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Deutsch-britisches Ehepaar "Sie akzeptierten mich, den jungen Deutschen"

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Uwe Siemon-Netto


Vor 54 Jahren heiratete der Deutsche Uwe Siemon-Netto eine Engländerin - und probte seitdem das europäische Projekt im Kleinen. Mit Entsetzen verfolgten sie den Brexit und wie damit eine historische Chance verspielt wurde.

"O mein Gott, da bleibe ich doch lieber gleich im Bett", stöhnte meine Frau Gillian, als ich sie am Morgen mit der Hiobsbotschaft weckte, dass ihre Landsleute mehrheitlich für den Austritt Großbritanniens aus der EU gestimmt hätten. Bevor sie die Decke wieder über ihren Kopf zog, sagte sie: "Das Leben wird nicht wieder sein, wie es einmal war."

Dabei hatten wir so viel Hoffnung, als wir die jungen Europäer waren: Vor mehr als einem halben Jahrhundert wollten wir unsere furchtbaren Kindheitserinnerungen hinter uns bringen - damals, kurz nach dem Krieg, in dem wir jede Nacht um unser Leben hatten bangen müssen. Twisten wollten wir Abend für Abend im Saddle Room an der Park Lane, der ersten Diskothek in London. Wir wollten uns lieben und träumten von einer lichten Zukunft, wie sie der britische Staatsmann Winston Churchill skizziert hatte: friedlich als Bürger eines vereinten Europas zu leben.

"Wenn ich zehn Jahre jünger wäre", sagte Churchill kurz nach Kriegsende zu seiner Frau Clementine, "könnte ich vielleicht der erste Präsident der Vereinigten Staaten von Europa werden."

Das hat Churchill bekanntlich nicht geschafft, aber wir, Gillian und ich, erfüllten seine Vision auf unsere Weise. Wir heirateten - ein Deutscher und eine Engländerin. Das liegt nun 54 Jahre zurück.

"Hey Uwe, du alter Nazi"

Wir waren beide ausgebombt worden, Gillian in Southampton, ich in Leipzig. Wir arbeiteten beide an der Fleet Street, dem untergegangenen Zentrum der früher geistreichen englischen Presse. Gillian war bei der "Vogue", ich Korrespondent des Springer-Auslandsdienstes. Ich hatte mein Büro im Verlagshaus des "Daily Telegraph", schräg gegenüber von El Vino. Diese Journalistenschenke ließ bis 1982 keine Frauen über ihre Türschwelle - nicht dort lernte ich also Gillian kennen, sondern bei einer gemeinsamen Freundin.

Aber im El Vino freundete ich mich fürs Leben mit englischen Kollegen an. Sie akzeptierten mich, den jungen Deutschen, ohne Vorbehalte. Wir sollten uns immer wieder begegnen: nach dem Kennedy-Attentat 1963 in Dallas, dann im Vietnamkrieg, bei den Krisen in Nahost. Wir waren allesamt Raubeine - und hänselten einander gnadenlos.

"Hey Uwe, du alter Nazi", rief mir der zwirbelbärtige Donald Wise vom "Daily Mirror" über den Fluss Jordan zu, als ich für eine Reportage Palästinenser zur Allenby-Brücke begleitete, die Israel nach dem Sechstagekrieg 1967 gerade wieder geöffnet hatte, damit nach Amman geflüchtete Araber zu ihren Häusern im besetzten Westjordanland zurückkehren konnten.

Uwe Siemon-Netto mit Gillian 1966 in New York Zur Großansicht
Uwe Siemon-Netto

Uwe Siemon-Netto mit Gillian 1966 in New York

Donald, vormals britischer Major, sah aus wie David Niven, nur besser, was den hübschen israelischen Soldatinnen, die ihn umringten, überaus zusagte.

"Guck mal, was ich hier habe, weil ich kein alter Nazi bin: lauter Miniröcke", frotzelte er zu mir über den Jordan. "Und sieh, was du alter Nazi da hast: lauter Vermummte." Die Israelinnen fauchten. Einige sammelten schon Steine. "Lasst das, ihr dummen Küken", herrschte Donald sie an. "Ich mache doch nur Quatsch. Dieser junge Hunne ist mein bester Freund."

Wir waren nicht zimperlich in unserer Journalistenfreundschaft. Wir teilten kräftig aus, aber nie gehässig wie heute die "Kollegen" vom "Daily Telegraph" und - schlimmer noch - von der "Sun", die sich schamlos vor den Karren der EU-Hasser spannen lassen und sich noch lustig finden, wenn sie in ihrer Agitation gegen die angeblichen Weltmachtgelüste Deutschlands immer wieder Hitler heraufbeschwören.

Glühbirnendiktat und andere Petitessen

Einmal stellte ich einen vielleicht 20 Jahre jüngeren Starkolumnisten vom "Daily Telegraph" per E-Mail zur Rede. Er schrieb zurück: "Du beweist, dass ihr Deutschen keinen Sinn für Humor habt." Ich antwortete: "Mein Vater verlor im Ersten Weltkrieg sein Augenlicht. Mir wurde im Zweiten Weltkrieg mein Elternhaus weggebombt, und ich habe miterlebt, wie meine Spielgefährten von Trümmern zermalmt wurden." Er entschuldigte sich. Ich fügte hinzu: "Im Übrigen erkundige dich doch bei Gillian, warum sie es so lange an der Seite eines humorlosen Hunnen ausgehalten hat."

"Mit unserem Humor hat das alles nichts zu tun; das Merkmal des englischen Humors ist Selbstironie, nicht Hass", sagte Gillian, als wir letzthin nach dem Mord an der EU-freundlichen Labour-Abgeordneten Jo Cox darüber sinnierten, wie sehr das gesellschaftliche Klima in ihrer Heimat verwahrlost ist, seit eine Generation, die kein Krieg traumatisiert hat, in Politik und Medien den Ton angibt.

Margaret Thatcher, in ihrer besten Rolle als britische Hausfrau: Ab Anfang 1975 war Margaret Thatcher neue Vorsitzende der Tories, der konservativen Partei in Großbritannien - und musste gleich eine wegweisende Entscheidung mittragen. Im Juni 1975 stimmten die Briten über einen Austritt aus der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft ab. In den Europa-Diskussionen dominierte die Sorge um die englische Hausfrau, die womöglich bald nicht mehr günstig einkaufen könne. Thatcher setzte sich für einen Verbleib in Europa ein, erkämpfte später aber Sonderregelungen für ihr Land. Das Referendum war der historische Vorläufer der Brexit-Entscheidung im Juni 2016.

Eric Heffer war damals Politiker in der Labour-Partei, die sich anschickte, den historischen Beitritt Großbritanniens zur EWG rückgängig zu machen. Die anti-marketeers verfügten in der Regierungspartei über eine Zweidrittelmehrheit.

Gone shopping: Die europaskeptische Politikerin Barbara Castle (links im Bild) präsentierte im Mai 1975 Haushaltswaren, die sie angeblich in London und in Brüssel kaufte - um zu zeigen, wie viel teurer das Leben auf dem Kontinent sei. Castle plädierte damit für einen Austritt Großbritanniens aus der EWG. Zu ihren Helfern gehörte ihre siebenjährige Nichte (im Hintergrund).

Europäischer Ernstfall: Per Hand, noch ohne Computer wurden Anfang Juni 1975 die Stimmen über einen möglichen EWG-Austritt Großbritanniens ausgezählt. 41 Jahre später wiederholt sich das Szenario am 23. Juni 2016 - Umfragen sagen ein sehr enges Ergebnis voraus. 1975 stimmten gut zwei Drittel der Briten für den Verbleib in Europa.

Optimistisch: Margaret Thatcher am 5. Juni 1975 vor einer der Wahlstationen. Die Konservativen hatten 1973 unter ihrem Premier Edward Heath den Beitritt Großbritanniens zur EWG beschlossen. Jetzt galt es für Thatchers Partei, diese Mitgliedschaft, Heaths politisches Erbe, nicht nach zwei Jahren schon wieder zu verlieren.

Nichts wie raus! Der britische Handelsminister Peter Shore von der regierenden Labour-Partei erklärte Ende Mai 1975 auf einer Pressekonferenz, warum sein Land unbedingt die EWG wieder verlassen müsse. In der Arbeiterpartei hatten sich zwei Lager gebildet: Die pro-marketeers befürworteten Europa, während die anti-marketeers einen gemeinsamen Markt ablehnten.

Bleiben oder gehen? Es war eine historische Entscheidung - das Foto zeigt die offiziellen Argumente der Befürworter und Gegner der EWG-Mitgliedschaft. "Do you think the United Kingdom should stay in the European Community (Common Market)?", lautete die Frage des Refenrendums. "Sind Sie der Ansicht, dass das Vereinigte Königreich Mitglied der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (des Gemeinsamen Marktes) bleiben sollte?" Die Antwort der Mehrheit lautete: Ja.

Auch Helmut Schmidt schaltete sich in die britische Debatte ein. Das Bild zeigt ihn als Gastredner beim Labour-Parteitag am 30. November 1974. "Ihre Genossen auf dem Kontinent möchten, dass Sie bleiben, und Sie werden dies bitte zu erwägen haben", rief Schmidt den britischen Sozialdemokraten zu. Das Wort "Genossen" bemühte er sonst selten.

Alles korrekt? Wenige Tage vor der Abstimmung über Europa wurden die Wahlboxen überprüft. Nachdem Frankreich unter Präsident Charles de Gaulle in den Sechzigerjahren zweimal einem britischen Beitritt zur EWG, dem Vorläufer zur EU, verhindert hatte, waren die Engländer 1973 der Gemeinschaft beigetreten.

Stunde der Entscheidung: Per solider Handarbeit wurden am 6. Juni 1975 die ersten Ergebnisse aus den Wahlbezirken eingetragen. Die Anhänger Europas konnten bald aufatmen.

Kämpfer für Europa: Der Liberale Jeremy Thorpe, der 1974 abgewählte konservative Premier Edward Heath (Bildmitte) und Labour-Politiker Roy Jenkins warben Ende Mai 1975 parteiübergreifend für den Verbleib Großbritanniens in der EWG. Heath gilt noch heute als einziger britischer Premier, der ein überzeugter Europäer war.

Tony Benn, hier mit seiner Tochter Melissa vor einem Wahllokal, war damals Industrieminister und zählte zum linken Flügel der Arbeiterpartei. In den Siebzigerjahren waren vor allem Linke unter den Antieuropäern; heute dagegen wettern in vielen Ländern die Rechten gegen Europa.

Demonstration vor einem Denkmal: Winston Churchill hatte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs die Vision einer Art "Vereinigten Staaten von Europa" beschworen. Allerdings betonte er schon damals, die Briten würden diesem neuen kontinentalen Europa zwar wohlwollend zur Seite stehen, selbst aber nicht Teil davon werden. Diese Zerrissenheit blieb bis heute. Auf diesem Foto posierte die neue Tory-Vorsitzende Margaret Thatcher mit der europäischen Fahne vor Churchills Denkmal.

Der konservative Politiker Enoch Powell zählte zu den Wortführern der Euroskeptiker und galt als brillanter Redner. 1974 verließ er die Tories, weil sie Großbritanniens Beitritt zur EWG zugestimmt hatten, und rief zur Wahl der weit europakritischeren Labour-Partei auf.

Margaret Thatcher war damals Tory-Vorsitzende und aufstrebende Politikerin. Ihre großen Ambitionen führten sie 1979 ins Amt der Premierministerin, in Europa wurde sie weithin bekannt als...

...eiserne Lady. Ob pro Europa oder "splendid isolation" - die politische Elite des Landes war sich stets einig, dass Großbritannien jedenfalls eine Sonderrolle in Europa erfülle und Sonderkonditionen verdiene. "I want my money back", verlangte Thatcher 1984 und handelte einen Britenrabatt auf die Beitragszahlen des Landes heraus. Dabei blieb es bis heute. Und bis heute prägen konsequentes Quengeln, Nörgeln und Drängen auf einen Sonderstaus das britische Verhältnis zu Europa.

Uns schauderts, wie sehr diese Spezies von Meinungsmachern selbst Menschen verhetzt, die uns seit Langem nahestanden. Dieser Tage riefen wir Gillians älteste Freundin an, eine Gräfin obendrein. Sie sagte: "Ich kann den Wahltag gar nicht abwarten! Jetzt will Brüssel sogar, dass ich alle meine Glühbirnen austausche. Höchste Zeit, dass wir uns von Europa befreien!"

O Gott! Dieser Dame kommen beim Gedanken an Europa idiotische Banalitäten wie das Brüsseler Glühbirnendiktat in den Sinn - während wir dankbar daran denken, dass seit Mai 1945 keine Bomben mehr auf unsere Länder fielen. Wir bezogen unser Wissen über den Segen eines vereinten Europas nicht von ideologisch verbogenen Kommentatoren und schlechten Geschichtslehrern. Wir wissen einfach, wie es ist, dem Tod von der Schippe zu springen.

Wie zum Beispiel Gillian, als sie nach Amerika evakuiert werden sollte und auf den Zubringerzug zum Hafen von Liverpool wartete, wo am 13. September 1940 der Dampfer "City of Benares" ablegen sollte.

"Toter Deutscher, guter Deutscher"

Unvermittelt schob sich ihr Vater Sidney Ackers durch die Menschenmassen auf dem Bahnsteig, warf sich Gillian über die Schultern und sagte nur: "Ich lass dich nicht fahren. Entweder leben wir zusammen oder wir sterben zusammen." Kurz darauf versenkte das deutsche Unterseeboot "U-48" das Schiff. Von den 90 Kindern an Bord kamen 77 ums Leben.

Ich lernte Sidney Ackers wenige Wochen nach meiner ersten Begegnung mit Gillian kennen. Wir hatten uns schnell verlobt, sie stellte mich ihm vor. "Der einzige gute Deutsche ist ein toter Deutscher", brummelte er zum Willkommensgruß. Alsbald umarmte er mich und sagte: "Das war nur ein Scherz, mit dem ich mich selbst veralbern wollte." Fortan überschüttete er mich mit einer väterlichen Liebe, wie ich sie von meinem eigenen Vater nie erfahren hatte.

Das Ehepaar Siemon-Netto 2013 Zur Großansicht
Uwe Simon-Netto

Das Ehepaar Siemon-Netto 2013

Schon Jahre zuvor hatte mich die Art vieler Engländer berührt, uns jungen Deutschen die Vergangenheit nicht nachzutragen. Mit einer kleinen schwarz-rot-goldenen Fahne am Rucksack fuhr ich per Anhalter von London nach York. Ein Herr im Bentley nahm mich mit: "Ich habe lange nicht mehr deutsch gesprochen und möchte es wieder lernen, und Sie müssen Ihr Englisch verbessern. Also spreche ich mit Ihnen deutsch, Sie korrigieren mich, und Sie sprechen englisch, ich korrigiere Sie. Einverstanden?"

Als er mich vor York absetzte, schob er mir fünf Pfund in die Manteltasche, ohne dass ich es gleich merkte. Fünf Pfund waren damals viel Geld, ungleich höher war jedoch der ideelle Wert dieser Geste.

Endlich Europa

Bald darauf arbeitete ich bei einem Großbauern mit einer unwiderstehlichen Tochter. Eines Tages sagte er: "Uwe, wie ich dem Zustand meiner Heustadel entnehme, hast du an meiner Tochter Gefallen gefunden. Hättest du Lust, Farmer zu werden? Mein Sohn ist im Krieg gefallen. Ich habe keinen Nachfolger für meinen Hof. Meine Frau und ich hätten dich gern zum Schwiegersohn. Überleg dirs."

Lange rang ich mit diesem noblen Angebot zu einer Zeit, in der London wie die meisten deutschen Städte noch voller Ruinen war. Dann schlug ich es aus, weil ich mich mit 18 Jahren zu jung dafür fühlte und außerdem Journalist werden wollte. Aber jetzt, da unsere Sehnsucht nach einem gemeinsamen europäischen Dach enttäuscht zu werden droht, denke ich oft an diese zauberhafte Szene in einer Periode zurück, als wir meinten, den Hass überwunden zu haben.

Mit Wehmut gedenke ich dieses Bauern und des Gentlemans mit dem Bentley, meines gütigen Schwiegervaters und der vielen längst toten Haudegen wie Donald Wise, dieser Engländer, die alle meine treuen Freunde waren.

Vielleicht muss man um die 80 Jahre alt sein, um angesichts der Brexit-Kampagne die Tiefe von Gillians und meiner Trauer über das augenscheinlich Verlorene zu ermessen - und meinen unbändigen Zorn darüber, wie leichtfertig da eine engstirnige Generation eine historische Chance verramscht und ihren Kindern die Zukunft verbaut. Dabei wollten doch die meisten jungen Briten Europäer bleiben.

Friede in Europa.

Zur Person
  • Uwe Siemon-Netto
    Uwe Siemon-Netto, gebürtiger Leipziger, ist seit 60 Jahren Journalist. Er hat sich unter anderem mit seinen Berichten vom Vietnamkrieg einen Namen gemacht. Siemon-Netto, ein promovierter lutherischer Theologe, lebt in Südkalifornien und Frankreich. Zur Jahrtausendfeier seiner Heimatstadt Leipzig hat er jetzt seinen Memoirenband "Griewatsch! Der Lümmel aus dem Leipziger Luftschutzkeller" (Fontis-Verlag, Basel) herausgebracht. Im Juli 2016 erscheint sein Buch "Luther. Lehrmeister des Widerstands".
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1.
Azrael Dawn, 22.06.2016
Danke für diesen schönen Artikel! Ich bin nicht gar so Welterfahren und Krieg kenne ich nur aus den Geschichtsbüchern und Nachrichten. Dennoch stimme ich Ihnen voll zu.
2. Danke...
Thomas Piefke, 26.06.2016
meine Mutter wurde in Berlin ausgebombt. Wenn man solche Geschichten hört, sollte man verstehen, dass die EU niemals zu teuer sein kann.
3. ....
Jochen Hoffstätter, 26.06.2016
Diesen Mann werden Menschen nie verstehen, die aus ihrer engstirnigen (nationalen) Welt nie herausgekommen sind, das gilt für alle, nicht nur für deutsche Provinzler!
4.
Michael Kalus, 26.06.2016
---Zitat--- Wir bezogen unser Wissen über den Segen eines vereinten Europas nicht von ideologisch verbogenen Kommentatoren und schlechten Geschichtslehrern. Wir wissen einfach, wie es ist, dem Tod von der Schippe zu springen. ---Zitatende--- Ich habe mich schon vor 20 Jahren, als ich 20 war, gefragt wie lange Deutschland und Europa noch an Frieden und die EU glauben werden wenn die letzten WWII Ueberlebenden Tot sind. Der Gedanke kam mir als ich damals an einem Stueck der alten Stuttgarter Stadtmauer stand. Dort sieht man noch Loecher von Kugeln aus, was ich vermute, Gewehre waren waehrend des zweiten Weltkrieges. Das Stueck Wand ist nicht gross, ein paar Meter, eingebettet zwischen neueren Bauten und kaum einer weiss das es existiert. Google Maps zeigt ihn leider nicht, aber wen es interessiert, es ist am Treppenaufgang von der Sophienstrasse in die Marien Passage. Ich gebe zu, ich bin eigentlich Froh das die Briten "draussen sind". Ich hatte von jeher das Gefuehl das es da zwei Briten gab. Die "normalos" und die "Elite". Zu letzteren zaehle ich auch Johnson, Farrage etc. Nicht das Cameron da nicht auch dabei war. Aber als jemand der sehr viel den Britischen Medien folgt, es war schon lange klar das die Britische Elite nie wirklich verstanden hat das das Empire 1947 vorbei war. Das Brexit Votum ist also eine Konsequenz daraus, denn die Politische Elite hat seit mehr als 30 Jahren immer wieder Bruessel und die EU als Suendenbock fuer die eigene Inkompetenz dargestellt. Die EU hat Probleme, im besonderen ein Demokratisches und diese muessen angegangen werden. Ich denke aber das am ende ein Europa ohne die UK besser dasteht, wenn auch nur weil der BREXIT eine Aenderung bedingt. Auf der anderen Seite macht es mich traurig, denn mein Idealismus wurde mal wieder angeschlagen.
5.
U R, 26.06.2016
ein schöner Artikel! Aber warum leider so oft die ursprüngliche europäische Idee gleichgesetzt mit dem EU-Frankenstein, der in Zusammenarbeit von EU-Apparatschiks und drittklassigen, von ihren eigenen Parteikollegen nach Brüssel abgeschobenen Politikern erschaffen wurde? Aus dieser Fehlkonstruktion hat sich GB zu recht verabschiedet, nicht von der Idee von "Frieden in Europa"!
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