Augenblick mal! Elch von rechts!


Querstehende Autos, Hunderte Schaulustige, vereinzelt Polizisten: Das Gewühl auf Stockholms Hauptstraße Kungsgatan wirkt wie ein einziges großes Chaos. Dabei dokumentiert dieses Foto eigentlich genau das Gegenteil - den am besten organisierten Verkehrstag in der Geschichte Schwedens.

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Was war denn da los? Plötzlich ging nichts mehr. Am 3. September 1967 ruhte gegen 4.50 Uhr in ganz Schweden der Verkehr. Durchsagen im Radio hatten die Kraftfahrer an diesem Sonntagmorgen aufgefordert, an den Straßenrand zu fahren und anzuhalten. Geduldig verharrten die Fahrer in ihren Wagen, während über ihnen Heer und Kriegsmarine von Hubschraubern aus die Lage beobachteten. Auf den Straßen in den größeren Ortschaften sah man Soldaten und Polizisten, die schwarze Plastikhüllen von Verkehrsschildern zogen.

Monatelang hatte die Regierung diesen Tag vorbereitet: Autofahrer hatten sich an den Wochenenden zu Übungsmanövern auf abgesperrten Flugplätzen getroffen. Es hatte umfangreiche Aufklärungskampagnen gegeben. Ganz Europa, das wusste die Regierung, würde an diesem 3. September auf Schweden schauen.

Um kurz vor 5 Uhr leitete der Rundfunksprecher den Countdown ein und zählte die letzten Sekunden runter. Schlag 5 plärrte seine Stimme: "Jetzt ist es Zeit zu wechseln." Die Fahrzeuge an den Straßenrändern setzten sich in Bewegung. Im Schritttempo steuerten sie quer über die Fahrbahn. Und dann rollten die Schweden los - zum ersten Mal seit Einführung des Automobils in ihrem Land auf der rechten Straßenseite.

Der Tag "H" - H wie höger (deutsch: rechts) - war gekommen. Mit dem Wechsel von Links- auf Rechtsverkehr endete eine jahrzehntelange Debatte in einem Land, in dem man seit mehr als 200 Jahren offiziell links ging, ritt und fuhr, in dem jedoch längst Autos für den Rechtsverkehr, also mit Linkssteuerung, importiert und gebaut wurden. Gegner und Befürworter des Seitenwechsels hatten unzählige Argumente ausgetauscht. Doch erst, nachdem der Fremdenverkehrsverband Alarm geschlagen hatte, weil immer mehr Besucher Schweden wegen des Linksverkehrs mieden und Nachbar Norwegen, dessen Touristenstrom durch das Land musste, bereits von "Geschäftsschädigung" sprach, entschloss man sich zur Umstellung.

Der Seitenwechsel verlief glimpflich. Die Schweden gewöhnten sich bald daran. Und auch die Elche. Die neue Beschilderung hatte es mit sich gebracht, dass nach dem 3. September 1967 nicht mehr vor von links, sondern nun von rechts kommendem Wild gewarnt wurde.

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1.
Wolf-D. Ihlenfeldt, 19.06.2013
Um um das Gleichgewicht wieder herzustellen, haben die Japaner 1978 Okinawa in einer gleichartigen Hauruck-Aktion auf Linksverkehr umgestellt (war vorher wg. US-Besatzung seit 2tem WK Rechtsverkehr, im Gegensatz zum Rest von Japan).
2.
Kai Konrad, 20.06.2013
"Plötzlich ging nichts mehr." ??? Es gibt leider im Text keinen Hinweis, warum sonntags um 5 Uhr morgens soviele Autos unterwegs gewesen sein sollen. War es ein Happening oder wurde das Foto etwa später gemacht? Bei Letzterem wäre die ganze Einleitung Humbug. Nennt mich antiquiert, aber ich lese lieber Autoberichte von Männern...
3.
Christer Almqvist, 20.06.2013
Nein, das Foto wurde um 5 Uhr morgens an dem Tag gemacht. Ich war dabei. Alle meine Freunde waren dabei. Ich kenne keinen, der nicht mit dabei war. Ich habe auch nie von jemandem gehört, der nicht dabei war. Es sollte ein grosses Happening werden. Wurde aber nix. Alles verlief ruhig und planmässig. Wir hatten auf ein grosses Chaos gehofft - wurden aber ganz und gar enttäuscht. Und dann mussten wir fast im Schritttempo nach Hause fahren, es gab in den ersten Stunden eine ganz extreme Geschwindigkeitsbegrenzung. Die ersten Tage nach der Umstellung war dann auch Langsamfahren angesagt, aber nicht ganz so extrem.
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