Boyband-Star Brian Littrell "Mann, war ich stolz!"

Er singt in der erfolgreichsten Boyband der Welt - und ist nun schon 40. "Backstreet Boys"-Star Brian Littrell über das Altern, seine lebensgefährliche Herzerkrankung und die Liebe seines Lebens.

Ein Interview von


SPIEGEL ONLINE: Mr. Littrell, vor fast 20 Jahren haben Sie Ihre erste Goldene Schallplatte bekommen. Erinnern Sie sich nach all den Erfolgen überhaupt noch daran?

Littrell: Na klar, ein unfassbarer Moment! Es war im November 1995 in einem italienischen Restaurant in München. Wir waren mit unserem Manager zusammen und dachten, es sei nur ein Dinner. Plötzlich erschien der Chef unserer Plattenfirma und packte die Goldenen Alben aus. Wir trauten unseren Augen kaum. Ich konnte meine Freudentränen nicht zurückhalten. Mann, war ich stolz! Jahre harter Arbeit wurden belohnt.

SPIEGEL ONLINE: Das klingt jetzt aber schon nach einer sehr langen Karriere. Dabei waren die Backstreet Boys doch gerade erst gegründet worden…

Littrell: Ja, aber unser Manager hat uns nach dem Casting 1993 durch eine harte Schule geschickt: zwei Jahre brutales Tanz- und Gesangstraining, bevor überhaupt die erste Single erschien.

SPIEGEL ONLINE: Am 20. Februar haben Sie einen runden Geburtstag gefeiert. Wie ist es, als Star einer Boyband plötzlich 40 zu werden?

Littrell: Bitte, bitte lassen Sie uns nicht davon sprechen (lacht). Nein, im Ernst, das ist schon ein ziemlich seltsames Gefühl. Wenn du 38, 39 wirst, ist das nichts Besonderes. Aber mit 40, da beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Aber ich denke, in einer Boygroup aktiv zu sein, hält mich auf gewisse Weise jung.

SPIEGEL ONLINE: Allerdings war es mit Ihrer Herzerkrankung gar nicht selbstverständlich, dass Sie überhaupt Ihr 40. Lebensjahr erreichen würden.

Littrell: Das stimmt. Ich wurde mit einem Loch in der Herzscheidewand geboren. Bereits als kleiner Junge musste ich Monate im Krankenhaus verbringen, weil ich mir durch eine winzige Schnittwunde eine bakterielle Entzündung eingefangen hatte. Das war in meinem Fall lebensbedrohlich. Die Ärzte gaben damals nicht mehr viel auf mein Leben.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben überlebt. Aber Jahre später, mit 23, mussten Sie sich einer OP am offenen Herzen unterziehen.

Littrell: Die Ärzte haben mich regelrecht dazu gezwungen. Mir kam das sehr ungelegen, denn wir starteten in den USA damals richtig durch. Der Zeitpunkt war mehr als ungünstig. Außerdem hatte ich Bedenken bei so einem komplizierten Eingriff. Aber ich hatte keine Wahl. Dass das Loch in meinem Herzen geschlossen werden konnte, hat mir das Leben gerettet.

SPIEGEL ONLINE: Wer stand Ihnen in dieser Zeit bei?

Littrell: Meine Freundin Leighanne hielt fest zu mir, das war nicht selbstverständlich, denn wir waren damals erst elf Monate zusammen. Auch mein starker Glaube an Gott, ich bin Baptist, gab mir Kraft, das alles durchzustehen. Mein Glaube ist für mich ein Kompass, der mir den richtigen Weg zeigt. Ich kann mich auf ihn verlassen.

SPIEGEL ONLINE: Wie geht es Ihnen heute?

Littrell: Alles in bester Ordnung. Ich gehe regelmäßig zu Untersuchungen, aber ich muss keine Medikamente nehmen. Auf der Bühne zu singen und zu tanzen - kein Problem! Die Ärzte sagen, ich sei ein wandelndes Wunder.

SPIEGEL ONLINE : Sie sind in Kentucky im Bible Belt der USA aufgewachsen. Wie haben Ihre strenggläubigen Eltern reagiert, als Sie ihnen offenbarten, einer Boyband beizutreten?

Littrell: Im ersten Moment waren sie erstaunt, aber sie haben mir irgendwie vertraut. Trotzdem hätten sie wohl nicht gedacht, dass meine Singerei im Chor der Porter Memorial Baptist Church in Lexington mal zu so was führt (lacht). Es hat sie auch beruhigt, dass mein Cousin Kevin in der Band war. Wir sind sehr bodenständig und normal erzogen worden. Das war wichtig, denn es hat verhindert, dass wir zu den ganz großen Zeiten abgehoben sind.

SPIEGEL ONLINE: Das dürfte bei der beispiellosen Fanhysterie sicher nicht ganz einfach gewesen sein...

Littrell: Unsere Fans waren ziemlich verrückt, das stimmt. Mit allen Mitteln haben sie versucht, an uns heranzukommen. Als wir mal in Rio de Janeiro waren, versammelten sich fast 50.000 vor unserem Hotel. Der komplette Straßenverkehr war lahmgelegt. Da muss man als Musiker schon verdammt aufpassen, dass man nicht durchdreht. Aber wir haben das auch genossen.

SPIEGEL ONLINE: War Ihre spätere Frau auch ein Fan, als Sie sich kennengelernt haben?

Littrell: Nein, viel besser! Leighanne war als Model gecastet worden für unseren Videoclip zu "As Long As You Love Me". Das war am 15. Juni 1997, diesen Tag werde ich nie vergessen, denn er hat mein Leben verändert. Leighanne ist mir sofort aufgefallen. Sie kann übrigens gar kein Fan gewesen sein, denn die Backstreet Boys waren damals in den USA noch nicht wirklich erfolgreich.

SPIEGEL ONLINE: Liebe auf den ersten Blick?

Littrell: Das kann man wohl sagen. Der Blitz schlug bei mir ein. Ich wollte Leighanne zum Dinner einladen, aber sie meinte, sie habe bereits andere Pläne. Das hat mich total verunsichert. Ich dachte, okay, die steht nicht auf dich. Später kam sie noch mal auf mich zu und meinte, übermorgen habe sie Zeit. Da fiel mir ein Stein vom Herzen. Jetzt sind wir seit 18 Jahren zusammen.

SPIEGEL ONLINE: Sie stießen 1993 als Letzter zur Band. Ihre Karriere haben Sie dann 1995 in Europa gestartet. Warum?

Littrell: Weil es in den Neunzigern in den USA keinen Bedarf an Boybands gab. Grunge-Acts wie Nirvana oder Gangsta-Rapper wie Snoop Dogg regierten die Charts. Also beschloss unser Manager, den Umweg über Europa zu machen. Deutschland hat uns mit offenen Armen empfangen, und wir haben von unserem Debütalbum 14 Millionen Exemplare verkauft. Als wir unseren Freunden zu Hause erzählten, wir seien in Europa eine Riesennummer, meinten sie nur: "Yeah, sure…" und "Oh, really!".

SPIEGEL ONLINE: Werden Sie heute immer noch von kreischenden Girls überfallen?

Littrell: Das ist vorbei. Natürlich werde ich hin und wieder im Supermarkt erkannt und um ein Autogramm gebeten. Damit habe ich keine Probleme. Was wären die Backstreet Boys ohne ihre Fans? Das darf man nie vergessen.

SPIEGEL ONLINE: Soeben ist ein Dokumentarfilm über die Backstreet Boys erschienen. Um was geht es in "Show 'em What You're Made Of"?

Littrell: Es ist eine Art Zusammenfassung der ersten 22 Jahre unserer Karriere aus fünf Perspektiven. Obwohl wir als Band eine Einheit sind, hat jeder von uns die Dinge doch etwas anders erlebt. Für uns ist der Film eine emotionale Achterbahnfahrt, es gab ja auch bei uns viele Höhen und Tiefen.

SPIEGEL ONLINE: Aber Sie haben etliche andere Boybands überlebt. Wie das?

Littrell: Mit Disziplin, Ehrgeiz und Professionalität. Demnächst touren wir durch China, Australien und Südamerika, im Sommer geht es wieder ins Studio. Wir wollen nicht nur von unseren alten Hits leben. Und 130 Millionen verkaufte Alben weltweit - das werden aktuelle Top-Acts wie Justin Bieber oder Taylor Swift wohl nicht mehr schaffen.

SPIEGEL ONLINE: Kann es in einer Boyband echte Freundschaft geben?

Littrell: Wenn dem nicht so wäre, hätten wir nicht 22 Jahre überstanden. Natürlich gibt es Reibereien. Aber am Ende raufen wir uns immer zusammen. Als mein Cousin Kevin Richardson vor Jahren die Band verließ, drängten uns unsere Manager dazu, ihn sofort zu ersetzen. Aber wir weigerten uns und machten lieber zu viert weiter. Als Kevin dann wieder zu uns zurückkehrte, wurde er mit offenen Armen empfangen. Uns allen ist klar, dass wir, egal, was passiert, für immer Backstreet Boys bleiben werden.



insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
Win Cel, 05.03.2015
1.
Wieso ist er ein lebendes Wunder, wenn bei ihm der Verschluss des Ventrikelseptumdefekts funktioniert hat? Das wird zwar normalerweise im Babyalter erledigt und scheint nach dem, was ich gelesen habe, technisch anspruchsvoll zu sein, wenn es NICHT offen erledigt wird (bei ihm wurde es offen gemacht) ... aber alles machbar? Fehlt da irgendein wichtiger Informationsfetzen?
Alexander John, 05.03.2015
2.
Boyband der Welt", wenn ich so einen Mist lese, wird mir gerade noch mal schlecht..Dieser Produzenten-Mist aus den Neunziger Jahren und dieses dämliche, synchrone Herumgehüpfe auf der Bühne war damals schon unerträglich und ist es heute um so mehr. Das wurde nur noch von den Stock-Aitken-Waterman-Zombies aus den Achtziger Jahren übertroffen..;)
Jürgen Heidenreich, 06.03.2015
3. Alexander John hat Recht
ich habe mich immer gefragt, wie diese Boybands singen und gleichzeitig tanzen konnten...soweit man diese Gehampel, tanzen nennen kann..ich fand das alles künstlich...ich habe mich immer gefragt, ob die Mitglieder in den Boybands wirklich selbst gesungen haben und nicht alles, wie bei Milli Vanilli, Fake war..
Wiebke Olpp, 06.03.2015
4.
Wer keine Frau ist, sollte sich zu diesem Artikel nicht äußern. Wir heute 30 jährigen können die Zeit mit den Backstreet Boys noch gut nachempfinden..... Und es war eine verdammt gute Zeit!
Andy Dollmann, 07.07.2018
5. @Jürgen Heidenreich
Das "Gehampel und Gesinge" hat immerhin für gute Laune gesorgt und viele Teenagerherzen höher schlagen lassen. Das im Nachhinein infrage zu stellen, kommt 1. jahrzehnte zu spät und 2.wirkt es auch retrospektiv arg verkniffen...;)
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