Aberglaube Der Mann, der Freitag, den 13. erfand

Vorsicht, Bananenschale! An einem Freitag, den 13. bleibt man lieber gleich im Bett. Aber warum eigentlich? Ralf Bülow suchte nach dem Ursprung des angeblichen Pechtages - und fand heraus, dass er sogar seinem Erfinder Unglück brachte.

dpa

Es ist Freitag, der 13. Oktober 1307. In Frankreich herrscht König Philipp IV., genannt der Schöne. Auf seinen Befehl schwärmen in Paris und in der Provinz bewaffnete Schergen aus und nehmen die Templer fest, Mitglieder des ebenso mysteriösen wie reichen Ritterordens. Die Prozesse ziehen sich jahrelang hin. 1310 werden 54 Templer zum Scheiterhaufen geführt, 1314 stirbt Jacques de Molay, der Großmeister des Ordens, den Feuertod. Das Datum der Verhaftung aber lebt bis heute als Unglückstag weiter, als Freitag, der 13.

Diese Begründung dafür, dass Freitag, der 13., gemeinhin als Unglückstag gilt, geht zwar zu Herzen, doch ist sie leider falsch. Das zeigt ein Blick ins "Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens", dessen dritter Band von 1931 dem Freitag volle 14 Seiten widmet. Kein anderer Wochentag ist demnach mit einer solchen Fülle von Aberglauben belastet, wobei die negativen Erwartungen überwiegen. Das gefürchtete Datum, der 13., aber taucht nur ganz am Rande auf: Im alten Mecklenburg galt der Freitag als idealer Hochzeitstermin - falls er nicht gerade auf den 13. oder 17. des Monats fiel.

Doch nicht nur Deutsche, auch Engländer und Amerikaner packte am fünften Tag der Woche die Angst. Als erster "Black Friday" gilt der 6. Dezember 1745, an dem die Nachricht vom Vormarsch des schottischen Thronanwärters Charles Edward Stuart zur Stadt Derby die Börsenkurse in London abstürzen ließ. Im 19. Jahrhundert folgten Schwarze Freitage auf beiden Seiten des Atlantiks. So brach am 11. Mai 1866 die Londoner Bank Overend, Gurney & Co. zusammen, und am 24. September 1869 führten Goldspekulationen zur Finanzkrise in den USA. Der Wiener Börsenkrach von 1873 fand ebenfalls an einem Freitag statt.

Auf dem Weg zur Kombi-Phobie

Größer und älter als die Furcht vor Freitagen ist allerdings die Triskaidekaphobie - die Angst vor der 13. Ihr Ursprung verliert sich im Dunkel der Geschichte, einen frühen Auftritt als Schreckenszahl erlebte die 13 im alttestamentarischen Buch Ester. Der böse Wesir Haman will genau am 13. Tag des Monats Adar die in Persien lebenden Juden beseitigen. Ester, die jüdische Gattin des Perserkönigs Artaxerxes, weiß das aber zu verhindern. An jenem Termin und am Folgetag sterben statt der Juden ihre Feinde, und zur Erinnerung stiftet Esters Ziehvater Mordechai das beliebte Purim-Fest.

In der Neuzeit entstand in den Vereinigten Staaten eine Art Kombi-Phobie. Am 26. Dezember 1874 berichtete die "New York Times" von der Angst mancher Menschen, sich an Freitagen mit zwölf anderen an einen Tisch zu setzen. Als Reaktion darauf gründeten mutige Männer in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts den "Thirteen Club". Seine Mitglieder dinierten mehrmals jährlich in feinen Restaurants, natürlich stets freitags, und boten dem Schicksal die Stirn, indem sie in Dreizehnerrunden zusammenhockten und sich einen netten Abend machten.

Von hier war es nur ein kleiner Schritt zu einer weiteren Kombination. Den vollzog zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Finanzmann und Schriftsteller Thomas W. Lawson. Geboren 1857 als Sohn kanadischer Einwanderer in einem Vorort von Boston, lernte er im Teenageralter das Handwerk des Börsianers. Er spezialisierte sich auf Bergbaupapiere und hatte mit 30 die erste Million beisammen. Durch den Kupferboom der späten neunziger Jahre des 19. Jahrhunderts, eine Folge der zunehmenden Elektrifizierung in den USA, wurde Lawson Multimillionär.

Der Erfinder des Schreckenstermins

Ab 1897 half er den Investoren Henry Rogers und William Rockefeller bei dem Versuch, mit der Amalgamated Copper Mining Company - aus der später der Anaconda-Konzern hervorging - den Kupfermarkt zu beherrschen. Doch alles Manipulieren war vergeblich. Lawson stieg aus, wurde Chef eines Gasversorgers und wandelte sich vom Saulus zum Paulus. Von 1904 bis 1905 rechnete er in einer Zeitschrift mit seinen Geschäftspartnern ab. Er konnte schreiben, und der Erfolg seiner Artikel war sensationell. 1907 folgte dann sein Börsenroman "Friday, the Thirteenth", der noch im gleichen Jahr als "Freitag, der Dreizehnte" auf Deutsch erschien.

Das Werk schildert die Taten eines Wall-Street-Maklers, den eine Frau vom rechten Weg abbringt. Um eine Firma in den Ruin zu treiben, löst er an besagtem Freitag durch Aktientricks einen Kursrutsch aus. Er erreicht sein Ziel, doch führt ihn sein Sieg zugleich ins Verderben. Das Online-Archiv der "New York Times" zeigt, dass die teuflische Paarung von Wochentag und Datum erst nach dem Erscheinen von Lawsons Roman auftrat. Auch das Buch "13: The Story of the World's Most Popular Superstition", das der Amerikaner Nathaniel Lachenmeyer vor vier Jahren vorlegte, hält den Bostoner Kapitalisten für den Erfinder des Schreckenstermins.

Deutsche Opfer der Paraskavedekatriaphobie, wie die Freitag-der-Dreizehnte-Furcht medizinisch heißt, wird es freuen, dass die wohl erste Verfilmung ihres Leidens in Berlin geschah. Regisseur Richard Oswald drehte 1916 einen Krimi über die Familie von Eulenstein, deren Angehörige plötzlich sterben, wenn "Freitag, der 13.", auf dem Kalender steht. Meisterdetektiv Engelbert Fox entlarvt schließlich einen Verwandten als Mörder, der es auf das Erbe abgesehen hat. Ein zweiter, weit harmloserer Film desselben Titels kam 1944 in die Kinos. Der SPIEGEL erwähnte die Phrase zum ersten Mal in Heft 34/1948: "Es war der 13. und außerdem ein Freitag."

Ein Denkmal im Meer

Nach seinem Romanerfolg von 1907 bemühte sich Thomas Lawson, durch politische Bücher als Reformer anerkannt zu werden. Da er auf wenig Interesse stieß, kehrte er zur Börse zurück, konnte aber nicht mehr an die alten Erfolge anknüpfen. Er musste sein sechs Millionen Dollar teures Landgut "Dreamworld" veräußern und starb 1925 in Boston in nur noch bescheidenem Wohlstand. Von der Traumwelt zeugt heute noch der grandiose Wasserturm, den Lawson im Stil einer deutschen Ritterburg ausstaffierte.

Sein Denkmal und die passende Würdigung seines Beitrags zur Weltkultur liegt 17 Meter unter dem Meeresspiegel vor den südenglischen Scilly-Inseln. Es ist das Wrack der "Thomas W. Larson". Das 120 Meter lange, nach dem Börsenmakler benannte Schiff lief 1902 in den USA vom Stapel; der größte Segler seiner Zeit und der einzige Siebenmastschoner der Seefahrtsgeschichte. In einem Orkan wurde er gegen die Felseninsel Shag Rock geworfen und versank; von den 19 Menschen an Bord überlebten nur der Kapitän und der Maschinist. Die Katastrophe geschah in der Nacht vom 13. auf den 14. Dezember 1907. Der 13. Dezember war ein Freitag.

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insgesamt 7 Beiträge
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Frank Thissen, 13.06.2008
1.
Hallo Ralf Bülow, kleine Anmerkung: der Freitag ist der 6. Tag der Woche. Frank
Arthur Fischer, 13.06.2008
2.
Naja, und der Tag an dem die "Thomas W. Larson" unterging war ein Samstag... Sollte uns der Artikel aufklären oder worum geht es?
Ralf Bülow, 13.06.2008
3.
Wie man's nimmt. In Boston war es jedenfalls noch Freitag, der 13.
Wilfried Vollmer, 13.06.2008
4.
Ein interessanter Aufhänger und ein ebensolcher Schluss sind ja aus rhetorischer Sicht gut, aber ist es geschickt, wenn diese Passagen gerade das Gegenteil (es ist was dran) von dem suggerieren, was uns der eigentliche Hauptteil sagen will (es ist eine Fiktion)?
Jan Raithel, 14.06.2008
5.
Interessante Artikel! Lieder fehlt ein wichtigesDetail. Der 13. eines Monats fällt öfter auf einen Freitag als auf jeden anderen Tag der Woche. Meines Wissens hats hat ein amerikanischer Schülersich die Mühe gemacht, zu zählen, welches Datum wie oftz auf welchen Wochentag fällt. Die Wahrscheinlichkeit, Pech zu haben ist zwar an jedem Tag gleich, da es aber besonders viele 13. Freitage gibt, gibt es dort natürlich besonders viel Pech. Sollte in einem Artikel über 13. Freitage meiner Meinung nach nicht fehlen!!! P.S. : Ich schreibe dies an einem 13.Freitag, und bisher läuft alles gut. Allerdings dauert dieser Tag noch kanpp 30min, für Pech ist also noch etwas Zeit;-)
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