Bizarre Massentransportmittel Ziemlich abgehoben

Bizarre Massentransportmittel: Ziemlich abgehoben Fotos
Modern Mechanix

Der US-Unternehmer Elon Musk plant einen 1200 Stundenkilometer schnellen Wunderzug. Er ist nicht der erste waghalsige Erfinder, der das Reisen revolutionieren will. Linienbusse mit Billardsalon, Vakuumzeppeline und Raketen-U-Bahnen: einestages zeigt die irrsten Transport-Visionen. Von und

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Durch eine 600 Kilometer lange Röhre auf Stelzen will US-Ingenieur Elon Musk in naher Zukunft Reisende mit Überschallgeschwindigkeit von Los Angeles nach San Francisco schleudern. Und ganz egal, ob das jüngst angekündigte Hyperloop-Projekt des mit Versprechungen nicht geizenden Tesla-Firmenchefs nun wirklich je funktionieren wird oder nicht - Aufsehen hat es schon jetzt erregt. Ob sich die Kosten wirklich auf die angekündigten 7,5 Milliarden beschränken würden? Ach, egal. Wie viele Pendler sich tatsächlich freiwillig jeden Morgen für sündhaft teure Tickets wie Heringe in die Liegesitze des U-Boot-engen Geschosses zwängen würden? Wen interessiert's? Und ob das Ding, das mit 1220 Stundenkilometern durch ein enges Rohr schießt, wirklich so viel sicherer wäre als Züge oder Flugzeuge? Kann keiner absehen. Aber toll wär's schon.

Vielleicht schiebt Musks aberwitziger Entwurf unsere Skepsis deshalb so mühelos beiseite, weil die Zukunftsgläubigkeit zu den ureigensten menschlichen Eigenarten gehört - weil wir im Grunde unseres Herzens wollen, dass der Fortschritt nicht aufzuhalten ist. Ganz gleich, in welch absurder Gestalt er daherkommt.

Musks stromlinienförmige Hyperloop-Kapseln, die auf einem Luftkissen wie bemannte Rohrpostbüchsen zwischen den kalifornischen Metropolen hin- und hersausen sollen, wirken wie einem Science-Fiction-Film entsprungen. Was aber, wenn es tatsächlich möglich wäre, in einem futuristischen Sci-Fi-Pendlerzug in einer halben Stunde von Los Angeles nach San Francisco zu fahren? In drei Stunden von dort weiter nach New York? Oder in viereinhalb Stunden von New York durch eine Unterwasserröhre nach London? Eine faszinierende Vorstellung von der Zukunft.

Doch so hypermodern die Vision auch scheinen mag, mit der der US-Unternehmer nichts Geringeres als eine Transportmittelrevolution anzetteln will: Tatsächlich ist Elon Musk beileibe nicht der erste, der verspricht, mit einer ungewöhnlichen Idee den Transport von Menschen zu revolutionieren.

Schon 1930 stellte die Zeitschrift "Modern Mechanix" ein nicht minder ungewöhnliches neues Verkehrsmittel für US-Inlandsreisen vor: Das Konzept für einen häuserblockhohen Überlandbus mit Route New York - San Francisco, ausgestattet mit Billiardsälen, Schwimmbad und Flugzeugen für Tagesausflüge auf dem Busdach. Natürlich war die Idee völlig aberwitzig - und doch verlockend.

Die Grenzen zwischen Fiktion und Wissenschaft liegen mitunter nah beieinander. So war es ausgerechnet der Schriftsteller Michel Verne, Sohn von Jules Verne, der 1888 in seiner Geschichte "Un express de l'avenir" eine Idee skizzierte, die bis heute diskutiert wird: Ein transatlantischer Tunnel, der Nordamerika und Europa verbindet. Etliche Vorschläge zur Umsetzung des rund 5000 Kilometer langen Bauwerks wurden bereits vorgelegt: Einige mit Tunnelröhren auf dem Meeresgrund, andere mit im Erdreich versenkten Transportröhren. Manche basierten auf der Idee, im Inneren der Röhren ein Vakuum zu erzeugen, durch das eine Fahrgastkapsel mühelos gleiten könne. Wieder andere schlugen düsengetriebene Hochgeschwindigkeitszüge vor. Eines jedoch hatten alle Vorschläge gemeinsam: So spannend sie auch klangen - sie waren vollkommen unmöglich zu realisieren.

Erfinder hat dies aber wohl zu keiner Zeit davon abgehalten, bis heute unzählige absurde Massentransportmittel zu entwerfen, die nicht minder visionär waren als Elon Musks Hyperloop - und mindestens ebenso unterhaltsam.

einestages zeigt die abstrusesten, genialsten und abwegigsten Massenverkehrsmittel der Geschichte - vom elefantengetriebenen Heißluftballon bis zum Einrad-Linienbus.

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1.
Kurt Müller, 14.08.2013
Wann lernen auch SPON-Redakteure die grundlegenden Begriffe der Mathematik? Z.B. den Unterschied zwischen "Produkt" und "Quotient"? Ein Produkt ergibt sich bei der Beförderungsleistung von Airlines in Passagierkilometern. Also Anzahl Passagiere multipliziert mit der Anzahl von Kilometern pro Passagier. Bei der Geschwindigkeit verwendet man einen Quotienten, weil man die Wegstrecke durch die Zeit teilt. Das Resultat ist immer x Kilometer pro Stunde, also z.B. 120 km/h. Wer 120 "Stundenkilometer" sagt oder schreibt, weist den Leser also darauf hin, dass in 120 Stunden 1 Kilometer zurückgelegt worden ist, oder vielleicht 2 Kilometer in 60 Stunden. Wer "Kilometer pro Stunde" meint, sollte es auch so mitteilen. Ihre politischen Artikel meinen ja jeweils (hoffentlich) auch, was darin geschrieben wird. Oder schreiben Sie etwa CDU, wenn Sie SPD meinen, in der Annahme, der Leser wirds dann schon irgendwie richtig verstehen.
2.
Ruian Fu, 14.08.2013
Aus dem Artikel geht eindeutig hervor, dass die Autoren sich weder mit dem veröffentlichten Material auseinandergesetzt haben (siehe das 57-seitige White Paper von Musk mit technischen Details http://www.spacex.com/sites/spacex/files/hyperloop_alpha-20130812.pdf), noch mit den ausführlicheren Presseberichten zu dem Thema. So wurde der Artikel dann auch ein zu einer Glosse über "Zukunftsgläubigkeit", gegen die selbstgefällig angeschrieben wird. Die mechanischen oder thermodynamischen Rechnungen zum Hyperloop überprüfen? Ach was, wozu auch! Sich mit Musk's Wirtschaftlichkeitsrechnung kritisch auseinanderzusetzen? Haben wir doch gar nicht nötig! Aber das muss wohl dabei heraus kommen, wenn man Absolventen der Erziehungswissenschaften und von "Politikmanagement" über Technik- und Entrepreneurship-Themen schreiben lässt. Am Ende soll man Personen an ihren Leistungen messen. Und da hat ein Herr Musk wohl einiges mehr vorzuweisen, als ein Herr Kringiel und ein Herr Backovic. Nächstes Mal bitte etwas mehr Rigorosität und gebotene Dehmut, meine Herren. Mit freundlichen Grüßen, ein Ingenieur
3.
Holger Wegemann, 14.08.2013
Die Wuppertaler Schwebebahn fehlt in dieser Reihe visionärer Verkehrsmittel... und sie fährt und fährt und fährt.
4.
Joachim Baum, 14.08.2013
Wie auch die Wuppertaler Schwebebahn fährt der führerlose SkyTrain am Düsseldorfer Flughafen nach dem gleichen Prinzip schon seit einigen Jahren. Die auf dem letzten Bild vorgestellte MonoMetro ist dort schon realisiert.
5.
Ernst Hugentobler, 14.08.2013
Bei Bild 18 wird im Text irrigerweise auf die Brandgefahr bei Zeppelinen hingewiesen. Diese war jedoch aufgrund der Verwendung von Helium nicht gegeben; bei der Hindenburg wurde lediglich aus Kostengründen auf die teure Importware zugunsten billigen Wasserstoffs verzichtet. Mit den bekannten Folgen.
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