Stuntschule: Cool wie James Bond

Von Almut Steinecke

Wie springt man über ein Auto, ohne sich wehzutun? Wie geht man in Flammen auf, ohne dabei zu verbrennen? In der Kölner Stuntschule "Movie Kids" lernen Kinder die halsbrecherischen Tricks der Profis.

Aylin brennt. Ihre Kleidung steht in Flammen. Aylin, zwölf Jahre alt, schreit und wirft sich auf den Boden. Das sieht sehr gefährlich aus. Doch dann fängt sie an zu lachen: "Hat Spaß gemacht."

Die Flammen an ihrer Jacke sind zwar echt, aber Aylin kann nichts passieren: Sie ist gerade beim "Stunt-Training" für Kinder. Einmal in Flammen stehen gehört hier zum Programm.

Das Wort "Stunt" ist Englisch und bedeutet so viel wie "trickreiches Kunststück". Stuntmen übernehmen in Filmen die gefährlichen Szenen. Sie springen ein, wenn es den Schauspiel-Stars zu brenzlig wird.

Damit sich der Stuntman dabei nicht wehtut, hat er spezielle Tricks trainiert. Und so ein Training gibt es auch für Kinder. Zum Beispiel in der Kinder-Stuntschule "Movie Kids" in Köln. Der "Stuntman" Manfred Kaufmann, 46, leitet die Schule.

Bei Stunts wird gut geschummelt

Heute ist er mit einer Gruppe im Wald unterwegs, der "Bund der Katholischen Jugend" aus Solingen hat den Kurs gebucht. Kaufmann hat einen Assistenten dabei, den 16-jährigen Fabian Kloos. Er zeigt den Kindern die Tricks.

"Am liebsten wär ich später mal Geheimagentin", erzählt Aylin. Minuten zuvor hatte Kaufmann auf ihrem Rücken lauter Stoffläppchen befestigt, die mit Benzin getränkt waren. Kaufmann zündet die Lappen an, sie brennen lichterloh, aber nur kurz: Mit einer nassen Decke löscht der Trainer sie gleich wieder ab.

Aylin fand es nicht zu heiß, "es war wie vor einem Kamin". Und wirklich gefährlich war es auch nicht: Aylins Hose und Jacke bestehen aus feuerfester Kleidung, die nicht brennen kann - die würde auch ein Stuntman im Film tragen. Bei Stunts wird also auch gut geschummelt.

Auch bei wilden Filmprügeleien bricht sich niemand wirklich die Knochen. Assistent Fabian zeigt den Kindern, wie man sich einen Kinnhaken verpasst, ohne sich dabei zu verletzen: Zwei Kinder stellen sich dazu gegenüber auf. Ein Kind führt seine Faust an das Kinn des anderen. Aber ganz kurz bevor das andere Kind von der Faust richtig getroffen werden kann, muss es im letzten Moment wegzucken.

Auf keinen Fall zu krass für Mädchen

Diesen Moment richtig abzupassen, nicht zu spät, aber auch nicht zu früh wegzuzucken, damit alles möglichst echt aussieht - dafür muss man lange trainieren. Alle Bewegungen werden erst einmal in Zeitlupe geübt, bevor man sie langsam schneller und flüssiger werden lässt. Einen Kinnhaken einzustudieren ist also mühsame Arbeit, dabei dauert er im Film nicht mal eine ganze Sekunde.

Etwas einfacher geht das "Sich-erschießen-Lassen": Gerade hält sich die 14-jährige Lara einen Beutel aus Frischhaltefolie vor den Bauch. Der ist prall gefüllt mit Filmblut. Lara zerquetscht den Beutel genau in dem Moment, als der elfjährige Antony mit einer Platzpatronenpistole in die Luft schießt. Das Filmblut spritzt nach allen Seiten, Lara lässt sich fallen, als wäre sie von einem Schuss getroffen.

Ist "Stunt-Training" nicht zu krass für Mädchen? "Nö", Michelle, Laras elfjährige Schwester, schüttelt die roten Haare: "Alles andere ist doch was für Tussis!"

Dann blickt sie zu Kaufmann. Der baut sich jetzt vor einem alten Ford auf und erklärt den "Sprung übers Auto". Assistent Fabian führt ihn vor: Er nimmt Anlauf, stößt sich mit einer Hand an der Motorhaube ab, dreht sich in der Luft, landet mit dem Rücken auf dem Blech und rollt sich über die Seite ab. Wie James Bond, wenn's mal schnell gehen muss. Kaufmann schaut in die Runde, "na - wer traut sich?" Michelle strahlt, reißt den Arm hoch: "Ich!"

Dieser Text ist ein Beitrag aus "Dein SPIEGEL - einfach mehr wissen", dem Nachrichtenmagazin für neugierige Kinder. Dein SPIEGEL berichtet über Politik und Kultur, über Themen aus Natur und Technik, über Sport und Spannendes aus aller Welt - immer unterhaltsam für junge Leser erzählt und erklärt. Das Inhaltsverzeichnis gibt es hier. Bekommen kann man das Heft im SPIEGEL-Shop - und überall im Zeitschriftenhandel.

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