Bunter Fernseh-Batman BAM! WHAMM! KAPOW! TOUCHÉ!

Als Batman löste Adam West die kniffligsten Fälle, mit Sprechblasen und in hautengen Strumpfhosen. Der quietschbunte Serien-Trash begeisterte 1966 das Publikum und trieb Fans der Comics Tränen in die Augen.

Von

ddp images

Langsam löst sich das Mannmonstrum im dunklen Umhang aus den Schatten. Vor dem Spiegel bleibt es stehen, blickt tief in das reflektierende Glas. Eine unheimliche Fratze starrt zurück. Kurze, spitze Ohren ragen oben aus seinem Kopf, die Augen liegen tief in den Höhlen. Nur der weit ausgeschnittene Mund verrät, dass sich unter dem schwarzen Gummi ein Mensch verbirgt.

Mit Mühe rupft Adam West die Fledermausmaske von seinem verschwitzten Gesicht, als Hände aus den Schatten ihm die schlabbrige Maske entreißen: "Ich habe dich geschaffen", tönt es aus der Dunkelheit. Der erschrockene Blick des Schauspielers fällt auf den eleganten Herrn mittleren Alters, der ihm da aufgelauert hat. Sein Name: Bob Kane. Sein Beruf: Schöpfer des Batman.

Adam West als Batman, 1966
ddp images

Adam West als Batman, 1966

Jahrzehnte später erinnerte sich Schauspieler Adam West an diese erste leibhaftige Begegnung zwischen Schöpfer und Geschöpf bei einer Bühnenshow in New York. Bob Kane, geboren 1915, hatte als Zeichner für das Comicstudio Eisner & Iger gearbeitet, bevor er Ende der Dreißigerjahre bei DC Comics anheuerte, die mit ihrem Helden Superman große Erfolge feiern konnten. Kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs entwarf Kane gemeinsam mit dem Autor Bill Fingers einen neuen Superhelden.

"Als ich 12 oder 13 war, entdeckte ich ein Buch von da Vinci, in dem eine Flugmaschine mit riesigen Fledermausflügeln abgebildet war", sagte Kane über die Inspiration. "Für mich sah das aus wie ein Fledermausmann." Anders als Superman war sein Batman keine strahlende Gestalt, sondern ein dunkler Rächer: Der Millionär Bruce Wayne, dessen Eltern ermordet worden waren, ging nachts in Umhang und Maske auf Verbrecherjagd in der fiktiven Stadt Gotham City. Ohne Superkräfte, nur mit seinen zahlreichen Werkzeugen bewaffnet.

Flattermann für jedermann

Nach seinem ersten Auftritt in "Detective Comics #27" war der Flattermann bald feste Größe des US-amerikanischen Comics und bekam 1940 seine eigene Serie von Heften. Über Jahrzehnte fesselten das junge Publikum immer neue Geschichten um den Maskierten und seine Gegenspieler Joker, Pinguin und Catwoman. Unter den Lesern war auch der Adam West, der in den Fünfzigerjahren Schauspieler wurde - seine Karriere sollte bald untrennbar mit dem Mann im Fledermauskostüm verbunden sein.

Der Nestlé-Konzern hatte Adam West für einen Werbespot engagiert: "Captain Quik" überführte darin als James-Bond-Lookalike einen Schurken und rührte genüsslich im Instantkakao. Diesen kuriosen Auftritt sah auch der Produzent William Dozier.

Für 20th Century Fox und den Sender ABC sollte Dozier, alles andere als ein Comicfan, eine "Batman"-Serie ins Fernsehen bringen. Nachdem er einige Hefte gelesen hatte, war für ihn klar: Das würde nur funktionieren, wenn er den düsteren Geschichten einen Pop-Art-Anstrich verpassen würde. Das englische Wort "campy" beschreibt Doziers Vision für Batmans Fernsehauftritt: bunt, laut, völlig überdreht. Und wer könnte so einen komischen Kauz besser spielen als dieser Kakaoclown Adam West aus dem Nestlé-Spot?

Am 12. Januar 1966 lief die erste Folge von "Batman" im US-Fernsehen - und tauchte die Wohnzimmer in ein Kaleidoskop von Farben. Mit dem Batmobil, einem umgebauten 1955er Lincoln Futura, rasten Batman und sein junger Gehilfe Robin (gespielt von Burt Ward) aus der Bathöhle unter dem Anwesen. Sie gingen auf Jagd nach Joker und Pinguin und prügelten deren Schergen besinnungslos. Dabei übernahmen die Macher der Serie auch die Geräuschblasen der Comic-Hefte; jeder Schlag wurde mit einem POW oder BAM untermalt.

Zwei Typen in Strumpfhosen

"Wir hatten Sprechblasen mit Geräuschen. Alles war in Primärfarben. Wenn Bösewichte im Bild zu sehen waren, war manchmal die Kameraperspektive verzerrt, schließlich war er böse", so beschrieb Adam West in einem Interview die wilde "Batman"-Revue. "Die Show unterschied sich von den Comics. Wir hatten mehr Ironie und waren bizarrer. Wir versuchten einfach, Gelächter zu erzeugen."

Das Publikum mochte es. Jede Woche strahlte ABC zwei Episoden der irren Verbrecherjagd aus. Die erste am Mittwochabend endete stets mit einem Cliffhanger, der erst am Donnerstag aufgelöst wurde. Eine süchtig machende Formel, die Batman aufs Cover des "Life"-Magazins beförderte.

Prominente Gastdarsteller wie Jerry Lewis oder Sammy Davis Jr. statteten Gotham einen Besuch ab. Hauptdarsteller West selbst sprach von den drei großen Bs der Sechziger - neben den Beatles und James Bond auch die "Batman"-Serie. Seine Fernsehfigur verkörperte er ebenso bei Bühnenshows und lieferte sich Gesangsduelle mit Bösewichten wie dem Riddler. Der Erfolg war so groß, dass noch 1966 mit "Batman hält die Welt in Atem" ein Kinofilm auf Basis der Serie erschien.

Dabei trieb die Zuschauer noch etwas um: "Ein paar Typen, die zusammenleben und in Strumpfhosen und Umhängen herumlaufen. Das sorgte für ziemlich viel Geschwätz", erklärte Adam West Jahre später lachend. Die homoerotischen Untertöne der Story wurden durch die Showgesangseinlagen angeheizt. "I'm called little Buttercup" (kleine Butterblume) sang Batman in einer Episode. Und in den Lokalen tanzte man landesweit den "Batusi" aus der Serie nach.

Der Gaga-Rächer von Gotham

Nach 120 Folgen in drei Staffeln hatte sich das Publikum am Gaga-Rächer von Gotham sattgesehen. So schnell wie Batman die Herzen der Zuschauer erobert hatte, verklang der Rausch. Der Kater sollte noch lange andauern.

"Die Serie ruinierte das Ansehen von Superhelden beim Publikum auf Jahrzehnte", sagte Bruce Timm, einer der Produzenten der animierten "Batman"-Serie aus den Neunzigern. In mühevoller Arbeit bauten Comics wie "The Dark Knight" von Frank Miller, die Filme von Christopher Nolan oder die neue Realserie "Gotham" das Image des dunklen Rächers wieder auf.

Die poppig-trashige Fledermaus, die Fans nur "Batman '66" nennen, erlebt heute eine Renaissance. Nach jahrelangen Rechtsstreitigkeiten sind alle Episoden 2014 erneut erschienen. Eine weitere Fan-Generation erlebt die Abenteuer ihres Helden und seines Helfers in den schrillsten Farben. Als "Bright Knight", wie Adam West gern erklärt, im Gegensatz zu "Dark Knight" als Batman-Bezeichnung ("Dunkler Ritter").

In der Fernsehsendung "Entertainment Tonight" brachte Robin-Darsteller Burt Ward es 1987 so auf den Punkt: "Wir waren die einzigen Superhelden, die ihre Unterwäsche drüber trugen."

Zum Autor
  • Christian Neeb (Jahrgang 1983) schrieb für das Fachmagazin "GEE" über Videospielkultur und verfilmte sie bei "Reload" für den SWR. Auf einestages erinnert er an Wichtiges oder Erstaunliches von gestern.


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 18 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Friis Tappert, 11.01.2016
1.
Autsch! Wenn sich dann demnächst ein US-Amerikaner Jahrgang 83 ein bisschen Halbwissen zum Thema Raumpatrouille anliest und einen Artikel auf englisch schreibt bin ich bestimmt genauso fasziniert. Jesus!
Mark Werner, 11.01.2016
2. The real Batman
Adam West: Neben Christian Bale der einzig wahre Batman! Unvergessen die "Kletterpartien" an einer senkrechten Hauswand mit dem Bat Rope bei denen regelmäßig ein Fenster aufging und ein Gaststar erschien. Unter diesen waren u.a. Jerry Lewis, Edward G. Robinson, Bruce Lee, Sammy Davis Jr. und viele andere Stars der Zeit. Für alle Nostalgiker: Hier gibts alle 14 Cameos nochmal zu sehen: https://www.youtube.com/watch?v=PE_CM3tvkys
Thomas Jenny, 11.01.2016
3.
Das Batman-Design stammt von Bill Finger. https://en.wikipedia.org/wiki/Bill_Finger
Klausi Fuchs, 11.01.2016
4. @Mark Werner
Unsinn. Die Reihenfolge lautet: Michael Keaton Christian Bale Und dann gar nichts mehr.
Wilhelm Hansmann, 11.01.2016
5. Batmobile
Ich weiß es ist kleinkariert, aber bei der Bildunterschrift 10 müsste es statt "(...) und innerhalb von drei Wochen auf Basis eines 1955 Lincoln Futura baute (...) heißen "...auf Basis DES 1955 Lincoln Futura...". Der Futura war ein Einzelstück und wurde von der Karosseriefirma Ghia auf Basis eines Lincoln MK-II als Designstudie gefertigt. Üblicherweise wurden solche Designstudien leider schnell verschrottet. Dem Futura wurde dieses Schicksal erspart, in dem er von George Barris umgebaut wurde. Mittlerweile existiert übrigens ein Nachbau des Lincoln Futura, der als Basis eine Replik des Batmobils hatte.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.