Julikrise 1914 In fünf Wochen zum Krieg

Wie kam es zum Ersten Weltkrieg? Das Attentat von Sarajevo war der Auslöser, doch entscheidend waren die Wochen danach. Unsere interaktive Chronik zeigt, wie sich die Julikrise 1914 Tag für Tag zuspitzte - bis zum ersten Schuss.

Mobilmachung 1914 in Bayern: "Sie taumelten hinein"
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Mobilmachung 1914 in Bayern: "Sie taumelten hinein"

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"Keiner der führenden Männer dieser Zeit hat den Krieg tatsächlich gewollt, Sie glitten gewissermaßen hinein, oder besser, sie taumelten oder stolperten hinein, vielleicht aus Torheit": Mit diesem berühmten Diktum sprach der britische Premierminister Lloyd George 1920 die verfeindeten Nationen von jeglicher Verantwortung für den Ausbruch des Ersten Weltkriegs frei. Der Historiker Fritz Fischer hielt 1961 dagegen und warf dem Deutschen Reich vor, den Krieg bewusst vorbereitet zu haben.

Der australische Wissenschaftler Christopher Clark wiederum gab in seinem 2013 veröffentlichten Bestseller ein Stück weit Lloyd George recht, als er die europäischen Staatenlenker als "Schlafwandler" bezeichnete, die kollektiv nicht ganz bei Sinnen, also quasi schuldunfähig waren. Und der deutsche Historiker Gerd Krumeich resümierte jüngst: "Alle Mächte waren vor 1914 an der Zuspitzung und Verfeindlichung des Allianzsystems beteiligt."

Wenn es ein klares Fazit der wissenschaftlichen Debatte gibt, dann dieses: Der Streit um die Kriegsschuld ist auch 100 Jahre nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs noch immer nicht beigelegt. Alles hängt davon ab, wie man die Julikrise von 1914 bewertet - jene Wochen nach dem Attentat auf den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand und seine Frau Sophie in Sarajevo. Tag für Tag rangen die Regierungschefs der einzelnen Nationen miteinander. Das diplomatische Wortgefecht eskalierte immer weiter - bis schließlich eine Nation nach der anderen in den Krieg eintrat.



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