55 Jahre Chevrolet Corvette Discolack und Donnergrollen

55 Jahre Chevrolet Corvette: Discolack und Donnergrollen Fotos
Corbis

Zuhälterkarre, Puppenfänger, aufgeblasener PS-Kraftmeier: Die Corvette von Chevrolet ist für Europas Autofahrer alles Mögliche, nur kein Sportwagen. Dabei ist sie mit 1,5 Millionen verkauften Exemplaren sogar viel mehr - der erfolgreichste Straßenrennschlitten der Welt. Von

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All die Ferraris und Porsche dieser Welt können es nicht ändern: Chevrolets legendäre Corvette, mittlerweile in sechs Generationen produziert, ist der erfolgreichste Sportwagen der Welt - anderthalb Millionen der röhrenden Rochen auf Rädern wurden seit 1953 verkauft.

Dabei sah es anfangs nicht nach einem großen Erfolg aus. Gerade mal 315 Exemplare konnten im ersten Produktionsjahr vom Band rollen, Montageprobleme und geringe Kapazitäten des Werkes in Flint, Michigan, verhinderten fast den Start der Erfolgsgeschichte Corvette. Hinzu kam die Tatsache, dass die Corvette bis 1955 lediglich mit einem schwachbrüstigen Sechszylindermotor und einer Zweigangautomatik ausgeliefert werden - Sportwagenfeeling kam bei dieser Kombination so gar nicht auf.

Es bedurfte eines jungen Heißsporns, um das wahre Potenzial des "ersten echten amerikanischen Sportwagens" wachzukitzeln. 1953 stieß Zora Arkus-Duntov zu Chevrolet und stieg dort in kürzester Zeit zum Cheftechniker auf. Von dort aus ordnete er die Veränderungen an, die der Corvette zu ihrem durchschlagenden Erfolg verhelfen sollten: V8-Triebwerk in den Motorraum, Schaltknüppel für ein manuelles Dreiganggetriebe in den Innenraum.

Porsche und Ferrari den Auspuff zeigen

Das war 1955, und von diesem Tag an blieb das Corvette-Rezept unverändert: ein gierig brabbelnder und hubraumstarker V8 in eine leichte Kunststoffkarosserie gehüllt ergibt beeindruckende Fahrleistungen. Egal welche Generation: eine V8-Corvette reisst den Fahrer wie am Gummiband gezogen nach vorn. Direkt oberhalb der Leerlaufdrehzahl steht Drehmoment in Hülle und Fülle zur Verfügung und ohne Luftholen drehen die zu Unrecht als Bauermotoren verschrienen V8 locker über 6000 Touren. Diese Beschleunigung und das infernalische Brüllen, dieses Erlebnis sucht seines gleichen. Zumindest auf gerader Strecke, denn auch wenn die Mannen beim Chevrolet-Mutterkonzern General Motors ihrem Sportwagen ein für US-Autos dieser Zeit einmaliges Feature wie Einzelradaufhängung gönnten - mit den fein abgestimmten Fahrwerken europäischer Sportwagen konnte die Corvette Anfangs nicht mithalten.

Weder die erste, noch die zweite, noch die dritte Generation hielten den Ansprüchen der deutsche Autotester stand. "Schein-Sportwagen" ätzte die "Welt am Sonntag" in ihrem Test der Corvette C3 vor fast dreißig Jahren, Tester Hans Werner Loose berichtete von "einem Fahrverhalten wie ein Känguru" auf welliger Fahrbahn.

In der Tat gewann die Corvette in dieser Hinsicht erst mit der fünften Generation deutlich an Boden. Seit deren Erscheinen 1997 schauen die europäischen Konkurrenten von Porsche und Co. nicht mehr nur auf der Autobahn in die Auspuffrohre der Corvette, sondern auch auf der Rennstrecke: Fünf Siege in der GT1-Klasse bei den 24 Stunden von Le Mans und der Gewinn der GT3-Serie stehen für die Corvette zu Buche.

Discolack und Chromanbauteile

Leider hilft das nicht gegen jenes andere Image, dass der Corvette spätestens seit Einführung der dritten Generation anhaftet: das der Ludenschleuder. Ein Image, das nicht von ungefähr kommt. Ende der siebziger, Anfang der achtziger fanden sich Corvettes tatsächlich bevorzugt in den Rotlichtviertel Deutschlands geparkt, aufgerüstet mit Chromanbauteilen und schillerndem Discolack bis weit über die Grenzen des guten Geschmacks.

Vielleicht lag es an der Einschätzung von Deutschlands berühmtesten Autotester Fritz Busch. Der hatte als Fan der US-Autokultur der Corvette attestiert, sie sei "der beste Puppenfänger aller Zeiten".


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1.
Heiko Frommann 23.09.2008
Der erfolgreichste "Strassenrennschlitten" mag die Corvette ja sein, aber der Titel der erfolgreichsten Sportwagenserie geht leider an die Z-Serie von Nissan. 1,685,000 verkaufte Einheiten, in 5 Generatienen seit 1969.
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