Automobilgeschichte Außen hui, innen ... ups

Automobilgeschichte: Außen hui, innen ... ups Fotos
Tom Grünweg

Streikende Elektrik, kollabierende Motoren und Karosserien, die nach wenigen Jahren zerbröseln: Die Automobilhistorie ist reich an Schöpfungen, die sich im Alltagsdienst als Riesenfehler entpuppten. einestages zeigt die größten Fehlzündungen. Von Michail Hengstenberg

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John De Lorean hatte einen Traum. Der ehemalige Vizepräsident von General Motors wollte endlich mal ein vernünftiges Auto bauen. Schnell, trotzdem sparsam, leicht und handlich, sicher, pflegeleicht und umweltschonend. Heute würde De Lorean für seine Idee von einem "ethischen Auto" Applaus ernten. Das Problem: er träumte seinen Traum zur falschen Zeit. Anfang der siebziger Jahre interessierte sich keiner der amerikanischen Autohersteller für derlei Spinnereien.

Also fasste De Lorean einen kühnen Plan: Er würde das Auto, seinen DMC 12, einfach selber bauen. Beim italienischen Designer Giorgio Giugiaro ließ er die Karosserie entwerfen. Und was für eine! Keilförmig, aus rostfreiem, poliertem Edelstahl, außerdem mit Flügeltüren versehen - wo immer De Lorean 1977 mit seinem ersten Prototypen auftauchte, wurde er gefeiert wie ein Held.

Kaum ging es an die Entwicklung des Serienfahrzeugs, fingen die Probleme an. Der innovative, kleine und leichte Wankelmotor, den der Visionär für seine futuristische Flunder eigentlich vorgesehen hatte, entpuppte sich als unzuverlässig und kompliziert. Am Ende musste De Lorean im Heck seines Traumautos einen kreuzbiederen, schweren und ganz und gar uninnovativen V6-Motor verstauen. Das asthmatisch röchelnde Triebwerk verrichtete auch in Volvos, Peugeots und Renaults seinen Dienst. Mit seinen müden 132 PS, die so gar nicht zur Optik der Super-Flunder passten, riss es den Glamour-Faktor des DMC 12 dramatisch in die Tiefe.

Vorschusslorbeeren im Handumdrehen verspielt

De Lorean, ein Car Guy durch und durch, der über Jahre die amerikanische Automobilindustrie geprägt und legendäre Autos wie den Pontiac GTO geschaffen hatte, machte trotzdem weiter. Mit der britischen Regierung schloss er ein Abkommen, das Werk, in dem sein Traumauto montiert werden sollte, in Nordirland zu errichten. Der Unternehmer garantierte 3000 Arbeitsplätze und versprach die Hoffnung, dass arbeitende Iren das Interesse am Kampf für die IRA verlören, die Labour-Regierung finanzierte das Unternehmen mit 135 Millionen Pfund.

Als 1981 endlich die Serienfertigung begann, rollte allerdings in Dunmurry nicht mehr die Zukunft des Automobilbaus vom Band, sondern ein mit Mängeln und Kompromissen behaftetes Auto, das seine Vorschusslorbeeren in wenigen Monaten verspielte.

Wurden die DMC 12 den Händlern anfangs noch aus den Händen gerissen, wandelte sich schon bald das Bild. Die schweren Flügeltüren klemmten oder waren undicht, die Klimaanlage neigte zum Kollabieren genau wie die Elektrik, der schwachbrüstige Motor hatte die Tendenz zum Überhitzen - zum Preis eines Porsche 911 bekamen De Lorean-Kunden vor allem eins: Probleme.

Ein Koks-Deal als letzte Rettung für den Traumwagen

Und während die Nachfrage mit einer Geschwindigkeit in den Keller rauschte, die man eigentlich dem Auto gewünscht hätte, produzierte De Lorean munter weiter. Schon bald standen deshalb vor allem in den USA - dem Hauptabsatzmarkt für den De Lorean - hunderte von DMC 12 in endlosen Reihen, säuberlich nebeneinander geparkt in den Verladehäfen und warteten auf Händler, die sie an den Mann bringen sollten. Doch die hatten genug vom DMC 12 und den frustrierten Käufern.

In Dunburry wurde derweil das Geld knapp. De Lorean hatte die Gewinne aus den ersten Verkäufen investiert, statt Rücklagen zu bilden, der wegbrechende Absatz traf die De Lorean Motor Company hart. Verzweifelt suchte John De Lorean nach Investoren, die Geld in sein Lebenswerk pumpen sollten. Fündig wurde er bei der britischen Regierung, die noch mal 30 Millionen Pfund nachschoss - und beim FBI.

Im Sommer 1982 war ein ehemaliger Drogenschmuggler, der inzwischen als Undercover-Agent für den amerikanischen Geheimdienst arbeitete, an den DMC-Chef herangetreten und hatte sich als Stellvertreter eines Investorenkonsortiums ausgegeben, das das Unternehmen aus der Schieflage retten wollte. Im Laufe der Verhandlungen stellte sich heraus, dass De Lorean, um an das Geld der Investoren zu kommen, einen Kokain-Deal abwickeln sollte. Der Firmenchef sah keinen Ausweg, willigte ein - und wurde am 19. Oktober verhaftet.

Letzte Ausfahrt in die Zukunft

Im anschließenden Gerichtsverfahren wurde De Lorean zwar freigesprochen, für seine Firma jedoch war der Koks-Skandal der letzte Sargnagel. Nur einen Tag nach der Festnahme des Firmenchefs setzte die Britische Regierung die De Lorean Motor Company unter Konkursverwaltung.

Margaret Thatcher, die als konservative Regierungschefin inzwischen in England die Geschäfte führte, war offensichtlich so erbost über die versenkten Millionen, dass sie ihrerseits einen Teil der Karosseriewerkzeuge im Meer vor Irland versenken ließ - nie wieder sollte eines der Autos entstehen, das die britischen Steuerzahler so viel Geld gekostet hatte.

Einmal aber wies John De Loreans Kreation doch noch den Weg in die Zukunft: 1985 erschien der Film "Back To The Future" in den Kinos. Hauptdarsteller: ein DMC 12, der, mit einem sogenannten "Fluxx-Kompensator" ausgestattet, zur Zeitmaschine aufgerüstet worden war. Plötzlich war der DMC 12 wieder ein Star - doch da standen die Bänder im irischen Werk der De Lorean Motor Company schon seit Jahren still, war der Traum von einem ethischen, einem guten Auto für eine bessere Welt schon lange zu Grabe getragen.

So dramatisch das Schicksal von John De Lorean und seinem DMC-12 sein mag - es ist beileibe kein Einzelfall. Die Automobilgeschichte ist voll von geplatzten Träumen und vergurkten Visionen. einestages stellt die größten Rohrkrepierer auf vier Rädern vor.

Anm. d. Red: In einer früheren Version des Artikels hieß es in einer Bildunterschrift, der Motor des Porsche 924 stamme aus dem VW-Bus. Tatsächlich ist das Triebwerk vom VW-Transporter LT entliehen.

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1.
Dirk Bohnemeyer 01.05.2011
Hm, MEIN Subaru XT von 1986 hatte einen ganz normalen permanenten Allradantrieb, wie ihn auch andere Subarus hatten. Außergewöhnlich war allerdings sein elektronisch gesteuertes Luftfahrwerk mit automatischer Niveauregelung und per Knopfdruck um 20mm anhebbarer Karosse. Dessen Kompressor im rechten vorderen Kotflügel allerdings war recht gut zu hören, wenn der Lufttank aufgefüllt werden musste... Ich hatte auf jeden Fall 2 1/2 Jahre viel Spaß mit dem Auto, und heute hätte ich gerne einen als Oldtimer.
2.
Hartmut Wolf 02.05.2011
Ich vermisse in der Aufstellung den Alfa Romeo GTV 2000 (ca. 1974). Sehr schöne Karosserie, aber so miserabel verarbeitet, dass an nagelneuen Fahrzeugen u. a. Türgriffe abrissen, unterschiedliche Kotflügel montiert waren (mit Aussparung für Blinker und ohne), die Antriebsachse nicht korrekt befestigt war, was beim Bremsen und Beschleunigen zu Seitenversatz führte, vom Rosten gar nicht zu reden. Ebenso fehlt der Matra Bagheera (3-Sitzer!), der wegen krasser Verarbeitungsmängel vom ADAC in den Siebzigern die "Silberne Zitrone" verliehen bekam.
3.
Michael Sixel 03.09.2012
Wie schön dass dieser Artikel alle paar Jahre mal wieder auftaucht. Diesesmal möchte ich aber anmerken: Der 924 war zwar kein Brüller, aber auch keine lahme Ente und ganz sicher auch kein Flop. Immerhin
4.
Marian Müller 10.08.2013
"...und weil der gusseiserne Klotz im Heck verstaut wurde, konnte man auch zu sportlichen Fahreigenschaften ebenfalls bye-bye sagen..." Versteh ich jetzt nhicht! Und ich dachte immer, daß ein Auto mit Mittelmotor bzw. Heckmotor die sportlicher, da agileren Fahreigenschaften aufweist. Der Logik der Bildunterschrift zu folge, wäre auch der Porsche als Sportwagen kein Hit, da er ja auch über einen Heckmotor verfügt. Ist es nicht eher so, daß durch die Anordnung des Motors im Heck, der Schwerpunkt weiter nach hinten verlagert wird, was dazu führt, daß bei Kurvenfahrt das Fahrzeug weniger untersteuernd reagiert und eine eher übersteuernde Reaktion zeigt.
5.
Angelo Lopiano 09.10.2013
Eins haben Sie bei der lustigen und gelungenen Auflistung vergessen: Der Alfa Romeo Alfasud. Aufgrund einer Lieferung von Stahl aus der ehemaligen Sowjetunion rosteten die Karosserien binnen Jahresfrist durch. Alfa musste einiges einstecken und der Ruf italienischer Wagen (auch Fiat war betroffen) litt Jahrzente darunter.
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