Augenblick mal! Wer porträtiert denn einen Putzlumpen?


Ist dieses Foto ein abstraktes Kunstwerk? Oder doch nur das Bild eines schmutzigen Feudels? Nein. Bei der Aufnahme handelt es sich um ein Porträt - wenn auch ein verstörendes. Jeden Monat präsentiert einestages ein verblüffendes Foto und erzählt die Geschichte dahinter.

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Was ist das?! Ein abstraktes Kunstwerk? Der Putzlumpen, mit dem 1986 die Fettecke von Joseph Beuys aus der Düsseldorfer Kunstakademie weggewischt wurde? Oder eine Wachsfigur aus Madame Tussauds, die unglücklich vornüber gekippt ist und so ihre Gesichtszüge eingebüßt hat? Unter der weißen Masse zumindest scheinen sich die Ränder einer Brille abzuzeichnen. Und glaubt man nicht, unter dem länglichen Spalt in der Mitte dieses merkwürdigen Etwas' eine Nasenspitze zu erkennen?

Tatsächlich ist dieses Bild ein Portrait. Allerdings nicht von einer Wachsfigur, sondern von dem australischen Südpol-Pionier Cecil Madigan.

Der Geologe und Geograph war von 1911 bis 1914 Mitglied der ersten australischen Antarktis-Expedition. Und auch wenn dieses Bild Schlimmes erahnen lässt - er erlitt dort zwar Erfrierungen, doch er kehrte heil in seine Heimat zurück.

In die Antarktis zog es Madigan allerdings nie wieder. Statt ins ewige Eis führten ihn seine späteren Expeditionen in wärmere Gefilde. So erkundete er etwa die australische Simpsonwüste per Kamel.

Vermutlich eine weise Entscheidung. Denn Frank Hurley, der Fotograf dieses Bildes, wagte sich ein weiteres Mal ins ewige Eis. Die spektakulären Aufnahmen der australischen Expedition brachten Ernest Shackleton dazu Hurley bei seiner zweiten Antarktisexpedition mitzunehmen - die in einer Katastrophe endete. Das Expeditionsschiff "Endurance" wurde vom Packeis umschlossen und schließlich zerdrückt. Monate verbrachten die Männer am Südpol bis sie schließlich gerettet wurden. Doch immerhin: Hurley gelang das Bild der zwischen Schollen eingekeilten "Endurance" - und das ist bis heute eine Ikone der Fotografie.

bma

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