Tennis-Star Petkovic: "Wenn ich verliere, bin ich ungenießbar"

Die Profi-Tennisspielerin Andrea Petkovic, 24, ist ein Multitalent: Wenn sie nicht gerade auf dem Platz steht, dreht sie Videos, studiert und macht Musik. Den Kinderreportern Hannes, 13, und Lucca, 12, verriet sie, wie sie ihre Gegner aus der Ruhe bringt und wie sie sich entspannt.

Dein SPIEGEL: Andrea, wann hast du gemerkt, dass du Tennis besser kannst als andere?

Andrea Petkovic: Meine Eltern kommen aus Serbien, wir leben aber schon lange in Griesheim bei Darmstadt. Ich hatte früher einen serbischen Pass. Mit 14, als ich die deutsche Staatsbürgerschaft bekommen habe, durfte ich zum ersten Mal bei den deutschen Meisterschaften mitspielen. Ich bin bis ins Finale gekommen - da habe ich gedacht: Hey, das mit dem Tennis, das kannst du irgendwie ganz gut.

Dein SPIEGEL: Heute gehörst du zu den zehn besten Spielerinnen der Welt. Wie fühlt sich das an?

Petkovic: So ganz kann ich das immer noch nicht glauben. Anfang 2011 hatte ich mir vorgenommen, unter die Top 20 zu kommen. Unter den besten zehn zu sein ist ein Riesengefühl.

Dein SPIEGEL: Dafür musst du sicher viel trainieren.

Petkovic: Ja. Ich trainiere an sechs Tagen in der Woche, viermal am Tag. Nur sonntags habe ich frei und mittwochnachmittags, da habe ich Massage.

Dein SPIEGEL: Trainierst du auch mal mit Jungs?

Petkovic: Ja, oft sogar. Jungs spielen viel schneller als die Mädels, das ist anstrengend. Ich trainiere aber auch oft mit Angelique Kerber, die ist ziemlich gut. Bei den U. S. Open war sie im Halbfinale.

Dein SPIEGEL: Auf internationalen Turnieren triffst du oft dieselben Gegnerinnen. Versteht ihr euch, oder gibt es Konkurrenzkampf?

Petkovic: Ganz so ernst, wie es von außen aussieht, ist das gar nicht. Die meisten können das gut trennen: Abends gehen wir zusammen essen und haben Spaß. Aber am nächsten Tag versuchen wir trotzdem, uns gegenseitig zu besiegen. Ich verstehe mich vor allem mit den deutschen Mädels gut: mit Julia Görges, Sabine Lisicki und meiner Trainingspartnerin Angie Kerber. Aber ich bin auch mit den serbischen Spielern befreundet.

Dein SPIEGEL: Mit welchen Tricks bringst du deine Gegner aus der Ruhe?

Petkovic: Es gibt ein paar Spielerinnen, die manchmal mit unfairen Mitteln kämpfen, zum Beispiel indem sie bewusst zwischen den Ballwechseln verzögern, um den Gegner aus dem Rhythmus zu bringen. Aber ich gehöre nicht dazu. Ich versuche höchstens, die Zuschauer auf meine Seite zu ziehen, damit die mich unterstützen.

Dein SPIEGEL: Hast du dir deswegen deinen Siegestanz, den Petko-Dance, ausgedacht?

Petkovic: Nein, nein, der war für meinen Trainer Petar Popovic: Ich hatte mal eine Phase, da habe ich schlecht gespielt. Petar hat dann zu mir gesagt: Wenn du mal ein großes Match gewinnst, dann musst du was Verrücktes machen. Und als ich bei den U. S. Open 2010 gegen Nadia Petrowa gewonnen habe - die war in der Weltrangliste auf Platz 16 -, fiel mir als Erstes dieser Tanz ein. Seitdem ist er da, und die Fans wünschen sich das. Den werde ich nicht mehr los.

Dein SPIEGEL: Was war das Coolste, was du - außer Geld - mal bei einem Turnier gewonnen hast?

Petkovic: Das Allercoolste war eine weiße Armbanduhr bei einem kleinen Turnier in Italien vor vier Jahren. Die war superschön, zwei Jahre lang habe ich die getragen. Und dann habe ich sie bei den U. S. Open verloren. Da war ich richtig traurig. Ich habe sie dann vorigen Sommer, als ich wieder dort war, noch mal gesucht. Aber sie ist weg.

Dein SPIEGEL: Was machst du mit den Pokalen, die du gewinnst?

Petkovic: Meine Großeltern in Serbien sind sehr stolz auf mich. Aber leider können die nicht mehr so gut reisen, weil sie schon ziemlich alt sind. Die sehen mich nie live spielen, immer nur im Fernsehen. Meine Eltern bringen denen dann zum Trost die Pokale mit.

Dein SPIEGEL: Wie entspannst du dich nach einem anstrengenden Match?

Petkovic: Mit einer Massage von meiner Physiotherapeutin. Das ist so entspannend, dass ich einschlafe. Abends lese ich gern, am liebsten Goethe, Schiller oder Oscar Wilde, die ganzen alten Männer. Ich weiß, das ist komisch. Aber beim Tennis muss man nicht so viel nachdenken, deshalb mag ich es, ab und zu meine Birne anzustrengen.

Dein SPIEGEL: Und was machst du, wenn du über eine Niederlage so richtig sauer bist?

Petkovic: Oh, das ist schwer. Wenn ich verliere, bin ich ungenießbar. Ich kann in der ersten Nacht nicht schlafen, weil ich immer darüber nachdenke, was ich falsch gemacht habe. Ich gucke dann Filme, um mich abzulenken.

Dein SPIEGEL: Was machst du, wenn du mal frei hast?

Petkovic: Ich spiele zwei Instrumente: Gitarre und Schlagzeug. Ich bin grottenschlecht, aber es macht unheimlich viel Spaß. Leider habe ich nur selten Zeit zum Üben. Meine Nachbarn im Hotel wären sicher nicht so erfreut, wenn ich meine Trommeln auspacken würde. Ansonsten treffe ich mich gern mit meinen Freunden.

Dein SPIEGEL: Hast du auch Freunde, die keine Ahnung von Tennis haben?

Petkovic: Na klar, fast alle meine Freunde interessieren sich nicht für Tennis. Einer meiner besten Freunde denkt bis heute, ein Tie Break ist ein asiatisches Gericht.

Dein SPIEGEL: Neben dem Tennis studierst du Politikwissenschaften. Willst du nach der Profi-Karriere Politikerin werden?

Petkovic: Das hatte ich vor ein paar Jahren tatsächlich mal vor. Aber langsam merke ich, dass man als Politiker auch nicht unbedingt die Welt verbessern kann. Politik finde ich trotzdem interessant, aber Berufspolitikerin, das wäre nichts für mich.

Dein SPIEGEL: Was dann?

Petkovic: Filmregisseurin, das wäre cool. Ich drehe immer so kleine Videofilme für YouTube, da versuche ich, ein bisschen die Tenniswelt von innen zu zeigen. Das macht echt Spaß. Aber erst mal will ich so lange wie möglich Tennis spielen. Die Olympischen Spiele 2016 finden in Rio de Janeiro statt. Ich war noch nie in Brasilien, da würde ich gern hin.

Dieser Text ist ein Beitrag aus "Dein SPIEGEL - einfach mehr wissen", dem Nachrichtenmagazin für neugierige Kinder. Dein SPIEGEL berichtet über Politik und Kultur, über Themen aus Natur und Technik, über Sport und Spannendes aus aller Welt - immer unterhaltsam für junge Leser erzählt und erklärt. Das Inhaltsverzeichnis gibt es hier. Bekommen kann man das Heft im SPIEGEL-Shop - und überall im Zeitschriftenhandel.

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