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Berühmte Synchronstimmen Guck mal, wer da spricht!

Berühmte Synchronstimmen: Guck mal, wer da spricht! Fotos
Uwe Tölle

Ihre Stimmen sind Superstars, ihre Gesichter kennt kein Mensch: einestages verrät, welche Synchronschauspieler Robert De Niro, Clint Eastwood oder Kermit dem Frosch ihre Stimmen leihen - und warum Deutschlands erfolgreichster Sprecher ganz und gar kein Fan "seines" Darstellers ist. Von

Christian Brückner, 70, gilt als erfolgreichster deutscher Synchronsprecher. Seit 1971 hat er allein Robert De Niro in rund 70 Filmen seine Stimme geliehen, Hunderte weitere Sprecherrollen in Filmen, Hörspielen und Dokumentarfilmen kamen dazu. Seinen Durchbruch verdankt der Grimme-Preisträger allerdings einer ganz anderen Hollywood-Größe.

einestages: Herr Brückner, Hollywoodstars können ja kaum auf die Straße treten, ohne dass Fans ihr Gesicht erkennen. Werden Sie in der Öffentlichkeit erkannt, wenn Sie plötzlich mit Robert De Niros markanter, leicht heiserer Synchronstimme zu sprechen beginnen?

Brückner: Ständig. Aber da ich nicht Robert De Niro bin, verhält sich mein Publikum zum Glück sehr dezent.

einestages: Ist Ihnen schon früh aufgefallen, dass Ihre Stimme Menschen besonders berührt?

Brückner: Eigentlich erst, als ich schon voll im Geschäft war und immer mehr Anfragen kamen. Ich hatte ja ursprünglich gar nicht vor, Synchronsprecher zu werden.

einestages: Deutschlands erfolgreichster Synchronsprecher hatte eigentlich gar keine Lust auf den Beruf?

Brückner: Na ja, ich bin Anfang der sechziger Jahre mit 20 nach Berlin gegangen, um Germanistik, Theaterwissenschaften und Publizistik zu studieren und Theater zu spielen. Ich hab dann einen Nebenjob gesucht. Berlin war damals das absolute Zentrum der Filmsynchronisation in Deutschland, also bin ich zu den Studios gegangen und habe gesagt: "Hallo, da bin ich!". Damals ging das noch so einfach. Anfangs habe ich natürlich erst mal nur ganz kleine Parts bekommen.

einestages: Was war ihre allererste Rolle?

Brückner: Ein Western mit John Wayne, ich sollte seinen Sohn sprechen. "Aber Vater - gibt's hier Indianer?" oder so - es waren nur ein oder zwei Sätze, aber die wollten einfach nicht hinhauen. Mal wurden die "Indianer" zu "Indianärrrn", mal klapperte ich nervös mit den Schlüsseln in meiner Tasche - wieder und wieder musste der Take wiederholt werden. Die routinierten Kollegen schafften ihre Aufnahmen beim ersten oder zweiten Anlauf, ich brauchte zehn. Am Ende kam ich aus dem Studio und dachte nur: "Hier gehst du nie wieder hin!".

einestages: Aber Sie brachen den Schwur.

Brückner: Sobald der Anruf für den nächsten Auftrag kam. Die Nachfrage explodierte förmlich. Daran war vor allem Warren Beatty Schuld.

einestages: Wie das?

Brückner: 1967 bekam ich den Auftrag, Beatty in der Hauptrolle des Gangster-Dramas "Bonnie und Clyde" zu synchronisieren. Das war mein Durchbruch - auf einmal, bumm, war ich voll im Geschäft. Gerade war ich noch Student gewesen und plötzlich stieg ich morgens in Berlin in den Flieger, machte in München Aufnahmen und flog abends nach Berlin zurück, um dort noch weiterzuarbeiten, ohne Pause. Ich bin voll in der Arbeit aufgegangen.

einestages: Wirklich berühmt wurden Sie aber durch einen anderen Schauspieler - spätestens seit "Taxi Driver" von 1976 kennt praktisch jeder deutsche Kinogänger Sie als die Stimme von Robert De Niro.

Brückner: Ach ja, mein Alter Ego ... dabei hatte ich damals echte Schwierigkeiten mit "Taxi Driver", mit dem an die Wand spritzenden Gehirn und überhaupt mit dem ewigen Plot von Gewalt in US-Filmen. Das hat mir überhaupt nicht gefallen. Heute erst kann ich sehen, dass es ein Abbild des amerikanischen Nationalcharakters ist - wenn man überhaupt sagen kann, dass so etwas existiert.

einestages:Sie nennen De Niro Ihr "Alter Ego". Wenn man mehr als vier Jahrzehnte immer wieder dem gleichen Schauspieler seine Stimme leiht - gehen einem nicht irgendwann seine Eigenarten auf die Nerven?

Brückner: Ja, auch wenn ich nicht "auf die Nerven gehen" sagen würde. Aber nach all den Jahren fallen mir natürlich all die Wiederholungen und Eigenarten in seinem Spiel sehr auf, seine schauspielerische DNA sozusagen. Das ist nichts Schlimmes, er ist ein fantastischer Darsteller. Aber er wiederholt sich auch viel. Dass ich seine Eigenarten inzwischen so gut kenne, "nervt" aber nicht, eher umgekehrt: Es macht mir das Leben mit seinen Filmen, die ich zum größten Teil nicht besonders schätze, einfacher - weil ich die Arbeit dadurch praktisch mit links erledigen kann.

einestages: Sie mögen die Filme des Mannes, den Sie seit 42 Jahren synchronisieren, selbst gar nicht? Klingt nach einem frustrierenden Job.

Brückner: Nein, so kann man das nicht sagen. "Taxi Driver", "Raging Bull" oder "Deer Hunter" - viele seiner frühen Arbeiten waren großartig. Und es gibt diesen kleinen Film, in dem er einen Jazzmusiker spielt: "New York, New York". Der hat mir auch sehr gefallen. Inzwischen macht er aber leider überwiegend schlechte Filme.

einestages: Ist Ihre Besetzung als Stammsprecher von De Niro also vom Segen zum Fluch geworden?

Brückner: Auf keinen Fall. Dieser De Niro, der als Übergröße über Hollywood schwebt, war einfach eine sichere Bank, ein Schutzschild, hinter dem ich in Ruhe viele andere Dinge machen konnte, die mir wichtig waren. Ich habe immer auch andere Sachen gemacht - Theater gespielt, als Sprecher für Fernsehdokus gearbeitet, eine praktisch unendliche Zahl von Hörspielen aufgenommen und etliche Live-Auftritte gehabt mit Roman- und Lyriklesungen. Das Synchronsprechen brachte vielleicht den größeren Wiedererkennungswert, aber gleichzeitig habe ich sozusagen undercover immer ein Gegenprogramm gemacht - zum Beispiel große literarische Werke gelesen. Unser Hörbuch-Verlag "Parlando", den ich seit 2000 gemeinsam mit meiner Frau Waltraut leite, ist für mich das wichtigste Projekt überhaupt. Und natürlich die vielen literarisch-musikalischen Auftritte - etwa mit der WDR Big Band oder dem Cologne Contemporary Jazz Orchestra.

einestages: Wie wichtig ist Musikalität für einen Synchronsprecher?

Brückner: Sie hilft ungemein. Zum einen (beginnt, mit den Fingern zu schnippen) muss man im Studio in kürzester Zeit den Rhythmus des Satzes, des ganzen Takes, erfassen, mit allen Pausen, Punktierungen, Tempowechseln. Zum anderen hilft es, wenn man es schafft, die eigene Sprache in ihrer Tonhöhe und Artikulation zwischen zwei Spannungspolen anzuordnen. Es ist, auch wenn man kein Musikstück aufführt, doch eine Arbeit in einem quasi-musikalischen Zusammenhang.

einestages: Haben Sie ein musikalisches Vorbild, das Ihre Arbeit als Sprecher beeinflusst hat?

Brückner: Miles Davis ist immer mein Idol gewesen. Seine Art zu spielen, so... (seufzt) so cool und unauffällig. Ich finde sein Understatement vorbildlich: Die Beherrschung der Mittel und gleichzeitig die Beschränkung, was du davon rauslässt. Es ist alles da, er stellt es nur nicht zur Schau.

einestages: Nun lebt gerade Jazz ja vor allem vom Live-Charakter, der Spontaneität auf der Bühne. Was reizt Sie mehr: die Arbeit als Synchronsprecher in der Abgeschiedenheit des Studios oder die Interaktion mit dem Live-Publikum?

Brückner: Ich würde keines gegen das andere tauschen wollen. Das sind zwei ganz verschiedene Paar Schuhe: Der Auftritt vor Publikum hat immer den Reiz des Spielerischen - das Publikum herauszufordern, zu sehen: Worauf springen sie an? In ein Studio zu gehen, nur mit einem Synchron-Buch, und das von A bis Z aus sich herauszuholen, dazu braucht man eine große Phantasie und ein schnelles Einfühlungsvermögen in Charaktere und Szenen - von denen man ja oft nur einen Bruchteil zu sehen bekommt.

einestages: Verzweifeln Sie dabei auch manchmal an den Originaldarstellern, denen sie ja lediglich ihre Stimme leihen, an deren Spiel sie aber gebunden sind?

Brückner: Ja, das passiert immer wieder. Man spricht und spricht und sieht den Film und denkt plötzlich: "Oh nein, das ist doch nicht gut, was der da macht!" Ich versuche dann, wenigstens Details mit der Sprache zu verbessern - ohne zu verfälschen. Ich bemühe mich immer, mich der Rolle unterzuordnen und mich nicht "draufzusetzen", wie es bei uns in der Branche heißt, wenn man einfach sein Markenzeichen draufstempelt.

einestages: Nun ist Ihr Markenzeichen ja vor allem Ihre markante, rauchige Stimme - pflegen Sie die eigentlich in besonderer Weise, damit sie nicht versagt?

Brückner: Nein, habe ich nie getan. Ich bin ja kein Opernsänger. Und mitunter kann es sogar ganz hilfreich sein, wenn die Stimme versagt.

einestages: Inwiefern hilfreich?

Brückner: Anfang der achtziger Jahre habe ich für eine Sendereihe des Bayerischen Rundfunks Romane vorgelesen. Einer davon war "Der Sperber von Maheux", ein grandioses Buch. Darin ereignet sich ein langer, ausgedehnter Tod eines Protagonisten, der sich über viele, viele Seiten erstreckt. Und die Aufnahme zog sich selbst über so lange Zeit hin, dass mir die Stimme irgendwann tatsächlich versagte - zum Glück allerdings genau da, wo der Mann auch im Roman gerade tot war.

Ob Robert De Niro, Jack Nicholson oder Eddie Murphy: Erfahren Sie in der einestages-Galerie, welcher Sprecher hinter welcher markanten deutschen Schauspielerstimme steckt - und welchen anderen Stars er noch die Worte in den Mund legte.

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insgesamt 33 Beiträge
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1.
Kurt Mueller, 28.11.2013
Synchron - würg! Ich gönne ja jedem Schauspieler seine Synchronkohle. Aber selbst, wenn ich die Originalsprache gar nicht beherrsche und auf deutsche Untertitel angewiesen bin, ist mir das lieber, als die immergleichen, in einem sterilen Studio aufgenommenen Stimmen zu hören, die oft genug Dialekte und Nuancen des Originals (Text wie Schauspieler) einfach wegbügeln. Oft genug sind Dinge ja auch gar nicht zu übersetzen - dann sind mir deutsche Untertitel, die grob erklären, worum's geht, lieber als eine völlig verfälschte Blödel-Synchro. "Taxi Driver" ist zudem ein schönes Beispiel für Etepetete-Übersetzung: Im hier gezeigten Ausschnitt kommt ja im Original das F-Wort mehrfach vor, in der deutschen Übersetzung aber nicht. Auch an anderen Stellen ist die deutsche Fassung g'schamig: Zu Beginn seiner Taxifahrten lamentiert "Travis" aus dem Off, jeden Morgen müsse er das Sperma ("Cum") von den Rücksitzen wischen. Kein Wort davon in der deutschen Version... Bin echt mal gespannt, ob ProSiebenMaxx seinen Untertitel-Mittwoch beibehält - Zeit wär's...
2.
Kurt Tiefenbach, 28.11.2013
Das Synchronisieren von Filmen ist eine Kulturschande. Das Wichtigste eines jeden Schauspielers ist seine Stimme, welche ihm durch die Synchronisierung genommen wird.
3.
Eva Schrader, 28.11.2013
Hm, werden Frauen nicht synchronisiert? Wer gibt die z.B. die Stimmen von Audrey Hepburn und die wunderbare Birgitte Nyborg?
4.
Frank Etzel, 28.11.2013
Chr. Brückner hatte ich mal in einer Takshow gesehen. Was für ein eitler Fatzke, fand sich sowas von toll...extremst unsympathisch. Sein Timbre mag ja ganz charismatisch klingen - aber man hört die Stimme überall und selbst wenn ich den Mensch mögen würde, hätte ich die Stimme schnell über. Jede Silbe, die aus seinem Mund kommt, scheint sagen zu wollen: "Bitte, bewundert mich!". Brrrrr.....
5.
Jan Voges, 28.11.2013
Was? Die wohl beständigste Stimmen-"Ehe", Michael Douglas und Volker Brand, wurde vergessen?
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