Sean Connery Bonds Top Secrets

Sean Connery: Bonds Top Secrets Fotos
Sean Connery - Eine Hommage in Fotografien

Martinis, Gangster, schöne Frauen: Als Geheimagent James Bond wurde Sean Connery zum Weltstar und Jahrhundert-Sexsymbol. Zum Geburtstag des Schotten blickt einestages zurück auf seine turbulente Jugend - in der eine Karriere als Schauspieler alles andere als vorgezeichnet war. Von

  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 5 Kommentare
    4.4 (76 Bewertungen)

Die Leinwand blieb schwarz bei der Premierenaufführung im Londoner Pavilion-Kino am 5. Oktober 1962. Dann, ganz langsam, kroch ein kleiner Lichtpunkt ins Bild, kam auf das Publikum zu, wuchs und gab den Blick frei auf einen metallisch glänzenden Tunnel - den Lauf einer Pistole, aus dem Blick des Projektils, das auf sein Opfer wartet. Seelenruhig schlenderte ein Mann ins Blickfeld, elegant gekleidet in Anzug und Hut. Mit tödlicher Präzision folgte die Mündung der Waffe seinen Schritten. Doch plötzlich machte der Mann im Anzug einen Satz, zog aus der Drehung heraus seine Waffe, schoss - und traf. Und während die Titelmelodie zu "James Bond - 007 jagt Dr. No" erklang, färbte sich die Leinwand blutrot.

Die Abenteuer des britischen Geheimagenten wurden zu seinem riesigen Überraschungserfolg: Gerade mal 900.000 Dollar hatte der Film gekostet, und die Vertreter der Produktionsfirma United Artists waren bei der ersten Vorführung so enttäuscht gewesen, dass sie nur noch hofften, wenigstens die Produktionskosten wieder einzuspielen. Mit lächerlichen 6000 Pfund Gage war der Hauptdarsteller, ein unbekannter schottischer Schauspieler namens Sean Connery, abgespeist worden. Und selbst er äußerte sich, wie sich Adolf Heinzlmeier 2001 in der Biografie "Sean Connery. Lizenz zum Filmen" erinnert, gegenüber einem Freund skeptisch über den Erfolg des Streifens: "Es wird ein Film wie jeder andere sein." Er irrte sich gewaltig: "Dr. No" spielte etliche Millionen Dollar ein und schuf einen der größten Helden der Kinogeschichte.

Für Connery wurde es die Rolle seines Lebens: Mit seiner markigen Erscheinung verlieh der Schotte dem britischen Gentleman Bond aus Ian Flemings Romanen jenes animalische Charisma, das die Filmserie berühmt machte. Und die Rolle des weltgewandten, mysteriösen Geheimagenten, in dessen Armen die hübschesten Frauen der Welt dahinschmolzen, machte ihrerseits aus Connery ein unsterbliches Sexsymbol. Dabei verstanden sich Connery und Bond niemals besonders gut: Der Schauspieler pflegte nach dem Dreh einer Szene als Erstes das verhasste Bond-Toupet, das seine Geheimratsecken verdeckte, in die Ecke zu pfeffern, und er beklagte, die Rolle des Agenten verfolge ihn "wie ein Fluch". Er wurde der berühmteste Spion der Welt, doch zum Spion geboren fühlte er sich nie.

Vom Fußballnarr zu Mr. Universum

Hätte man den jungen Thomas Connery, wie er vor Beginn seiner Schauspielerkarriere noch hieß, danach gefragt, wozu er sich geboren fühle, hätte die Antwort mit Sicherheit "Sportler" gelautet. Schon seit seiner Kindheit in einem Arbeitervorort von Edinburgh hegte Thomas oder "Big Tam", wie er bald wegen seiner ungewöhnlich großen Statur genannt wurde, eine außergewöhnliche Begeisterung für Sport, ganz besonders Fußball: Schon am Ende seiner Grundschulzeit suchte er sich seine weiterführende Schule danach aus, ob an ihr Fußball gespielt wurde oder nicht.

Als Jugendlicher spielte er für die Junioren-Mannschaft des Fußballclubs Bonnyrigg Rose. Im Interview mit "Mud & Glory" erinnerte sich 2005 sein ehemaliger Teamkollege Nat Fisher, Connery sei eigentlich kein besonders guter Spieler gewesen: "Die gegnerischen Verteidiger machten mit ihm, was sie wollten. Das gefiel ihm nicht besonders." Viel stärker sei er schon damals durch sein gutes Aussehen aufgefallen: "Alle Mädchen liebten ihn." Doch ganz so schlecht wie von Fisher geschildert können Connerys Leistungen nicht gewesen sein: Denn als Matt Busby, Trainer des berühmten Clubs Manchester United, Connery 1953 bei einem Spiel in Manchester sah, bot er "Big Tam" sofort einen Vertrag an. Der bat um eine Bedenkzeit - er fürchtete, schon zu alt für eine Fußballkarriere zu sein.

Gleichzeitig hatte Connery es auch als Bodybuilder zu beachtlichen Erfolgen gebracht: Auf Anraten seines Freundes war er 1950 Mitglied im Dunedin Amateur Weight Lifting Club geworden und hatte dort begonnen, Gewichte zu stemmen. Connery, dessen athletischer Körperbau ihm unter anderem zu Jobs als Nacktmodell für die Kunsthochschule Edingurgh und als Rettungsschwimmer verholfen hatte, baute schnell Muskelmasse auf. 1952 schließlich lieh er sich ein Motorrad und fuhr in acht Stunden die 600 Kilometer weite Strecke nach London, um an der Wahl zum Mr. Universum teilzunehmen. Er gewann die Bronzemedaille in der "tall men's class" für Männer über 1,80 Meter.

Ein Chorjunge, der nicht singen kann

Fußballprofi oder Bodybuilder - für den jungen Thomas Connery standen plötzlich ganz neue Türen offen. Doch just an diesem Punkt entschied er sich für etwas völlig Unerwartetes: Er hörte, dass der Chor des Londoner Royal Theatre kräftig gebaute Sänger für das Musical "South Pacific" suche. Zwar hatte Connery nie in einem Chor gesungen - doch mit der ihm eigenen Chuzpe stellte er sich einfach als Sänger und Tänzer vor. Er bestand die Aufnahmeprüfung nur knapp, da auffiel, dass er eigentlich gar nicht singen konnte. Einmal mehr war es sein gutes Aussehen, das Connery rettete: Denn für das Stück wurden noch Matrosen-Darsteller gesucht, die nicht singen mussten, für die der imposante Körperbau des Hobby-Bodybuilders aber ideal war.

Connery tauchte voller Begeisterung und Ehrgeiz in die Welt der Schauspielerei ein und ließ dafür sogar seinen Namen ändern: Statt Thomas nannte er sich nun Sean, in Anlehnung an den Western "Mein großer Freund Shane" von 1954, der Connery sehr gefiel. Bald spielte er am Theater in Stücken wie Agatha Christies "Zeugin der Anklage" oder Euripides' "Die Bacchen". 1957 schaffte er dann den Sprung zum Film, und einmal mehr war es sein Sex-Appeal, der ihm den Weg öffnete: Produzent Alvin Rakoff suchte einen Hauptdarsteller für "Die Faust im Gesicht", einen TV-Film über das Leben eines ehemaligen Boxweltmeisters. Es war Rakoffs Frau, die Connery für die Rolle vorschlug. Rakoff war zunächst skeptisch, doch er ließ sich von seiner Frau mit der Prophezeiung überreden, dass die Frauen Connery lieben würden.

Von der Mafia bedroht

Und die Frauen liebten ihn, so sehr sogar, dass es ihn fast das Leben kosten sollte: 1958 hatte er die Möglichkeit, in einer seiner ersten wirklich großen Produktionen "Herz ohne Hoffnung" an der Seite von Hollywood-Star Lana Turner zu spielen. Turner, wegen ihrer körperbetonten Pullover auch als "Sweater Girl" bekannt, war nicht nur auf der Leinwand ein Vamp: Im echten Leben siebenmal verheiratet, hatte sie bei den Dreharbeiten gerade ihre Scheidung vom "Tarzan"-Hauptdarsteller Lex Barker hinter sich. Da im Film eine leidenschaftliche Liebesaffäre zwischen den Charakteren von Turner und dem attraktiven Connery entflammte, ließen Gerüchte über eine Affäre zwischen den beiden Schauspielern nicht lange auf sich warten.

Das Gerücht sollte gefährliche Folgen haben: Denn Turners damaliger Verlobter war der berüchtigte Gangster Johnny Stampanato Jr., der als Leibwächter und Geldeintreiber für den Mafioso Mickey Cohen arbeitete. Als er von den Gerüchten erfuhr, reiste er sofort aus Los Angeles nach London und begann, am Set seine Freundin und die Filmcrew zu bedrohen. Als er schließlich mit einem Gewehr am Drehort erschien und es auf Connery richtete, schlug der ihn mit der Faust zu Boden. Regisseur Lewis Allen rief den Scotland Yard zur Hilfe, der den Gangster des Landes verwies.

Ein Jahr später holte diese Begebenheit Connery ein: Er befand sich gerade in Hollywood zu den Dreharbeiten an dem Disney-Film "Das Geheimnis der verwunschenen Höhle", als er einen anonymen Anruf erhielt: "Du solltest besser die Stadt verlassen." Was Connery nicht gewusst hatte: Kurz zuvor war Stampanato erstochen worden - von der 14-jährigen Tochter eines seiner Opfer. Doch die Mafia ging davon aus, Connery sei der wahre Täter. Auf Rat von Walt Disney tauchte Connery in einem kleinen Motel im San Fernando Valley ab.

Von einer Frau gerettet

Doch so gefährlich Connerys Ausstrahlung ihm auch geworden war - sie verhalf ihm letztlich zu dem Engagement, das sein Leben veränderte: Als die Produzenten Harry Saltzman und Albert Broccoli 1960 nach einem Darsteller für James Bond in "Dr. No" suchten, luden sie den Schotten wegen seines guten Aussehens ein. Connery leistete sich einen Auftritt, der sich an Respektlosigkeit kaum noch überbieten ließ: Er erschien statt im Anzug mit zerknitterten Hosen und offenem Hemd, ließ sich in einen Sessel fallen, schlug mit der Faust auf den Tisch und fragte, was sie von ihm wollten. Probeaufnahmen lehnte er völlig ab - sie hätten ihn so zu nehmen, wie er sei - oder gar nicht. Saltzman erinnert sich: "Wir haben nie einen selbstbewussteren Kerl gesehen." Und Broccoli ergänzt: "Oder einen arroganteren Hurensohn."

Auch Bond-Autor Ian Fleming war zunächst alles andere als begeistert über die Vorstellung, der ungehobelte Connery solle seinen Geheimagenten spielen. Er sei ganz anders gewesen, als er sich Bond immer vorgestellt habe, erklärte der Autor: "Ich erwartete Commander James Bond, stattdessen sah ich einen zu groß gewachsenen Stuntman." Doch letztendlich änderte Fleming, der das letzte Wort bei der Besetzung der Rolle hatte, seine Meinung und stimmte für Bond. Angeblich, weil seine Freundin ihm gut zugeredet hatte, den markigen Schotten zu nehmen.

Zum Weiterlesen:

Manfred Hobsch: "Sean Connery - Hollywood Collection - Eine Hommage in Fotografien". Schwarzkopf + Schwarzkopf, 2010, 159 Seiten.

Artikel bewerten
4.4 (76 Bewertungen)
Mehr zum Thema
Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 5 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
Stefan Blanck, 25.08.2010
"(...) Seelenruhig schlenderte ein Mann ins Blickfeld, elegant gekleidet in Anzug und Hut. Mit tödlicher Präzision folgte die Mündung der Waffe seinen Schritten. Doch plötzlich machte der Mann im Anzug einen Satz, zog aus der Drehung heraus seine Waffe, schoss - und traf." Wobei es sich bei diesem Schauspieler nicht um Sean Connery handelt, sondern um Bob Simmons, den Bond-Stuntman.
2.
Monika Staesche, 25.08.2010
Der Mythos, daß man an einem Überzug mit Goldfarbe sterben kann, hält sich hartnäckig... ein Mensch ist kein Salamander, sprich, er atmet nicht über die Haut! Der Mensch atmet hauptsächlich über die Lunge. Was außer Kontrolle geraten könnte, ist die Körpertemperatur, weil der Überzug das Schwitzen problematisch macht. Insofern würde die Dame höchstens an einem Hitzschlag sterben...
3.
Moritz Hildebrand, 27.08.2010
>Der Mythos, daß man an einem Überzug mit Goldfarbe sterben kann, hält sich hartnäckig... ein Mensch ist kein Salamander, sprich, er atmet nicht über die Haut! Der Mensch atmet hauptsächlich über die Lunge. Was außer Kontrolle geraten könnte, ist die Körpertemperatur, weil der Überzug das Schwitzen problematisch macht. Insofern würde die Dame höchstens an einem Hitzschlag sterben... Ian Fleming hatte die Idee hierzu übrigens nachdem er vor dem Krieg Gerüchte von einem Showgirl gehört hatte, das komplett mit Gold überzogen verstarb.
4.
Michael Schoenbach, 26.06.2012
Toni Curtis (geb. Bernard Schwartz, Sohn jüdischer Einwanderer aus Ungarn) sagte mal, als man ihn fragte wie man ein Hollywood Star würde: Glaube mir, du muss nur sau gut aussehen und photogen sein. Alles andere (Schauspielern z.B.) ist Bullshit und sie bringen es dir bei. Connery wurde seinen ungehobelten schottischen Heimatakzent (inkl. leichtem Sprachfehler), nie los und reussierte dennoch.
5.
Oliver Pliatsikas, 10.05.2013
Interessanter Artikel vor allem das mit der Mafia Bedrohung war mir neu.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH