Mit 12 aufs Motorrad: "Ich bin Rennfahrerin"

Selina, 12, aus Untersiemau in Nordbayern hat noch keinen Führerschein. Auf dem Motorrad fährt sie trotzdem allen davon.

Kleine Rennfahrerin: Mein Kindermotorrad schafft 100 Sachen Fotos

Wenn ich Fremden von meinem Hobby erzähle, denken viele, ich will sie veräppeln. Eine Zwölfjährige, die Motorradrennen fährt? Doch, das stimmt.

Fast jedes Wochenende brettere ich mit meiner weißen Honda über Rennstrecken in Deutschland und Tschechien. Mein Motorrad ist deutlich kleiner als die, die im Straßenverkehr unterwegs sind: Ich fahre ein Mini-Bike, das ist etwa so hoch wie ein Shetland-Pony, funktioniert aber sonst wie ein normales Motorrad. Einen Führerschein brauche ich nicht, weil wir auf abgesperrten Rennstrecken fahren. Da gelten die normalen Verkehrsregeln nicht.

Vor drei Jahren war ich mit meinem Papa auf einer Motorrad-Messe. Dort stand so ein Mini-Bike herum. Ich habe den Besitzer gefragt, ob ich mich mal draufsetzen dürfe. Der Mann erzählte, dass er eine Mini-Bike-Schule habe und fragte mich, ob ich zum Probetraining kommen wolle. Na klar wollte ich! Zum Glück haben mir meine Eltern das erlaubt.

Mit dem Wohnwagen zur Rennstrecke

Als ich das erste Mal allein auf die Strecke durfte, war ich ziemlich aufgeregt. Obwohl ich im Schneckentempo herumgekurvt bin, hat es riesigen Spaß gemacht. Seitdem hat mich das Motorrad-Fieber gepackt. Mit Vollgas komme ich auf gut hundert Stundenkilometer.

Meine Schwester Sophia habe ich angesteckt. Seit vorigem Jahr fahren wir beide in der Deutschen Mini-Bike-Meisterschaft mit. Sophia ist neun. Auf der Bahn sind wir Konkurrentinnen. Für mich ist es egal, ob ich Sophia oder einen anderen Gegner überhole. Ich möchte ja gewinnen. Vor dem Rennen geben wir uns trotzdem immer Tipps, wie schnell man in eine Kurve fahren sollte, zum Beispiel.

Zu den Wettkämpfen am Wochenende nehmen wir immer unseren Wohnwagen mit. Damit transportieren wir auch Papas Werkstatt-Zelt: Papa bewahrt dort die Motorräder, Öl, Sprit und Werkzeug auf. Abends bauen wir mit den anderen Fahrern und ihren Familien eine richtige Campingstadt neben der Rennstrecke auf. Die Erwachsenen grillen, die Kinder spielen. Oft muss ich da auch für die Schule lernen. Bei den deutschen Meisterschaften gibt es 20 Rennen. Während der Saison - zwischen März und September - treffen wir jedes Wochenende dieselben Leute. Deshalb kennen wir uns gut. Im Moment ist Winterpause. Ich freue mich schon, im Frühjahr wieder Gas zu geben und alle wiederzusehen.

In die Wiese gefahren und weggerutscht

Leider ist das ein sehr teurer Sport: Man muss nicht nur die Motorräder und die Schutzkleidung kaufen, sondern auch Gebühren für das Training bezahlen. Dazu kommen die Fahrten zu den Rennstrecken, neue Reifen, Ersatzbremsen und natürlich Benzin. Das alles kostet im Jahr mehrere tausend Euro. Im Rennsport gibt es deshalb Sponsoren. Das sind Firmen, die Fahrer mit Geld oder nützlichen Dingen wie Treibstoff oder Ersatzteilen unterstützen. Ohne die Sponsoren, deren Logos wir auf der Maschine und den Rennanzügen tragen, hätten Sophia und ich uns längst ein anderes Hobby suchen müssen.

Während der Woche stehen die Motorräder in der Garage. Dann hat die Schule Vorrang. Nachmittags üben wir mit Jonglierbällen und Einrädern: Mit unserer Zirkusgruppe hatten wir schon viele Auftritte. Ich kann auf einer Kugel laufen und gleichzeitig Teller drehen. Ansonsten treffe ich mich gern mit Freundinnen.

Häufig werde ich gefragt, ob Motorradfahren nicht zu gefährlich ist. Ich finde: nicht gefährlicher als andere Sportarten wie Reiten oder Turnen. Wir sind ja von Kopf bis Fuß eingepackt: Unter der Lederkombi trage ich einen Extraschutz für den Rücken. Dazu Rennhandschuhe, Motorradstiefel und Helm.

Schlimme Unfälle hatten wir zum Glück noch nicht. Nur kleinere, bei denen wir in die Wiese gefahren oder weggerutscht sind. Da gab's ein paar blaue Flecken, mehr nicht. Sophia hat sich einmal das Schlüsselbein gebrochen. Aber nicht beim Motorradfahren - sie ist von einer Hüpfburg gefallen.

Dieser Text ist ein Beitrag aus "Dein SPIEGEL - einfach mehr wissen", dem Nachrichtenmagazin für neugierige Kinder. Dein SPIEGEL berichtet über Politik und Kultur, über Themen aus Natur und Technik, über Sport und Spannendes aus aller Welt - immer unterhaltsam für junge Leser erzählt und erklärt. Das Inhaltsverzeichnisgibt es hier. Bekommen kann man das Heft im SPIEGEL-Shop- und überall im Zeitschriftenhandel.

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