Junger Schiedsrichter: Der mit der Pfeife

Wenn Cedrik, 14, auf dem Fußballplatz steht, hören alle auf sein Kommando. Er ist einer der jüngsten Schiedsrichter Deutschlands.

Auf dem Fußballplatz bin ich der Chef. Wenn ich pfeife, müssen alle Spieler darauf hören. Ich bin Schiedsrichter beim SC Steele in Essen - einer der jüngsten, die es in Deutschland gibt.

Früher haben wir immer mit den Kindern aus unserer Straße Fußball gespielt. Blöderweise waren wir oft eine ungerade Zahl, so dass die eine Mannschaft stärker war als die andere. Ich hab dann freiwillig ausgesetzt - und darauf aufgepasst, dass niemand foult. Fußball mag ich sehr gern, aber ich konnte das noch nie wirklich gut. Als Schiedsrichter ist man mittendrin im Spiel, ohne dass man ein großer Ballkünstler sein muss.

Meine Schiri-Prüfung habe ich vor fünf Jahren gemacht. Eigentlich darf man das mit neun noch gar nicht, aber ich hatte Glück: Der frühere Bundesliga-Schiedsrichter Jürgen Jansen ist ein Freund meiner Eltern. Und wenn man von einem so bekannten Schiri vorgeschlagen wird, kann man ausnahmsweise trotzdem mitmachen.

Im Lehrgang war ich mit Abstand der Jüngste: Ich war 9, die anderen 15 oder noch älter. Mit meinem großen Bruder, der auch im Kurs war, habe ich abends Fußballregeln gepaukt: wie man ein Abseits erkennt zum Beispiel oder was die Spieler beim Einwurf alles falsch machen können. Aber nicht nur die Theorie ist wichtig, man muss auch ziemlich fit sein: Die Prüfung besteht man nur, wenn man drei Runden auf dem Sportplatz in weniger als zwölf Minuten laufen kann.

Es ist manchmal schwierig, den Überblick zu behalten

Fußballspiele zu leiten ist eigentlich erst ab 14 Jahren erlaubt. Nach der Prüfung hätte ich also erst mal fünf Jahre warten müssen. Aber der DFB, der Deutsche Fußball-Bund, hat mal eine Regel festgelegt, die lautet: Wenn ein Schiedsrichter am Platz ist, dann muss der auch pfeifen.

Eine tolle Regel, denn in der F-Jugend, bei den Sieben- und Achtjährigen, braucht man noch keinen offiziellen Schiedsrichter. Diese Spiele pfeift meistens der Vater eines der Kinder. Deshalb habe ich immer - ganz zufällig natürlich - F-Jugend-Spiele besucht. Sobald ich erwähnt habe, dass ich die Schiri-Prüfung bestanden habe, haben sie mir die Pfeife überlassen, und ich konnte üben.

Bei meinem ersten offiziellen Spiel, das ich endlich pfeifen durfte, war ich sehr aufgeregt. Das lag daran, dass so viele Menschen zugeschaut haben. An diesem Tag wurde im Stadion nämlich der neue Kunstrasenplatz eingeweiht - sogar der Bürgermeister war da.

Manchmal ist es schwierig, auf dem Platz den Überblick zu behalten. Ich bin nicht gerade groß für mein Alter. Einmal ist mir ein Stift runtergefallen, den musste ich aufheben. Als ich mich wieder aufgerichtet hatte, lag ein Spieler am Boden, und alle anderen standen drum herum und haben diskutiert - und ich hatte nichts gesehen. Das ist natürlich blöd. Ich habe auf Freistoß entschieden, aber ob das richtig war, weiß ich bis heute nicht.

Die größten Fußball-Stars müssen auf den Schiedsrichter hören

Einmal bin ich richtig übel beschimpft worden: Ich hatte einem Torwart die Rote Karte gezeigt, weil er eine Notbremse gemacht hat. Der Trainer ist daraufhin total ausgerastet und hat fies gemeckert. Der hat dann auch eine Rote Karte bekommen, ich habe ihn vom Platz geschickt. Nach dem Spiel hat er vor der Kabine auf mich gewartet. Richtig sauer war der und hat mir Schläge angedroht. Gott sei Dank war mein Vater in der Nähe.

Mein Vater ist Schiedsrichter wie ich. Wenn wir zu Hause ein Fußballspiel anschauen, streiten meine Brüder über die Leistung von Stürmern oder Torwart. Mein Vater und ich reden darüber, ob der Schiri richtig entschieden hat. Nur meine Mutter hält sich raus.

Seit einiger Zeit bin ich im Perspektiv-Team vom Kreis Niederrhein. Da sind junge Schiedsrichter aus meiner Region, von denen man sagt, dass sie talentiert seien. Es ist toll, dass ich dafür vorgeschlagen wurde. Mein Traum ist, einmal ein WM-Finale zu pfeifen. Allerdings könnte dann Deutschland in diesem Finale nicht spielen, das wäre natürlich schade.

Dass man als Schiedsrichter wohl nie so bekannt sein wird wie Schweini oder Mesut Özil, finde ich nicht schlimm: Denn sogar die größten Fußball-Stars müssen am Ende auf den Schiedsrichter hören.

Dieser Text ist ein Beitrag aus "Dein SPIEGEL - einfach mehr wissen", dem Nachrichtenmagazin für neugierige Kinder. Dein SPIEGEL berichtet über Politik und Kultur, über Themen aus Natur und Technik, über Sport und Spannendes aus aller Welt - immer unterhaltsam für junge Leser erzählt und erklärt. Das Inhaltsverzeichnis gibt es hier. Bekommen kann man das Heft im SPIEGEL-Shop - und überall im Zeitschriftenhandel.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik SchulSPIEGEL
Twitter | RSS
alles zum Thema Dein SPIEGEL
RSS

© Dein SPIEGEL 1/2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback

Fotostrecke
Hamburger Jungfußballer: Kick it like Manuel

Dein SPIEGEL digital
Social Networks