Atari 2600 Mit Aliens zum Welterfolg

Atari 2600: Mit Aliens zum Welterfolg Fotos
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Kippschalter, Holzfurnier, 128 Byte Speicher: Das sind die Eckdaten einer der beliebtesten Spielkonsolen aller Zeiten, des Atari 2600. Im Oktober 1977 erblickte der Daddel-Klassiker das Licht der Welt - und wurde erst nach erheblichen Startschwierigkeiten zum Kassenschlager. Von

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Eine Invasion Außerirdischer war die Rettung für Atari. Gut zwei Jahre Entwicklungsarbeit hatte man in die erste programmierbare Spielkonsole, das "Video Computer System" (VCS) gesteckt. Mit dem Gerät, das später in "Atari 2600" umbenannt wurde, wollte man an den Erfolg des legendären Videospiels Pong anknüpfen. Anders als beim Vorbild, das nur ein Spiel beherrschte, sollte der Nachfolger jedoch programmierbar sein, also per Software mit verschiedenen Spielen gefüttert werden können.

Doch obwohl das VCS gerade noch rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft im Oktober 1977 in die Regale der US-Händler kam, blieb der Erfolg aus. Hunderttausende Exemplare der damals 250 Dollar teuren Spielmaschine lagen abholbereit in den Lagern - und fanden keine Käufer. Das Hauptproblem: Die Auswahl an Spielen war zu klein. Zum Start standen nur neun Titel zur Verfügung.

Den Umschwung brachte erst das Arcade-Game "Space Invaders". 1979 sicherte sich Atari eine Lizenz für das Spiel, das bis dahin nur in Spielhallen zu sehen war. Ein kluger Schachzug, schließlich war das Ballerspiel, in dem man Alien-Raumschiffe abschießen musste, in seinem Heimatland Japan zeitweise so beliebt, dass die von den Automaten geschluckten 100-Yen-Münzen zum seltenen Gut wurden.

11.000 Dollar für den Milliardenerfolg

Das neue Spiel kam gerade rechtzeitig für die Firma, die gerade vom Warner-Konzern von einer Hippie-Bude in ein Schlips-und-Anzug-Unternehmen umgebaut wurde. Scharenweise rannten die Leute nun in die Läden und kauften Ataris Konsole, nur um das japanische Kultspiel daddeln zu können. Das Resultat: Rund 30 Millionen Exemplare der Atari 2600 sollen während der kommenden Jahre über die Ladentische gegangen sein.

Insgesamt spülten die Spielekisten etwa fünf Milliarden Dollar in Ataris Kasse. Programmierer Rick Maurer, der den Erfolg mit seiner Version von Space Invaders für Atari erst möglich machte erhielt als Lohn lediglich 11.000 Dollar - und arbeitete nie wieder für das Unternehmen.

Atari hingegen lebte einige Jahre sehr gut von dem Erfolg der aus heutiger Sicht reichlich sperrigen Konsole. Mindestens 200 Spiele sollen für das System entwickelt worden sein. Sie alle wurden auf sogenannten Cartridges verkauft, kleinen Spielmodulen, die man einfach auf das Gerät aufsteckte und sofort losdaddeln konnte. Insgesamt sollen 120 Millionen dieser Cartridges verkauft worden sein.

Die Konsole selbst ging, in verschiedenen Varianten, etwa 30 Millionen Mal über den Ladentisch. Erst 1991, 14 Jahre nach ihrer Vorstellung, wurde die Produktion endgültig eingestellt. Keine andere Konsole konnte sich solange der Gunst der Käufer erfreuen.

Lebensverlängerung per Internet

Und damit scheint noch lange nicht Schluss zu sein. Mit dem Projekt "Stella", erhalten Atari-Fans die Konsole bis heute als Gast auf Heimcomputern am Leben. Stella, so lautete der Codenamen unter dem die Atari 2600 ab 1975 entwickelt wurde. Heute ist Stella eine Emulatorsoftware, also ein Programm, das die alte Spielkonsole als Software nachbildet. Damit kann man auf Mac und PC heute noch die Spiele von damals nachspielen.

Einen besonders leistungsfähigen Rechner braucht man dafür nicht. Schließlich übertrifft heute jeder billige MP3-Player die 2600 um ein mehrfaches, wenn man Prozessorleistung und Speicherkapazität vergleicht. Schließlich diente ihr ein mit nur 1,19 Megahertz getakteter Mikroprozessor als Antrieb. Das Betriebssystem war in einem 32 Kilobyte großen Chip abgelegt, der Arbeitsspeicher (das RAM) war lächerliche 128 Byte groß - mehr brauchte man nicht, um die Highscores der Spiele abzulegen. Eine Festplatte oder gar ein Diskettenlaufwerk gab es nicht und die Grafik beschränkt sich auf 128 Farben bei einer Auflösung von 320 x 200 Bildpunkte.

Heutzutage übertreffen selbst Mobiltelefone diese technischen Daten um ein Vielfaches. Und doch zieht es immer wieder Spiele-Fans zu den alten Konsolen-Spielen. Vielleicht weil die sich, statt mit Monstergrafik und Surround-Sound zu protzen, notgedrungen auf ihre Spielidee konzentrieren mussten. Wer das noch mal erleben will, sollte sich unbedingt den Stella-Emulator auf den Rechner ziehen und sich eines der alten Games besorgen. Man staunt nicht schlecht, welchen Reiz Klassiker á la "Centipede" und "Pole Position" noch heute ausstrahlen - trotz Krüppelgrafik und Mono-Sound. Das macht einfach Spaß.

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