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Archivfund Hitler beschimpfte seine Wehrmachtsgeneräle schon 1942 als unfähig

Archivfund in Russland: Wie Hitler seine Generäle beschimpfte Fotos

"Schlapp, unanständig, gänzlich versagt" - nach dem gescheiterten Ostfeldzug putzte Adolf Hitler ranghohe Offiziere herunter. Das zeigt eine Mitschrift, die jetzt in Russland entdeckt wurde.

Im Archiv des russischen Verteidigungsministeriums in Podolsk ist ein spektakuläres Hitler-Protokoll gefunden worden. Die beiden Historiker Matthias Uhl und Johannes Hürter veröffentlichen es in den "Vierteljahrsheften für Zeitgeschichte". Die Rote Armee hatte die Notizen 1945 erbeutet. Es handelt sich um die Mitschrift eines 85-minütigen Gesprächs zwischen dem "Führer" und dem unterwürfigen Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel (Spitzname "Lakeitel"). Sie liest sich streckenweise wie eine Vorlage für Hitler-Darsteller Bruno Ganz im Kinofilm "Der Untergang". (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Das Gespräch fand am 18. September 1942 im ukrainischen Winniza statt. Ein gutes Jahr nach dem Überfall auf die Sowjetunion war der Ostfeldzug gescheitert, und Hitler tobte.

  • Generaloberst Franz Halder (Generalstabschef des Heeres): "kann ja nicht unterscheiden, ob ein Angriff mit 100 Mann, mit 6 Bataillonen oder 2 Divisionen gemacht wird";
  • Generalfeldmarschall Wilhelm List (gerade geschasster Chef der Heeresgruppe A): "hat schlapp geführt";
  • Generalfeldmarschall Fedor von Bock (ebenfalls abberufener Chef der Heeresgruppe B): "hat gänzlich versagt".

Der Diktator beschuldigte die Spitze der Wehrmacht, Befehle zu ignorieren ("Ich halte jeden Tag hier einen Vortrag. Das ist ganz zwecklos") und ihm weismachen zu wollen, diese Anordnungen nicht gegeben zu haben ("eine Unanständigkeit"). Besonders empörte ihn, dass Stabschef Alfred Jodl den Vorwürfen widersprochen hatte. Das sei "eine Gemeinheit".

Hitler hatte kurz vor dem Treffen mit Keitel angeordnet, Gespräche mit Spitzenmilitärs künftig mitzustenografieren. Doch fast alle Protokolle sind verbrannt.

Von der eigenen Unersetzlichkeit als Feldherr war der Diktator schon damals überzeugt: "Ich habe eine Totenangst, auch nur 5 Stunden oder einen Tag wegzugehen, weil etwas passieren kann … Wenn ich heute zum Beispiel eine Kiefer-Wurzelentzündung kriege, ich kann ja gar nicht fort, ich muss hier liegen bleiben."

Hitler wollte Jodl durch Friedrich Paulus ersetzen, der gerade in Stalingrad kämpfte. Er stellte diese Beförderung dann zurück. Begründung: "General Paulus verdient es, dass der Fall von Stalingrad unter allen Umständen mit seinem Namen verbunden ist." Kein halbes Jahr später kapitulierte Paulus vor der Roten Armee (siehe Fotostrecke).

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