Alberne Sci-Fi-Filmplakate Sinnlos im Weltraum

Alberne Sci-Fi-Filmplakate: Sinnlos im Weltraum Fotos

Raumschiffe mit Brüsten, grinsende Atompilze und Killerpudding aus dem All: Bei manchen Science-Fiction-Filmen ist der Wissenschaft die Fiktion gehörig durchgegangen. Das zeigt sich schon auf den urkomischen Plakaten. einestages kürt die irrsten Filmposter der Galaxis. Von

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Das junge Pärchen auf dem Plakat starrt aufmerksam in den Sternenhimmel hinauf. Etwas ist anders heute Nacht, sie spüren es deutlich. Ein unheilvolles Glimmen am Horizont lässt sie ahnen, dass etwas in der Dunkelheit auf sie lauert. Was sie jedoch nicht ahnen: Die dunkle Bedrohung schwebt bereits direkt über ihren Köpfen - ein außerirdischer Clown mit Gumminase, roten Haaren und sichtlich fortgeschrittener Zahnfäule. Will er die beiden mit seinem schlechten Atem zu Tode hauchen? Das Plakat verrät es nicht. Offen bleibt auch, woher er die Karies eigentlich hat, denn unter ihm schwebt der ernährungsbewusste Werbeslogan des Films: "Im All kann niemand Eiscreme essen!"

In "Killer Klowns From Outer Space" aus dem Jahr 1988 landen tatsächlich menschenfressende Clowns aus dem Weltall in einem Zirkuszelt-Ufo auf der Erde, um die Menschen in Zuckerwatte einzupacken und zu verspeisen. Und so lächerlich und absurd die Grundidee ist - sie ist weiß Gott kein Einzelfall in der Geschichte des Genres. "Science-Fiction-Filme drehen sich nicht um Wissenschaft. Sie drehen sich um Katastrophen, einen der ältesten Gegenstände der Kunst", erklärte die Schriftstellerin Susan Sontag 1966 in ihrem Essay "The Imagination of Disaster".

Oft genug hat der Science-Fiction-Film in seiner Geschichte jedoch ganz eigene Katastrophen hervorgebracht - mit Plakaten, die vor absurden Ideen, albernen Bildern und unfreiwillig komischen Werbetexten fast überlaufen: Von Riesenwanzen mit Affenklauen und Micky-Maus-Ohren (wie in "The Angry Red Planet" von 1960) über atomar verseuchte Killerfrösche (in "Hell Comes to Frogtown" von 1988) bis hin zu mordlüsternen Steinen aus dem Weltraum ("The Monolith Monsters" aus dem Jahr 1957) hat das Science-Fiction-Kino schon alles Mögliche und Unmögliche über die Menschheit herfallen lassen - egal, wie weit es hergeholt war.

Alles Schlechte kommt von oben

Die meisten dieser Filme sind natürlich nie Blockbuster gewesen: Jeder kennt James Camerons computeranimierten Kassenschlager "Avatar". Aber wer hat schon jemals von "I Married a Monster from Outer Space", "Hell Comes to Frogtown" oder "Killer Klowns from Outer Space" gehört? Und wer möchte das überhaupt noch - nachdem er die Titel gehört hat? Nicht viele, wenn man den Zahlen traut: Rund 240.000 Bewertungen hat "Avatar" auf der Internet Movie Database eingeheimst. "Killer Klowns from Outer Space" hingegen nur etwa 8000.

Doch der Vergleich hinkt: "Avatar" wurde von Regietitan Cameron mit einem Rekordbudget von 237 Millionen Dollar und einem ganzen Stab von Spezialeffekt-Spezialisten produziert - und musste ein dementsprechend großes Publikum erreichen, um Gewinne einzuspielen. "Killer Klowns from Outer Space" hingegen wurde 1988 von drei völlig unbekannten Brüdern aus der Bronx - Stephen, Edward und Charles Chiodo - produziert, die sich einen Namen als Spezialeffekt-Designer machen wollten - mit weniger als einem Hundertstel von Camerons Budget. Der Film verhalf ihnen tatsächlich zu einer Karriere als Spezialeffekt-Entwickler und rechnete sich dementsprechend auch, obwohl er nur ein kleineres, spezielleres Publikum ansprach. Nur - wer ist dieses Publikum überhaupt?

Es sind die von der Stromlinienform Hollywoods Gelangweilten: Science-Fiction-B-Movies wie "Killer Klowns from Outer Space" oder "Hell Comes to Frogtown" sprechen ihre kleine Zielgruppe eben nicht trotz ihrer billigeren Spezialeffekte, absurden Ideen und oft mäßigen Schauspieler an - sondern gerade durch diese. Sie vermitteln - anders als millionenschwere Mainstream-Titel wie "Avatar" oder "Star Wars" - ihrem Zuschauer das Gefühl, Teil einer kleinen, verschwörerischen Gemeinschaft zu sein, die die Schönheit gerade im Unperfekten, das Unterhaltsame gerade auch im Absurden findet.

Kampfroboter mit Schreibtischlampenkopf

Diese Liebe zum Abwegigen ist für das Science-Fiction-Kino eigentlich ganz natürlich: Denn es dreht sich eben nicht alleine, wie Susan Sontag behauptete, um Katastrophen, sondern immer auch um das Neue, das Unbekannte. Was also tun, wenn die Katastrophen, die in den Filmen die Erde bedrohen, nicht mehr neu und unbekannt sind? Invasionen kleiner grüner Männchen, Entführungen durch Aliens mit Mandelaugen, Laserpistolen schwingende Kampfroboter vom Mars - alles schon gehabt. Wer im Science-Fiction-Genre wirklich die Zukunft zeigen will, ohne dabei ständig Vergangenes zu wiederholen, muss sich dazu schon etwas weiter aus dem Fenster lehnen.

Ein waffenstarrender Killer-Roboter, von einem Wahnsinnigen nur zu dem Zweck erbaut, Menschen zu jagen und zu vernichten? Pah, wie langweilig! Schon tausendmal gesehen. Setzt man aber auf den bulligen Androidenkörper einen Kopf, der aussieht wie eine Schreibtischlampe, wird die Sache interessant - so wie in "Saturn 3" aus dem Jahr 1980. Ein Mensch, der von Marsbewohnern entführt wird und sich aus ihrer Gewalt befreien muss? Schnarch! Um damit noch jemanden hinter dem Ofen hervorzulocken, müsste der Gekidnappte schon der Weihnachtsmann sein - genau wie in "Santa Claus Conquers the Martians" von 1964.

"Neu! Nicht 3-D!"

In der Frühzeit des Science-Fiction-Kinos hingegen waren es noch vor allem die ausschweifenden Beschriftungen auf den Filmplakaten, die für Erheiterung sorgten: So thronte etwa 1957 auf dem Plakat zu dem Film "The Black Scorpion" der Hinweis "Wir fordern dich heraus, keine echten Angstzustände zu bekommen, wenn du diesen Film siehst". Das wäre nur halb so lustig gewesen, hätte das darunter abgebildete Monster nicht ausgesehen wie ein zerknautschter Flummi mit Glubschaugen. Und hätten daneben zur Erläuterung nicht auch noch die Hinweise "SCHWARZ - damit du ihn nicht sehen kannst, bis er dich holen kommt!" und "BLUTLOS - darum will er ja auch deins!" gestanden.

Manchmal ging die Beschriftungswut so weit, dass neben all den Textmassen kaum noch Bilder zu sehen waren - wie etwa auf dem Plakat zu "The Wizard of Mars" von 1965. Das drohte: "Wir fordern sie heraus: ... auf ihrem Sitz zu bleiben, wenn marsianische Feuerbälle aus der Leinwand fliegen und über ihren Köpfen explodieren." Und: "... das Kino auch dann nicht zu verlassen, wenn ein titanisches Marsgewitter über sie hereinbricht!" Und: "...die Kontrolle über ihren Geist zu behalten, während kreischende Kreaturen Ihr Gehirn angreifen!" Nur der aufmerksame Betrachter konnte nach langem Suchen dann irgendwo, ganz weit unten, unter einem Berg von eigenartigen Anmerkungen wie "2000 Jahre alte Kreaturen weigern sich zu sterben!" und dem sonderbaren Werbehinweis "Neu! Nicht 3D!" auch noch den Filmtitel finden.

Möglicherweise ist es gerade diese seltsame Werbebotschaft, die genau auf den Punkt bringt, was uns Filme wie "Invasion of the Space Preachers", "Hell Comes to Frogtown" oder "Killer Clowns From Outer Space" so ans Herz wachsen lässt. Vielleicht sollte auf ihnen allen ein Siegel stehen, das sagt: "Neu! Nicht 3D! Nicht perfekt animiert! Keine professionellen Schauspieler!" Denn am Ende sind all die katastrophalen Spezialeffekte, Geschichten und Plakate nicht einfach nur Weltraumschrott. Sondern vollbringen genau das, was nach Susan Sontag die Seele des Science-Fiction-Films ausmacht: Die Katastrophe zur Kunstform zu erheben.

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1.
hans gieseking 09.06.2010
Ein Großteil der Plakate (aus den 50ern und 60ern) ist handwerklich tip-top und schön anzuschauen. Daher sollte einestages nicht die "irrsten Filmposter", sondern ? wenn es schon unbedingt sein muss ? die "irrsten Filme der Galaxis" küren. In den Bildbeschreibungen wird sowieso mehr auf den Inhalt, als auf das Poster selbst eingegangen.
2.
Helga Paschel 10.06.2010
Großartig - herzlichen Dank! Habe herzhaft gelacht. Bemerkenswert finde ich auch auf so manchem Plakat die Namen der Darsteller - nicht immer völlig Unbekannte. Bestes Beispiel: Saturn 3! :)
3.
Axel Sasse 10.06.2010
Ich vermisse "They saved Hitler's brain" http://en.wikipedia.org/wiki/They_Saved_Hitler's_Brainsowie "attac of the killer tomatoes" http://en.wikipedia.org/wiki/Attack_of_the_killer_tomatoes
4. Es
Billie-Bob Basar 30.04.2014
zeigt sich aber auch, dass der Verfasser (oder die Verfasserin) des Artikels und wohl auch der Bildunterschriften nicht wirklich mit dem Thema Sci-Fi-Filme auseinandergesetzt hätte. Anders lassen sich solche Untertitel nicht erklären. Übrigens zum letzten Bild "Santa Claus Conquers the Martians" ist noch zu sagen, dass dieser Film zwar wirklich grottenschlecht ist, hatte es bei Dell/Gold Key aber 1966 immerhin zu einem eigenen Comic gebracht. Außerdem "müssen" die US-Amerikaner ja beweisen, dass Santa Claus den Kindern das Weihnachstfest retten kann.
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