Dein SPIEGEL: In manchen Ländern müssen Kinder sogar als Soldaten kämpfen. Was können Sie dagegen tun?

Ban Ki Moon: Das macht mir große Sorgen. Die Uno veröffentlicht jedes Jahr eine Liste mit den Staaten, in denen Kinder als Soldaten missbraucht werden. Dann kann die ganze Welt sehen, wer die Täter sind. Den Regierungen dieser Länder ist das peinlich. Wer uns verspricht, in seinem Land etwas dagegen zu tun, und entsprechende Maßnahmen ergreift, den nehmen wir von der Liste. Im Juni haben wir zum Beispiel so ein Abkommen mit dem Tschad getroffen. Das ist ein Land in Afrika.

Dein SPIEGEL: In welchen Ländern ist es zurzeit für Kinder am gefährlichsten?

Ban Ki Moon: In viel zu vielen. Es gibt rund 20 bewaffnete Konflikte in Afrika, Asien, Südamerika und dem Nahen Osten. Im Sudan, in Afghanistan, dem Irak und Somalia sind Kinder in Gefahr. Manche fallen in die Hände bewaffneter Truppen, viele leiden unter Armut und Gewalt. Und in noch mehr Ländern fliehen Kinder mit ihren Familien vor den Kämpfen.

Dein SPIEGEL: Wie viele Kinder sind auf der Flucht?

Ban Ki Moon: Auf der ganzen Welt zählen wir 4,6 Millionen Flüchtlingskinder. Viele haben schreckliche Erinnerungen und möchten darüber nicht reden - aber wenn die Familie in einem anderen Land Asyl will, müssen oft auch die Kinder berichten, was ihnen passiert ist. Die Uno schickt Psychologen, um diesen Kindern zu helfen. In Syrien gibt es sogar Clowns, die im Flüchtlingslager für die Uno arbeiten. In vielen Gebieten richten wir Schulen ein.

Dein SPIEGEL: Warum schickt die Uno manchmal Soldaten in Konfliktgebiete? Das ist dann doch auch Krieg.

Ban Ki Moon: Unglücklicherweise gibt es viele Gegenden, in denen Menschen aufeinander schießen. Wenn die Gefahr besteht, dass sich daraus ein großer Krieg entwickelt, greifen wir ein. Wenn die Bevölkerung unter der Gewalt leidet oder wenn die Menschenrechte verletzt werden, dann müssen wir helfen. In solchen Fällen erlaubt die Uno den Einsatz von Soldaten.

Dein SPIEGEL: Wenn Ihre Enkelkinder Sie einmal fragen, was Sie als Uno-Generalsekretär erreicht haben, was können Sie da antworten?

Ban Ki Moon: Ich möchte sagen können, dass ich mich sehr angestrengt habe. Das ist mein bescheidener Wunsch. Wir reden bei der Uno viel über die junge Generation, also über eure Zukunft. Euch wird die Welt gehören. Deshalb müssen wir heute für mehr Frieden und Sicherheit sorgen, wir müssen gegen den Klimawandel vorgehen. Heute bin ich dafür verantwortlich, aber morgen werdet ihr es sein.

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