Als der Rap nach Deutschland kam Waren Sie dabei?

Mit den "Fantastischen Vier" setzte sich in den achtziger Jahren in Deutschland ein neuer Musikstil durch. Haben Sie die Zeit des frühen HipHop miterlebt? Waren Sie Fan der ersten deutschsprachigen Rapbands? Berichten Sie von Ihren Erinnerungen und zeigen Sie Ihre Fotos auf einestages!

Smudo auf einestages

Vier Jungs aus einem Stuttgarter Vorort veränderten in den achziger Jahren die Musikszene: Die "Fantastischen Vier" rappten als eine der ersten Bands konsequent auf Deutsch, der deutschsprachige HipHop setzte zu einem Höhenflug an. Auf einestages berichtet Sänger Smudo, wie es dazu kam.

Erinnern Sie sich an diese Zeit? Waren Sie bei einem Konzert der "Fantastischen Vier" oder einer anderen deutschen Rap-Band? Haben Sie selbst eigene deutsche Reime gerappt? Berichten Sie von Ihren Erinnerungen und zeigen Sie Ihre Fotos auf einestages!



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mike wonder, 12.10.2007
1.
Wann habt Ihr denn den Real Milli Vanilli Song "True Love" zum ersten mal gehört? Ist musikalisch rein zufällig 99% identisch (Drums, Samples, Geschwindigkeit) mit Eurem Song "Die da", ist aber 6 Jahre früher produziert worden. Grüsse vom Produzenten Ihr Helden..... ;-)
Frank Schmidt, 22.10.2007
2.
@ Mike Wonder >> Wann habt Ihr denn den Real Milli Vanilli Song "True Love" zum ersten mal gehört? Ist musikalisch rein zufällig 99% identisch (Drums, Samples, Geschwindigkeit) mit Eurem Song "Die da", ist aber 6 Jahre früher produziert worden. >> >> Grüsse vom Produzenten Ihr Helden..... ;-) >> Nichts würde mir ferner liegen als die Verteidigung der Fanta 4, aber man sollte bei der Wahrheit bleiben. Lieber Hr.Wonder. Sie sind als Programmierer und als Autor einiger Stücke auf dem "The Real Milli Vanilli" Album "The Moment of Truth" aufgeführt. Das Album das nach dem großen Skandal von Milli Vanilli veröffentlicht wurde, und das die ECHTEN Milli Vanillis vorstellen sollte. So viel zu ihnen. Zum Song. Der Song "True Love" heißt eigentlich "Too Late (True Love)" und wurde evtl. 6 Jahre früher Produziert, aber veröffentlicht wurde er 1990 auf dem besagten "Moment of Thruth" Album. Das war 2 Jahre bevor die Fantastische 4 den Song "Die Da" veröffentlichten. Beide Songs basieren auf einem E-Piano Sample das vom Stück "Mister Magic" gesamplet wurde. Komponist des Stückes "Mister Magic" ist der Percussionist Ralph Macdonald. Die Tonaufnahme die gesamplet wurde stammt vom 1975er Album "Mister Magic", des Künstlers Grover Washington Jr. Dieser E-Piano Sample zeichnet sich dadurch aus, das er Rhythmisch gesehen einen interessanten Groove erzeugt. Aber außer einem simplen Akkord Wechsel passiert in der gesampleten Passage nicht viel. Bei Milli Vanillis "Too Late (True Love)" macht es den Hauptgroove des Stückes aus. Bei "Die Da" wirkt der Sample eher im Hintergrund. Soweit die Ähnlichkeiten beider Stücke. Was beide Songs von einander unterscheidet, außer dem Fakt das "Die Da" ein Hit war und "Too Late (True Love)" nicht, ist der Refrain. Dort kommt bei den Fantastischen 4 nämlich eine Melodie dazu. Diese Melodie wird von Hörnern Gespielt, sowie von den Fanta 4 gepfiffen. Und auch wenn sie im Refrain Rappen - "Die Da, Die Da, Die Da, Die Da, Die Da, ist es Die Da ? Nein, freitags ist sie nie Da" - dann tun die Fanta 4 das in dieser Melodie. DAS ist die Melodie, die jeder mit dem Stück in Verbindung bringt, und die jeder nach pfeift wenn er das Stück hört. Nur so nebenbei, diese Melodie ist auch ausgeliehen, und zwar von JJ Cales Komposition "Right down here", was die Meisten Menschen in einer Interpretation der Sängerin Asha Putli kennen. Ein weiterer Unterschied beider Stück liegt darin, dass die Fantastischen 4 damals eine Klage angedroht bekommen haben, woraufhin sie die Original Komponisten der benutzten Melodien bei der Gema eintragen mussten. Von einer Klageandrohung ihrerseits Hr.Wonder habe ich allerdings niemals was gehört. Und das hat auch seine Gründe. Wenn man nämlich bei der Gema nachfragt, welche Komponisten für das Werk "Too Late (True Love)" gemeldet sind, taucht unter anderem auch ihr Name auf Hr.Wonder. Welcher Name allerdings nicht auftaucht ist der von Ralph Macdonald, dem Komponisten des Stückes "Mister Magic" was benutzt wurde für "Too Late (True Love)". Das bedeutet ganz einfach, das alle bei der Gema gemeldeten Komponisten für das Stück "Too Late (True Love)" seit 1990 Gelder kassieren, während Hr.Macdonald nicht einen Heller dafür bekommt. Dementsprechend konnten auch nie eine klage Androhung in die Wege geleitet werden, denn dann wäre der eigene Nicht-Anspruch ans Tageslicht gekommen. Es reicht aber für einen kleinen Forums Eintrag 17 Jahre später um das "gefühlt" gekränkte Ego zur Schau zu stellen. Mal ganz ab von der ganzen "Rechte dritter" Problematik, und dem ganzen Business Schnickschnack, schauen wir uns einfach mal nur den Bereich an wo es um die Kreativität geht. Ich möchte keine Diskussion starten ob Sampling Kreativ ist oder nicht, Fakt ist aber folgendes: Der Song "Mister Magic" wurde 1987 wieder veröffentlicht. Und zwar auf der unter HipHop DJs damals heiß geliebten Kompilation Reihe "Ultimate Breaks & Beats Vol.15". Diese Reihe aus insgesamt 25 Alben, wurde damals zur Blaupause des end 80s Sounds von HipHop. Deshalb haben dann auch bereits 1987 Salt N Pepa in dem Song "My Mike Sounds Nice" den E-Piano Sample von "Mister Magic" benutzt. Sowie ebenfalls 1987 DJ Jazzy Jeff & the Fresh Prince für "A Touch of Jazz". 1989 bediente sich dann Heavy D für "You Ain't Heard Nuttin' Yet" bei dem Stück, sowohl als auch Stonebridge für "Jazzy John's Freestyle Dub". 1990 waren es dann neben ihnen Hr.Wonder auch die Stereo MCs für ihren Hit "Lost in Musíc", die auf dasselbe Sample zurückgriffen. Wäre interessant zu erfahren was diese Künstler zu ihrem gekrängten Ego zu sagen haben. Allerdings würde ich am spannendsten die Meinung des Hr.Macdonald finden. Außer den Infos die in meinem Kopf gespeichert sind, waren es folgende Websiten sehr hilfreich, auf denen man das alles nachprüfen kann: Grover Washington Jr. spielt das Stück "Mister Magic" www.jpc.de/jpcng/poprock/detail/-/hnum/1690891?rk=home&rsk=hitlist Asha Putli Version von "Right down here" www.jpc.de/jpcng/jazz/detail/-/hnum/4269691?rk=home&rsk=hitlist JJ Cale Version von "Right down here" www.jpc.de/jpcng/poprock/detail/-/hnum/5335716?rk=home&rsk=hitlist www.the-breaks.com www.gema.de www.allmusic.com www.discogs.com www.diefantastischen4.de/samples.htm www.hiphopausstellung.de/poster/Analyse/Analyse3.html www.kulichki.com/cddisk/milvanil/momtruth.htm
han solo, 26.10.2007
3.
Hallo Frank Schmidt , das nenne ich doch mal eine clever geführte Gegendarstellung-echt gut und musikalisch endlich mal richtig...
Martina Moeller, 27.10.2007
4.
Anfang der 1990er - eine Zeit geprägt von Punkte sammeln fürs Abitur, Führerschein und Samplern auf Kassette, selfmade by the boy-friend. Guitarpop aus England war cool, vielleicht auch ein bisschen Prince, Run DMC und selbstverständlich Morrissey. So redundant auch sämtliche Texte waren, das Schulenglisch ließ wenig von den zwischenzeiligen und metaphorischen messages erahnen. Ewig im Gedächtnis verankert wird daher jener Morgen bleiben, als im Radio ein Lied lief, dessen Beats zwar bekannte Klänge des Old school HipHop waren, der Gesang jedoch mit deutschen Wörtern überraschte. Keine message blieb unverstanden. In diesem Lied war sogar ausnahmsweise mal nicht die Frau das Dummchen. Noch am selben Tag wurde dank eines Mitschülers schnell eine Raubkopie des Albums "Vier gewinnt" auf Kassette besorgt und wenig später fehlerfrei vor dem Spiegel mitgerappt. Viel mehr Aufmerksamkeit als der Durchbruch des deutschsprachigen Hip Hops verdient wohl das Konzert in der Großen Freiheit in Hamburg (1992?). Vorher und hinterher habe ich nie wieder Künstler erlebt, die es schafften, das gesamte soziale Genre unserer Gesellschaft zu vereinen. Hanseatische Perlenohrringträgerinnen wippten neben Rockern in Lederweste mit Nieten. Vater und Sohn genossen einen coolen Abend miteinander, neben ihnen Discountgangsterrapper. Nicht zu vergessen, mitten unter all jenen unsere Gruppe Abiturienten, im Golf I extra aus dem Umland angereist. Seither verfolgen wir uns gegenseitig. Ich sie, sie mich. Auch wenn mich die Musik heute nicht mehr so mitreißt wie noch vor zehn oder vierzehn Jahren, verlangt es die Tradition, jedes neue Album zu kaufen. Ungeschlagen bleibt für mich "4:99". Alles davor zu pubertär, einiges danach gewollt jung und doch weise erwachsen. Auch Poptitanen werden vor dem Älterwerden und den Schicksalen des ordinären Lebens nicht verschont. Manchmal kann Berühmtheit jedoch wahre Wunder bewirken. Welch Metamorphose erlebte denn bitte Andy Y.? Vom Mr Nobody in Birkenstock und mit Faconfönfrisur hinterm Keyborad auf besagtem Konzert in der Gr. Freiheit hin zu Mr Loverman, der es bis zum Traualtar schaffte. Ein verkanntes Genie ist und bleibt Thomas D. Ein wortgewandter Philosoph, dessen literarischen Werke fasst zu schade für den Hip Hop sind. Der Tatsache, dass die Fantastischen Vier die Urväter des Deutschen Hip Hops sind, ist schon oft genug Aufmerksamkeit geschenkt worden. Viel zu selten hingegen, dass sie nicht lediglich deutschsprachigen Hip Hop revolutionierten, sondern einen Hip Hop, der frei von chauvinistischem, machoistischem und randgruppenfreindlichem Gedankengut ist. Danke vor allem dafür!
Frank Schmidt, 08.11.2007
5.
@ Martina Moeller Ich möchte niemandem zu nahe tretten, aber die Fantastischen 4 sind nicht die Urväter des Deutschen HipHop. Man kann sich wochenlang streiten wer als erstes auf Deutsch "gerappt" hat, und man wird am Ende mit Sicherheit nicht die Fanta 4 auf dem Zettel stehen haben. Aber Rap ist nicht gleich HipHop, und die "Urväter des Deutschen HipHop", also der Gesamten Kultur aus Tanzen, Malen und Musik, sind die Fanta 4 noch wesentlich weniger. Sicherlich haben die Fantas eine breite Öffentlichkeit sowie die Massenmedien darauf aufmerksam gemacht das es eine Deutsche HipHop Szene gibt, selbst wenn die Fantas zu diesem Zeitpunkt schon von einem Grossteil der damaligen Szene abgelehnt wurde und somit evtl. nicht mal mehr Teil derselbigen waren. Wenn man die Fantastischen 4 also als "Türöffner" für Deutschen HipHop bezeichnet habe ich kein Problem damit. Aber die Urväter des Deutschen HipHop sind die Zahlreichen namenlosen Kids der frühen 80er die sich NICHT ab spätestens 1986 vom HipHop abwandten weil er in den Massenmedien nicht mehr stattfand. Diese Kids die weitermachten, egal ob es "IN" war oder nicht, die Telefon Ketten organisierten um sich über Veranstaltungen auf dem laufenden zu halten, die dadurch anfingen eine erste HipHop Infrastruktur aufzubauen. Junge Mensche die die ersten HipHop Firmen gründeten usw, DAS sind die Urväter des Deutschen HipHop, nicht die Fantastischen 4.
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