Wrestling "Wie im Wilden Westen"

Wrestler: halb Clowns, halb Athleten - in Amerika sind sie Superstars. Big Show, 39, und Cody Rhodes, 26, gehören zu den Besten in dem Geschäft. Im Interview mit den Kinderreportern Luka, 13, und Fiona, 15, erzählen sie, wie gefährlich ihr Beruf wirklich ist.

2011 WWE, Inc.

Dein SPIEGEL: In Deutschland kennen Wrestling nicht so viele, in den USA werdet ihr von Millionen verehrt. Was ist Wrestling wirklich?

Big Show: Von echtem Kampfsport unterscheidet sich Wrestling vor allem durch eines: Wir wissen immer vorher schon, wie es ausgeht. Die Siege, Schläge und Niederlagen sind abgesprochen und wie in einem Theaterstück einstudiert. Aber wir tun so, als wäre es bitterer Ernst.

Cody Rhodes: Es geht zu wie im Wilden Westen: der Gute auf der einen, der Böse auf der anderen Seite. Am Ende steht der ultimative Kampf, in dem fast immer der Gute den Sieg davonträgt.

Dein SPIEGEL: Ihr dürft, was man eigentlich nicht darf: den Gegner an den Haaren ziehen, mit einem Klappstuhl verkloppen, feige nachtreten. Was finden die Zuschauer so toll daran?

Cody: Wrestling ist wie eine Action-Fernsehserie - mit vielen Folgen. Die Zuschauer interessieren sich für die Geschichte ihrer Helden, sie wollen unbedingt wissen, wie es weitergeht.

Dein SPIEGEL: Beim Wrestling, so sagt man, geht es nicht ums Gewinnen. Um was geht es dann?

Cody: Natürlich wollen wir gewinnen. Wenn die Leute meinetwegen das Ticket kaufen, bin ich der Beste. Weltmeister wird, wer die dollste Show abliefert und für volle Hallen sorgt.

Big Show: Es geht bei einem Wrestling-Kampf nicht nur darum, wie er ausgeht, sondern vor allem, wie er gemacht ist. Für mich ist nicht der Sieg wichtig, sondern die Begeisterung der Zuschauer.

Dein SPIEGEL: Wrestling hat in Deutschland den Ruf, ein Pseudo-Sport zu sein. Wäret ihr nicht in Wahrheit lieber Boxer geworden?

Big Show: Niemals. Ehrlich, wie oft habt ihr schon einen guten Boxkampf gesehen? Wrestling dagegen ist eine Spaßgarantie: Die Zuschauer bekommen für ihr Geld die fette Show. Jedes Mal, wenn ich ein lachendes Kind mit der Maske eines Wrestling-Stars im Publikum sehe, schere ich mich noch weniger um das Geplapper der Kritiker.

Cody: Wrestling ist mehr als Sport. Ich zähl mal auf, was ein Wrestler alles draufhat: Ringen, Judo, Taekwondo, aber auch Gewichtheben, Turnen, Schauspielern und Tanzen.

Dein SPIEGEL: Beim Wrestling gibt es keine festen Regeln. Wie gefährlich ist der Beruf?

Cody: Wrestling tut weh, jeder Wurf und jeder Sprung von den Seilen. Wir krachen auf Bretter, treten uns in den Bauch und stürzen kopfüber aus dem Ring - die große Kunst aber ist, dass sich dabei niemand ernsthaft verletzt.

Big Show: Ich komme morgens vor lauter Muskelkater kaum aus dem Bett.

Dein SPIEGEL: Wie geht es dir heute?

Big Show: Ich bin viermal an jedem Knie operiert worden, hatte unzählige Gehirnerschütterungen und Knochenbrüche - dafür geht es mir erstaunlich gut.

Dein SPIEGEL: Man kann euch als Action-Figur aus Plastik kaufen. Alter, Gewicht, Kampfname und Technik sind auf Spielkarten aufgelistet. Was ist euer persönlicher Trumpf?

Cody: Ich schau gut aus und habe ein umwerfendes Lächeln. So zieh ich die weiblichen Fans auf meine Seite.

Big Show: Er ist hübsch - das muss man ihm lassen. Ich habe eine andere Qualität: den Knock-out. Meine Faust ist wie gemacht dafür, andere zu verdreschen. Außerdem bin ich ein höllisch guter Komödiant. Schon als Kind habe ich alle zum Lachen gebracht.

Dein SPIEGEL: Wir würden gern mal auf dem Schulhof eine starke Show abziehen. Cody, kannst du uns ein paar Griffe beibringen?

Cody: Nein. Niemand sollte jemals versuchen, uns zu Hause nachzumachen. Bevor jemand einen anderen anfasst, muss er lernen, sich und seinen Gegner nicht zu verletzen.

Dein SPIEGEL: Wo können wir das lernen?

Big Show: Man kann Wrestling in speziellen Schulen lernen, auch in Deutschland. Da steht erst einmal die grundlegende Fallschule auf dem Programm. Wenn du dann reif für den Ring bist, musst du dir den Rest von Show zu Show hart erarbeiten.

Dein SPIEGEL: Cody, dein Vater war ein Wrestling-Star, deine beiden Brüder sind Profi-Wrestler. Da hattest du wohl keine andere Wahl, oder?

Big Show: Er hätte auch ein Model für Männerunterwäsche werden können.

Cody: Als ob das ein schlechter Beruf wäre. In Unterhose mache ich eine ausgezeichnete Figur. Aber ich zeige sie lieber im Ring als auf einer Modenschau. Ich stand schon als kleiner Junge zwischen den Seilen. Wrestling ist mein Leben.

Dieser Text ist ein Beitrag aus "Dein SPIEGEL - einfach mehr wissen", dem Nachrichtenmagazin für neugierige Kinder. Dein SPIEGEL berichtet über Politik und Kultur, über Themen aus Natur und Technik, über Sport und Spannendes aus aller Welt - immer unterhaltsam für junge Leser erzählt und erklärt. Das Inhaltsverzeichnis gibt es hier. Bekommen kann man das Heft im SPIEGEL-Shop - und überall im Zeitschriftenhandel.



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