Absurde Filmwaffen Balla Balla

Absurde Filmwaffen: Balla Balla Fotos
ddp images

Was tun, wenn blutsaugende Monster angreifen? Einfach den Penisrevolver zücken! Unter Filmemachern scheint es ein irres Wettrüsten zu geben: Wer präsentiert das bizarrste Schießeisen in seinem Werk? einestages zeigt die abwegigsten und nutzlosesten Waffen aus fünf Jahrzehnten Filmgeschichte. Von Danny Kringiel

  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 26 Kommentare
  • Zur Startseite
    3.3 (45 Bewertungen)

"Die Dämmerung einer neuen Generation von Luxuswaffen: Der Annihilator 2000 ist Amerikas Premium-Survival-Sicherheitsaggregat für Haus und Reise." Mit gütigem Lächeln breitet das Aerobic-Model im Werbespot ihre Arme aus, die Scheinwerfer im Studio blenden auf…und auf dem Tisch vor ihr erscheint etwas, das aussieht wie eine Mischung aus Raketenwerfer, Stabmixer und Stereoanlage. Ungläubig starrt Eddie Murphy als Filmpolizist Axel Foley 1994 in "Beverly Hills Cop 3" auf die Bildschirmwand vor ihm, auf der der Werbespot für die bizarre neue Designerwaffe läuft.

Eine sonore Männerstimme erklingt: "Der Annihilator 2000 ist die leichte Hochleistungswaffe für die Ansprüche der neuen Generation urbaner Survivalisten gehobenen Einkommens. Er bietet die Annehmlichkeiten eines Mobiltelefons mit Faxgerät, einen Mikrowellenofen, Nachtsichtgerät, CD-Player, Digitalradio sowie eine Videokamera. Und dies sind nur einige der Features des außergewöhnlichen Annihilator 2000." Foley kommt aus dem Lachen nicht mehr heraus: "Wer zur Hölle soll den Mist denn kaufen?"

"Wer zur Hölle soll mit dem Mist denn schießen?", fragt der Zuschauer sich zugleich unwillkürlich. Dabei sind Kinogänger mittlerweile einiges gewohnt, was bizarre Filmwaffen angeht: Zum Beispiel aus den "James Bond"-Filmen der sechziger und siebziger Jahre, in denen der britische Geheimagent mit einer Armbanduhr explodierende Pfeile verschießt ("Moonraker"), einen raketenwerfenden Ghettoblaster bestaunt ("Der Hauch des Todes") oder um ein Haar mit einer bloßen Hutkrempe geköpft wird ("Goldfinger"). Keine Waffe ist zu unwahrscheinlich, keine Konstruktion zu abwegig, um von dem charmanten Doppelnullagenten und seinen Gegenspielern eingesetzt zu werden.

Angriff der sprechenden Pistolenkugeln

Selbstredend ist diese Art von Leinwand-Waffenwahnsinn nicht nur auf Agentenfilme beschränkt: In Kung-Fu-Filmen wie "Brave Archer 4" werden Giftschlangen aus ausgehöhlten Kampfstäben geschleudert, um Widersachern in die Zunge zu beißen. In der Computerspielverfilmung "Super Mario Bros." verwandelt Dennis Hopper per Kanonenschuss Menschen in Primaten zurück, im Horrorfilm "Jack Frost" ballert ein mordlustiger Schneemann mit Eiszapfen herum und in "Falsches Spiel mit Roger Rabbit" beraten sprechende Pistolenkugeln sich in breitem Redneck-Slang darüber, welchen Weg sie denn nun eigentlich fliegen wollen.

Der Kreativität der Filmemacher scheint, sobald es um Waffen geht, keine Grenzen gesetzt zu sein. Denn sie lieben Filmwaffen - möglichst groß, möglichst übertrieben, möglichst schrill. Und Liebe macht bekanntlich blind: Zum Beispiel dafür, wie plausibel es wirklich ist, einen Revolver in Penisform im Hosenstall herumzutragen - wie die Figur "Sex Machine" aus Robert Rodriguez' Trash-Feuerwerk "From Dusk Till Dawn" von 1996. Zielen? Nebensache! Rückstoß? Was soll das denn sein? Erlaubt ist, was Spaß macht - dem Regisseur wie dem Publikum. Und oft sind es eben gerade die schwachsinnigsten Waffen, die am meisten Spaß machen.

Davon lässt sich im Übrigen auch der Polizist Axel Foley in "Beverly Hills Cop 3" überzeugen. Denn am Ende benutzt er selbst ein Exemplar des Mikrowellenherdbewehrten "Annihilator 2000" im Kampf gegen einen Geldfälscherring und bringt sich damit prompt in Lebensgefahr: Als er bei einer Schießerei in einem Vergnügungspark hinter einer Bank hochspringt, um auf zwei Gangster zu feuern, kommt aus seiner Waffe kein Dauerfeuer - sondern nur laute HipHop-Musik.

Das ist natürlich ganz grober Unfug - doch gerade deshalb lieben die Fans es: Auch, wenn der Film von 1994 bei vielen als schwächster Streifen der "Beverly Hills Cop"-Reihe gilt und längst in Vergessenheit geraten ist - der "Annihilator 2000" ist den meisten noch immer ein Begriff: Auf Facebook hat die fiktive Multifunktionswunderwaffe ein eigenes Profil, und in Webshops werden noch heute Werbe-T-Shirts für "Amerikas Premium-Survival-Sicherheitsaggregat für Haus und Reise" angeboten. Wer zur Hölle den Mist wohl kauft?

Artikel bewerten
3.3 (45 Bewertungen)
Mehr zum Thema
Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 26 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
Samuel Sudhof 20.06.2011
Sehr lustiger Artikel! Es sind mir keine Fehler aufgefallen, aber vielleicht könnte man die Anspielungen von zwei der Waffen noch verraten: Nr. 1: Die heilige Granate ist der Reichsapfel der deutschen Kaiser interpretiert als Sprengladung und Nr. 2: Wenn Scott Pilgrims Gegner in Münzen zerfallen, ist das eine Anspielung auf das schräge Kultspiel No More Heroes. Außer in Nordamerika gibt es davon nur eine zensierte Version, in der alles Blut durch Münzen ersetzt wurde. Der Soundeffekt im Film ist ebenfalls dem Spiel nachempfunden.
2.
Anuschka Seiffert 20.06.2011
Was ich nicht verstehe, ist, dass Sie die seltsamste aller Waffen vergessen haben: Die "Hühnchenwaffe" aus David Cronenbergs Existenz!!!! Ein unverzeihlicher Fehler!
3.
Jonathan Ricke 20.06.2011
Aber wie konntent ihr nur die grünste Waffe aller Zeiten vergessen - die Zorg ZF1 Pod? Kommt schon, das beste was... ach, ich lass einfach den Erfinder erklären: http://www.youtube.com/watch?v=9pxjnl1yuXk Ach ja: Replay ist natürlich das Lieblings-Feature...
4.
Karsten Schramm 20.06.2011
Und dann gibts da noch die geniale Multifunktionswaffe aus "Das fünfte Element" - mit Wiederhol- und Selbstzerstörungsknopf. http://www.youtube.com/watch?v=0T6ANbL3SMw#t=30
5.
Christian Kizina 20.06.2011
Abgesehen davon, daß der Autor ein erschreckendes Maß an Phantasielosigkeit, sind auch seine Recherchefähigkeiten als "Journalist" auf einem extrem niedrigen Niveau. Ein Blick auf die deutschsprachige "Jedipedia" oder der englischsprachigen "Wookieepedia" hätten nicht nur seine Fragen über die Lichtschwerttechnik beantwortet, sondern vielleicht sogar noch seine Phantasie beflügelt.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen