Abgewiesene Berühmtheiten Spielberg? Nein danke!

Renommierte Filmhochschulen wollten ihn nicht, bei Universal durfte er nur Hilfsarbeiter sein: Steven Spielbergs Weg zum Regisseur begann beschwerlich. Und so wie ihm ging es so einigen Weltstars.

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Voll Hoffnung wartete der junge Filmnerd auf die Antwort der berühmten University of South California's Film School. Dabei schien die Bewerbung eigentlich reine Formsache: Wenn Sie ihn nicht aufnehmen würden - wen dann? Schließlich war das Filmemachen alles, was für ihn wirklich zählte: Schon mit 13 hatte der schüchterne Junge einen 40-minütigen Kriegsfilm gedreht, mit 16 gar einen 140-minütigen Science-Fiction-Streifen, der im lokalen Kino in Phoenix seine 500 US-Dollar Kosten an einem Abend wieder einspielte. Er hatte offenbar ein Gespür für Wirtschaftlichkeit.

Doch dann kam die Antwort der Universität: No. Er konnte es nicht glauben - und machte einen zweiten Anlauf. Wieder: Abgelehnt. Schließlich gab er die USC auf und bewarb sich bei der zweiten renommierten Bildungsanstalt Kaliforniens, der University of California. Um auch hier einen Korb zu kassieren.

Hatte er sich geirrt? Vielleicht war er trotz seiner Filmbegeisterung einfach nicht gemacht dafür, Filme zu drehen. War er am Ende zu nichts Höherem bestimmt als einem Kartenabreißer, bestenfalls Filmvorführer?

Steven Spielberg glaubte es nicht. So schnell wollte er sich nicht geschlagen geben.

"Begleitet von sehr viel Feindseligkeit"

Für ihn, der schon als Kind aufgrund seiner jüdischen Abstammung in der Schule schwierige Zeiten erlebt hatte, war das Filmemachen immer Fluchtmöglichkeit gewesen. Auch vor den Hausaufgaben, seine Noten waren mies. Spielberg selbst nannte seine Jugend einmal: "Diese jämmerlichen Jahre." Und nun war er wild entschlossen, dieses Jammertal hinter sich zu lassen und etwas aus seinem Talent zu machen - auch wenn die Welt sich weigerte, es anzuerkennen.

Nach den Absagen blieb dem ehrgeizigen Spielberg nichts übrig, als sich in der wenig illustren California State University Long Beach einzuschreiben. Das Hauptfach des Filmfreaks, der kaum ein Buch freiwillig in die Hand nahm: Englisch. Wirklich engagiert arbeitete er nur abseits der Vorlesungssäle.

"Dank privater Kontakte", so verriet der Regisseur später dem "Hollywood Reporter", verschaffte er sich - mit Anzug und Aktentasche getarnt - drei Monate lang täglich Zugang zu den Universal-Studios in Hollywood. Hier atmete Spielberg förmlich alles ein, was er vom Alltag bei Dreharbeiten mitbekam, und verlor sein Herz endgültig an den Film. Dennoch führten seine regelmäßigen Besuche in den Universal Studios zunächst zu nichts. Ein privater Schicksalsschlag kam hinzu: Seine Eltern ließen sich scheiden. Spielberg nannte diese Zeit später "Hölle auf Erden".

Zwei Tage in der Woche studierte er, was nicht nur sein Vater deutlich zu wenig fand. Den Rest der Woche schuftete er bei Universal. Doch weiter als bis zum Hilfsarbeiter, der ganz nah dran sein durfte, aber nicht dabei, schaffte er es nicht. Das Filmbusiness der späten Sechzigerjahre wurde beherrscht von alten Männern. Das Durchschnittsalter: 55 Jahre. "Wir mussten unseren Weg in den Beruf, der sich um junge Menschen nicht scherte, freikämpfen", sagte Spielberg. "Meine ersten Schritte waren begleitet von sehr viel Feindseligkeit."

Visionäre Gören

Zum Glück war der Zeitgeist auf seiner Seite: Ende der Sechzigerjahre, nach dem Erfolg von "Bonnie und Clyde", war die Jugendwelle, die "American Wave" (in Anlehnung an die französische "Nouvelle Vague"), nicht mehr aufzuhalten. Das "Time"-Magazin widmete sich im Dezember 1967 den neuen Wunderkindern, den "Movie Brats" ("Film-Gören") um Francis Ford Coppola, George Lucas und Martin Scorsese, und sah endgültig die große Ära des US-Films aufziehen. Das "New Hollywood" sollte das Kino verändern. Es war ein prophetischer Artikel, wenn auch ein Name fehlte: Steven Spielberg.

Der hatte lange Geld für seinen ersten 35-mm-Film gesammelt und nun endlich einen Investor gefunden, der 10.000 US-Dollar auf das junge Talent setzte. Im Juli 1968 drehte Spielberg "Amblin", die 26-minütige Geschichte eines frischverliebten Tramper-Pärchens. Universal-Mitarbeiter Chuck Silvers war überwältigt: "Ich habe geweint. Er war alles, was er hätte sein können. Er war perfekt."

Die jämmerlichen Jahre, die Hölle auf Erden - sie waren nun vorbei. Stattdessen begann Spielbergs Flug an die Spitze, zu Oscar-Ehren, Ruhm und Reichtum. Der begeisterte Chuck Silvers rief den TV-Direktor von Universal an, Sidney Sheinberg. Der ließ ein Treffen mit Spielberg arrangieren und bot dem gerade 22-Jährigen gleich einen Job an. "Sie sollten ein Regisseur sein", riet er Spielberg. Der antwortete nur: "Das denke ich auch."

Erst die Karriere - dann der Abschluss

Rund 30 Jahre später hatte er drei Oscars gewonnen, seine Filme spielten mehr Geld ein als die irgendeines Kollegen. Doch noch immer hatte Spielberg seine Ablehnung an der Universität Mitte der Sechzigerjahre nicht losgelassen. Er spendete einen Teil seines Vermögens ausgerechnet der University of South California, die ihn 1965 zweimal abgewiesen hatte. Er wurde dort Dozent und später Ehrendoktor - allerdings unter einer Bedingung: Die Person, die ihm damals das Studium verwehrt hatte, sollte auf dem offiziellen Dokument mit unterschreiben. Es war wohl eine Art Wiedergutmachung.

Auch sein Studium an der California State University Long Beach, das er 1967 abgebrochen hatte, um Karriere zu machen, brachte er schließlich noch zu Ende - "um zu zeigen, wie wichtig es ist, seine Ziele in Bezug auf Bildung zu erreichen", so Spielberg. 2001 setzte er sich noch einmal an seinen Schreibtisch und schrieb eine Hausarbeit für die Uni. Der Kurs: Natural Science 492. Zuletzt musste er auch den Fortgeschrittenenkurs im Filmemachen noch absolvieren. Prüfungsinhalt: ein zwölfminütiger Film. Immerhin - Spielberg musste nichts extra einsenden. Sharyn Blumenthal, Direktorin der Filmfakultät, meinte: "Ich denke, Schindlers Liste darf als hochwertiger, zwölfminütiger Film gelten." Er bestand.

Spielberg wurde also nur deshalb zum Überflieger, weil er sich nicht von Absagen verschrecken ließ - wie viele andere Stars, deren Karrierestart alles andere als glatt verlief: Etwa Joanne K. Rowling, die als alleinerziehende Sozialhilfeempfängerin versuchte, ihr siebenteiliges Buch über einen Zauberlehrling an den Verlag zu bringen und immer wieder scheiterte. Harry Potter? Zu lang und düster. Und auch Stephen Kings erster Roman wurde angeblich 30 Mal abgewiesen. Inzwischen haben beide Hunderte Millionen Bücher verkauft - jeweils.

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Abgewiesene Berühmtheiten: Superstar? Nein danke!

einestages erinnert an die bittersten Rückschläge, die Stars kassierten, bevor sie Meister ihres Fachs wurden - von der verschmähten Rapper-Ikone bis zum Oscarpreisträger, dem man riet, lieber Teller zu waschen.

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insgesamt 13 Beiträge
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Frank Junginger, 27.07.2016
1. Nicht zu vergessen
der junge österreichische Kunstmaler, der Anfang des vergangenen Jahrhunderts von der Wiener Kunstakademie abgelehnt wurde und sich aber dann einer anderen Profession zuwandte.
Tilmann Krieg, 27.07.2016
2. Christo
Christo hätte auch sehr gut in diese Serie gepasst
Albert Obstfelder, 27.07.2016
3.
Ein schönes Thema: Ich finde auch die Geschichte von Larry Holmes würde zum Thema passen. Dieser begann seine Boxkarriere als Sparringpartner von Muhammad Ali, versuchte sich dann aber später selbst als Profiboxer. Don King verspottete Holmes wegen seiner kurzen Beine und sprach ihm die boxerische Klasse ab. Holmes wurde schließlich ein bedeutender Champion der Boxgeschichte, der sogar seinen Mentor Ali, wenn auch schon von seiner Krankheit gezeichnet, besiegen konnte.
Pierre Gratia, 27.07.2016
4. Ärgerliche Schreibfehler auf SPON
University of South California -> University of SouthERN California. Solche Fehler ärgern und sind unprofessionell. Ist es zuviel verlangt, sich die betreffenden Websites anzusehen und den Fehler zu erkennen? Wo haben Sie diesen Ausdruck, den es nicht gibt, nur her?
Trude Petermanne, 27.07.2016
5. Spielberg: Nein Danke
Da sieht man mal, an der Uni und der Filmhochschule abgewiesen (Filmhochschule gilt auch bei uns als Ersatzuni, wenn man den ordentlichen Weg nicht schafft). Und dann macht der aus innerer Verzweiflung solch unsinnige Kriegsfilme. Thema: Was dem Spielberg hilft, aber die Welt nicht braucht.
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