Augenblick mal! Ein Tretauto für Senioren?

Mobil bis ins hohe Alter: Das Mini-Cabrio aus dem Jahre 1958 war laut seines Erfinders speziell auf die Bedürfnisse älterer Menschen zugeschnitten. Eine frühe Antwort auf die Debatte um den Senioren-TÜV? Jeden Monat präsentiert einestages ein verblüffendes Foto - und erzählt die Geschichte dahinter.

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Was war denn da los? Da stand es, das Zukunftsmobil. Bequem eingeparkt zwischen zwei konventionellen Kleinwagen, auf einem Parkplatz in Brüssel. Die Frontpartie und der weite Radstand erinnerten an einen Kinderwagen. Speziell für ältere Menschen, so erklärte Fernando Ruiz Luciarte der interessierten Presse, habe er dieses Fahrzeug entwickelt. Kinderleicht sei es zu bedienen: mit Pedalen, wie ein Fahrrad. Dank integrierter Gangschaltung konnte es bis zu 40 Kilometer pro Stunde zurücklegen - ein Tempo, das völlig ausreichend war für den üblichen Aktionsradius älterer Herrschaften.

Man könnte meinen: ein ideales Gefährt für die Nach-Führerschein-Phase, die Zeit, in der man Kraftfahrern womöglich nicht mehr zutraute, ein PS-starkes Automobil reaktionsschnell durch den Verkehr zu steuern. Doch die Frage nach der Führerscheintauglichkeit im hohen Alter war mitnichten Luciartes Thema.

Wenn der Künstler und Erfinder an Zukunft dachte, hatte er etwas Anderes vor Augen: Die leidige Parkplatzsuche, angesichts der zunehmenden Zahl von Automobilen. Die Verkehrsdichte, die ein schnelles Vorankommen in der Stadt ohnehin unmöglich machte. Die Tatsache, dass in den meisten Wagen oft nur der Fahrer saß - und dass jedes dieser Autos Abgase in die Luft blies.

1958 meldete Fernando Ruiz Luciarte seinen emissionsfreien Mini zum Patent an. Nur an eines hatte der weitsichtige Franzose offenbar nicht gedacht: Wer würde sich mit diesem kleinen Tretauto auf die Straße wagen?



insgesamt 5 Beiträge
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Robert Silvester, 12.09.2012
1.
Der Mann war einfach mehr als 50 Jahre zu früh. http://www.fortschritt-fahrzeugbau.de/
Sylvia Götting, 12.09.2012
2.
@Robert Silvester: Die Fahrzeuge auf den von Ihnen verlinkten Fotos haben die gleichen Probleme wie das von Luciarte konstruierte: Wo stelle ich das Gerät zu Hause hin? Warum hat sein Gefährt nicht mal einen Gepäckträger wie jedes Durchschnittsfahrrad? Dann wäre es ideal zum Einkaufen. Braucht man eine besondere Zulassung für die Verwendung im Straßenverkehr (schließlich ist es breiter als ein Fahrrad)? Hier noch zwei andere Bilder: http://www.gettyimages.de/Search/Search.aspx?contractUrl=2& language=de&family=creative&p=Fernando+Ruiz+Luciarte&assetType=image http://www.gettyimages.de/detail/nachrichtenfoto/ fernando-ruiz-luciarte-manoeuvres-his-invention-the-nachrichtenfoto/3135083
Jürgen Bischoff, 12.09.2012
3.
Nun, es handelt sich erstens nicht um "zwei konventionelle Kleinwagen", zwischen denen das Tretmobil hier parkt, sondern um einen DKW (l.), eine für die damalige Zeit recht geräumige Limousine, und einen VW Käfer. Und zweitens befindet sich der Parkplatz, auf dem dieses Bild entstand, nicht in Paris, sondern höchstwahrscheinlich in Brüssel. Und dass der Pedal-Mini "bis zu 40 Kilometer pro Sunde" schnell war, dürfte auch eine werbliche Übertreibung gewesen sein - das schaffen kaum heutige Liegeräder im Straßen-Dauerbetrieb. Aber das Foto ist zweifellos hübsch.
Redaktion einestages, 12.09.2012
4.
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes hieß es, das Bild von Fernando Ruiz Luciarte in seinem Tretauto sei in Paris und nicht in Brüssel aufgenommen worden. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.
Wolfdietrich Burde, 14.09.2012
5.
Hier ein Pedelec für 2 Personen und viel Gepäck: http://www.fam-rad.de/galerie/sonder.htm
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