Bizarre Fahrzeuge Die Ahnen von Star Wars

Bizarre Fahrzeuge: Die Ahnen von Star Wars Fotos
Technikmuseum Sinsheim

Mono-Räder, Schienen-Zeppeline, fliegende Panzer: Euphorisiert von der Technikrevolution entwickelten Ingenieure in den zwanziger und dreißiger Jahren die absurdesten Fahrzeuge - viele davon für den Krieg. Spektakuläre Archivfotos dokumentieren die Wahnsinnsvehikel. Von

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In den zwanziger Jahren grassierte rund um den Globus das Technikfieber: In Amerika und England phantasierten Erfinder von Panzern in Kugelform und Einradtanks. Einrädrige Motorräder, bei denen Antrieb und Fahrer innerhalb des Reifens Platz nahmen, gab es bereits. In Deutschland experimentierte Fritz von Opel mit sprengstoffgetriebenen Raketenautos. Im Mai 1928 stellte er mit 238 Stundenkilometern einen Geschwindigkeitsrekord auf: 24 Pulverraketen und damit 120 Kilo Sprengstoff zündeten, um seinen Raketenwagen auf 238 Stundenkilometer zu beschleunigen. Nur drei Jahre später raste zwischen Hamburg und Berlin eine silberfarbene Zigarre über die Eisenbahnstrecke - der durch einen riesigen Heckpropeller vorangetriebene Schienenzeppelin. Mit Tempo 238 erreichte er schon damals die Geschwindigkeit eines ICE von heute.

"Auswüchse einer blinden Technikhörigkeit, die nach dem Ersten Weltkrieg in der Gesellschaft grassierte", diagnostiziert Wolfgang Fleischer, Historiker des Militärhistorischen Museums Dresden. Auch wenn Künstler wie Fritz Lang in Filmen wie "Metropolis" die entfesselte Technik als kulturfeindlich kritisierten, bei Ingenieuren und Militärs herrschte der Glaube vor, mittels Maschinen alles erreichen zu können.

Fliegende Panzer als Friedensgarantie

Die Vision des US-Ingenieurs J. Walter Christie allerdings war besonders abgedreht: Auf 15 Meter langen Doppeldeckerflügel sollte sein stählernes Ungetüm durch die Luft segeln, sanft wie eine Feder über feindliche Linien hinwegschweben. Dem Tüftler erschien sein gepanzerter Dumbo gar als veritabler Friedensengel. "Der fliegende Panzer ist eine Maschine, jeden Krieg zu beenden", jubilierte er in derTechnikzeitschrift "Modern Mechanics". "Alleine das Wissen um seine Existenz wird eine größere Friedensgarantie sein, als alle Verträge die die Erfindungsgabe der Menschheit aushecken kann."

Die US-Militärs waren deutlich weniger begeistert. Kein einziger von Christies rund ein Dutzend Prototypen ereichte Serienreife. Alle Modelle würden abgelehnt, schon wegen ihrer hauchdünnen Panzerung - ein unausweichlicher Tribut an die hohe Geschwindigkeit. Frustriert wandte sich der exzentrische Konstrukteur 1931 an die Europäer. Als der Panzer-Avantgardist auch die Deutschen nicht euphorisieren konnte, zog er weiter nach Osten. Bei den Sowjets rannte er offene Türen ein. Mit seiner Expertise wurde der im eigenen Land verschmähte Erfinder in den dreißiger Jahren zu einem der Mitentwickler des gefürchtetsten Panzermodells des Zweiten Weltkriegs, dem schnellen und wendigen T 34.

Aber auch an seiner fixen Ideen, gepanzerte Fahrzeuge zum Fliegen zu bringen, tüftelte Christie weiter. Schon Mitte der dreißiger Jahre entwickelte er mit russischen Ingenieuren den T 27, einen mit 2,7 Tonnen äußerst leichten Minipanzer, der, unter schwere Tupolev-Bomber geschnallt, durch die Luft transportiert und hinter feindlichen Linien dicht über dem Boden abgeworfen werden konnte. So zumindest lautete der Plan. Zwar blieb der Panzer bei solchen Sturzflügen meist relativ unbeschädigt - die Besatzung hingegen überstand die Quasi-Bruchlandungen jedoch nicht so gut.

Porsche baut die Riesenmaus

Die Deutschen setzten bei ihren Konstruktionen statt auf Schnelligkeit lieber auf schiere Größe. Ständig bastelten sie am ultimativen Superpanzer wie etwa dem Projekt Nummer 205: ein Stahlkoloss von zehn Metern Länge. Aus Gründen der Geheimhaltung wurde das 188 Tonnen schwere Gefährt ironisch "Maus" getauft. Es sollte als rollender Bunker dienen. Über das Schlachtfeld hätte es ohnehin nur in Schleichfahrt von 11 Stundenkilometer kriechen können - wenn die Riesenmaus nicht gleich in den Boden eingesunken wäre. Der bis dahin schwerste deutsche Panzer, der "Tiger", hatte gerade mal ein Drittel des Gewichts.

Hitlers Panzerstratege Hans Guderian war dennoch begeistert: "Geben sie mir hundert Stück von der Sorte und ich stoppe den Vormarsch der Russen ein für allemal", rief er Ferdinand Porsche 1943 bei einer Vorführung enthusiastisch zu, erinnert sich der Konstrukteur in seiner Autobiografie. Doch über Testfahrten auf dem Gelände der Heereswaffen-Versuchsanstalt bei Sperenberg kam das Projekt aufgrund der Material- und Treibstoffknappheit nicht hinaus.

Ein-Mann-Panzer und 1500-Tonnen-Gefährte

Trotzdem werkelte neben Porsche auch Krupp an Stahlmonstern ungeahnter Größe, die dem Diktator doch noch den immer unwahrscheinlicher werdenden Endsieg ermöglichen sollten. 1942 legte Krupp Hitler Pläne für den "Panzer 1500", kurz P1500 vor. Hinter der Bezeichnung verbarg sich das Projekt eines sage und schreibe 1500 Tonnen schweren, gepanzerten Fahrzeugs.

Das Gefährt sollte das schon allein 500 Tonnen schwere Eisenbahngeschütz "Dora" an Bord haben und mit mehreren U-Boot-Motoren angetrieben werden. Das Projekt wurde Anfang 1943 von Albert Speer eingestellt, der erkannte, dass es für diese wahnsinnigen Land-Leviathane keine taktische Aufgabe in einem Krieg gibt.

Der pragmatische, dabei nicht weniger absurde Gegenentwurf zur Phantasterei J. Walter Christies oder der Gigantomanie der Nazi-Ingenieure kam aus England. Ein-Mann-Mini-Panzer vom Typ "Carden-Loyd" und "Morris-Martel" sollten wie ein Bienenschwarm die Soldaten feindliche Linien durchbrechen und für Verwirrung sorgen. Die ersten Modelle schraubte Sir Gifford Martel 1925 noch im Eigenbau in seiner Garage zusammen. Die Fahrzeuge kamen im Zweiten Weltkrieg jedoch nur als Transporter zum Fronteinsatz. Bienenschwärme von Minipanzern wurden nirgendwo gesichtet.

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1.
Peter Burgherr 10.04.2008
Weil ih den verweis im text schmerzlich vermisst habe: Wer sich für diese Epoche der Technikentwicklung interessiert, kommt an folgender Seite definitiv nicht vorbei: Museum Of Retro Technology http://www.dself.dsl.pipex.com/MUSEUM/museum.htm
2.
Siegfried Stoiber 11.04.2008
Die letzten sechs Star Wars - Fime bedienen sich ausnahmslos "Nazi-Designs". Sieht man sich die Seite www.luft46.com an, dann weiß man, was da als Inspirationsquelle hergehalten hat.
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