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Dschungelcamp Ich bin ein Star, ich ess' das auf

Dschungelcamp: Ich bin ein Star, ich ess das auf Fotos
DPA

Sie badeten in 30.000 Kakerlaken, futterten Känguruhoden und zettelten heftige Zickenkriege an: Bereits seit 2004 ziehen Deutschlands B-, C- und Ex-Promis in RTLs Dschungelcamp. einestages erinnert an die ekligsten Momente, die peinlichsten Situationen - und verrät, was aus den Siegern wurde. Von

Er hätte doch auch in den Zoo gehen können. "Sich im Gorilla-Käfig mit Bananen füttern lassen", so hatte es seine Frau damals noch im SPIEGEL vorgeschlagen. Doch ihr Mann wollte nicht hören, und schon gar nicht in den Zoo. Er wollte wieder ins Rampenlicht, nach all den Jahren. Endlich wieder Star sein. Wenigstens ein bisschen.

Und so ging Costa Cordalis in den australischen Urwald.

Vom 9. bis zum 20. Januar 2004 lief auf RTL die erste Staffel von "Ich bin ein Star - holt mich hier raus!". Zum ersten Mal buhlten damals zehn, nun ja, bekannte Gesichter um die Gunst des Publikums, jeden Tag musste die B-Promi-Truppe sich einer neuen Ekelaufgabe stellen, sich mit Fischschleim übergießen lassen, Maden verspeisen oder ein Blutegelbad nehmen - alles, um am Ende "Dschungelkönig" zu werden.

Aufgeschnappt hatten RTL-Produzenten die moderne Gladiatorenschlacht in England. Das deutsche Privatfernsehen feierte damals gerade seinen 20. Geburtstag. Und wie es sich für einen 20-Jährigen gehört, wollte RTL seinem besten Freund, dem Zuschauer, verklickern, dass der Sender auf keinen Fall erwachsen geworden ist.

Und so spielten alle mit beim Ekelfernsehen der ersten Stunde. Schlagerbarde Cordalis tastete sich durch eine Schlangengrube, glänzte als "Sternenfänger" und schob seine wellige Mähne in eine Kiste voller Spinnen. Unvergessen bleibt auch der Auftritt von RTL-Retortenbaby Daniel Küblböck ("Deutschland sucht den Superstar", erste Staffel, dritter Platz), der sich einen "Kakerlakensarg" aus Glas mit 30.000 Küchenschaben teilen musste. Oder Caroline Beil (Ex-"Blitz"-Moderatorin, Sat.1), die sich sirupverschmiert mit einer Straußenherde um ein paar Eier zankte.

Fast fünf Millionen Zuschauer verfolgten die Auftaktepisode der ersten Staffel von "Ich bin ein Star - holt mich hier raus!". Mit jeder Sendung stieg die Kurve der Einschaltquoten steiler an, so steil, dass auch die resistentesten Feuilletons irgendwann nicht mehr um das Dschungelcamp herumkamen - und die Show zerfleischten: "Guantanamo Bay des deutschen Spaß-Fernsehens" nannte der SPIEGEL sie, den Generaldirektor des Europäischen Medieninstituts erinnerten die Spiele im Camp laut "Bild" tatsächlich an Foltermethoden. Kirchenvertreter forderten, die Show abzusetzen, auch die "Welt" fand das "Big Brother unter Palmen" damals eher nicht so witzig, und für die "Süddeutsche Zeitung" war die neue Dschungel-Show auf RTL einfach nur "armselig".

Kognitiver Urlaub für das Bildungsbürgertum

Immer wieder wurde der Beginn des "Unterschichtenfernsehens" zeitgleich mit dem Ende des Abendlandes ausgerufen. Auch kamen hin und wieder Zweifel an der Echtheit des Camps auf. Einige vermuteten es in den Vororten von Köln, dem RTL-Sitz, andere hielten die Urwaldkulisse für computeranimiert. Das ZDF-Magazin "Frontal 21" fuhr sogar nach Ostaustralien, um der Sache investigativ auf den Grund zu gehen.

In diesen Tagen läuft - im zehnten Jahr des Bestehens - die achte Staffel des Dschungelcamps an. In der Zwischenzeit hat sich an der Trashsendung selbst nicht viel gewandelt, sehr wohl aber an ihrem Image: Was einst als Häme des Moderatorenduos Sonja Zietlow und Dirk Bach verschrien war (nach Bachs Tod 2012: Sonja Zietlow und Daniel Hartwich), gilt plötzlich als "bissiger Kommentar"; aus dem vermeintlichen Unterschichten-TV ist auf einmal kognitiver Urlaub für das übersättigte Bildungsbürgertum geworden. Vergangenes Jahr wurde das Dschungelcamp sogar für den Grimme-Preis nominiert.

Ach ja: Gewinner der ersten Staffel wurde übrigens Costa Cordalis. Vergangenes Jahr gastierte der untersetzte Schlagersänger bei der Sat.1-Diät-Show "Big Stars - Promis specken ab", gerade soll er mit einem Redakteur der "Neuen Osnabrücker Zeitung" an seinen Memoiren schreiben. Vielleicht erinnern sich einige noch daran, dass er mal ein Star war. Im Dschungelcamp.

Von Ameisensäure bis Zickenterror: Reisen Sie mit einestages durch die besten Momente aus zehn Dschungelcamp-Jahren - und erfahren Sie, was aus den Gewinnern von damals wurde!

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insgesamt 7 Beiträge
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1.
Harald Kother, 17.01.2014
Gibt es eigentlich eine Bertelsmann-konzerninterne Anweisung, dass in alle irgendwie zum Konzern gehörenden Medien kräftig über diese Fernseh-Sendung berichtet werden muss, um sie zu pushen und hohe Einschaltquoten zu garantieren? Anders kann ich mir jedenfalls nicht erklären, dass jährlich mit Beginn dieses Trashs im TV auch (vermeintliche?) Qualitätsmedien wie Spiegel Online ausführlich darüber "informieren"! Die Sendung ist doch ein alter Hut - der Nachrichten- und selbst der Unterhaltungswert hält sich ziemlich in Grenzen...
2.
Peter Ostern, 17.01.2014
10 Jahre Volksverblödung. Und alle Medien gehen drauf ein... Könnt ihr uns nicht endlich damit verschonen?
3.
Thomas Jestel, 17.01.2014
Leider steht nicht bei allen "Stars", was diese nach ihrer Dschungel-Zeit zustande gebracht haben. Keine Lust zur Recherche, oder ist deren heutige Beschäftigung sogar für deren Verhältnisse so belanglos, das sich eine Erwähnung schlicht nicht lohnt ?
4.
Sven Seifert, 17.01.2014
" Bereits seit 2004 ziehen Deutschlands B-, C- und Ex-Promis" Oh, in welcher Staffel war ein B-Promi? Der/die muss mir entgangen sein!
5.
Johannes Möller, 17.01.2014
Stefan Seifert schrieb: "Oh, in welcher Staffel war ein B-Promi?" Ich würde schon sagen, dass Helmut Berger aufgrund seiner Rollen in Visconti-Filmen, die zugegebenermaßen Jahrzehnte zurückliegen, als B-Promi durchgeht. Ebenso vermutlich Mathieu Carrière und Rainer Langhans. Die Formulierung im Artikel ist eher insofern fragwürdig, als dort neben C- auch noch D-, E- und eine ganze Reihe schlichter Non-Promis auftraten. Was ich nie verstanden habe - und was ich auch im Artikel nur unbefriedigend erklärt finde: Warum besprechen einigermaßen seriöse Printmedien so eine widerlichen Dreck? Allein an der Einschaltquote kann das nicht liegen. Bei "Tutti frutti" schauten - wie ich dank einestages weiß - ähnlich viele zu, und die Sendungen wurden nicht ernsthaft in der Zeit rezensiert. Ich habe zwei Verdachte: 1) Der unverhohlene Appell an niedere Instinkte verfängt auch bei manchem Feuilletonisten. 2) Die Auswahl der Opfer ist insoweit geschickt, als immer mindestens einer dabei ist, der den Kulturmenschen nicht ganz egal ist. Das wären zum Beispiel neben den schon Genannten: Lisa Fitz und Ingrid van Bergen. Das gibt ihnen dann "das Recht", diese futchtbare Sendung zu gucken.
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