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Kultfilm "Blues Brothers" Zwei im Auftrag des Herrn

Kultfilm Blues Brothers: Brüder im Geiste Fotos
ddp images/Universal

Ihr Outfit: schwarz. Ihre Mission: das Comeback des Blues. Als singende Brüder schrieben John Belushi und Dan Aykroyd Kinogeschichte. Beim Dreh musste die Bürgermeisterin von Chicago intervenieren - und ein Drogen-Bodyguard. Von

Es ist der Horror eines jeden Regisseurs, den John Landis in einer Sommernacht des Jahres 1979 durchlebt. Auf einem verlassenen Parkplatz in Harvey, Illinois, steht der Filmemacher der "Blues Brothers" inmitten seiner Crew und kann nicht drehen. Die Kameras sind bereit. Das Team auch. Nur einer fehlt: Hauptdarsteller John Belushi.

Dass der kokainsüchtige Komiker unbemerkt vom Set verschwindet, kommt öfters vor. Doch nun ist es 3 Uhr nachts, und Belushi gilt schon längere Zeit als vermisst. Aufgeregt machen sich alle auf die Suche. Nach einer Weile entdeckt Filmpartner Dan Aykroyd ein erleuchtetes Haus. "Wir drehen einen Film und suchen einen unserer Schauspieler", sagt er verlegen, als die Tür geöffnet wird. "Oh, Sie meinen Belushi?", antwortet der Eigentümer. "Der kam vor einer Stunde hierher und hat meinen Kühlschrank geplündert. Jetzt schläft er auf der Couch."

Mehr als 30 Jahre waren vergangen, als Aykroyd im Jahre 2011 dem US-Magazin "Vanity Fair" von der nächtlichen Suchaktion erzählte. Klar hätte es zwischen ihm und Belushi wegen dessen Drogenproblemen oft Streit gegeben, sagte er. Aber sie waren ein Team mit einer Mission: Als Blues Brothers wollten sie eine totgeglaubte Musikform wieder berühmt machen. Mithilfe eines ziemlich schrägen Films. Es wurde der größte Komödienhit für das Hollywoodstudio Universal.

Ein Kneipenabend mit Folgen

Die Männerfreundschaft zwischen Belushi und Aykroyd begann wie so viele andere: in einer Bar. Mit Anfang 20 war Aykroyd Besitzer des 505 Clubs in Toronto. Wenn er nicht am Tresen saß, trat er als Komiker der Gruppe Second City auf, einem Comedy-Ensemble aus Chicago, das einen erfolgreichen Ableger in Aykroyds Heimatstadt hatte.

Im November 1973 betrat der 24-jährige John Belushi die Kneipe. Der kleine runde Komiker, selbst ehemaliges Second-City-Gewächs, war auf der Suche nach neuen Talenten. Ob Aykroyd nicht mit ihm nach New York wolle, um in seiner "National Lampoon Radio Hour" mitzuwirken?

Zwar konnte der sich nicht von Toronto trennen, doch die beiden kamen ins Gespräch. "Es war Liebe auf den ersten Blick", sollte Aykroyd später berichten. Er legte eine Platte der Downchild Blues Band auf. "Was ist das?", fragte Belushi, der privat lieber Heavy Metal hörte. "Du kommst aus Chicago und kennst Blues nicht?", fragte Aykroyd ungläubig. In dieser Nacht sollten sie noch lange über Musik reden. Zwei Jahre später hatten sie ihren ersten Auftritt als Blues Brothers.

Vom Bienenkostüm zu Smokingträgern

Mittlerweile gehörten beide dem Ensemble von "Saturday Night Live" an. Jener Comedy-Show aus New York, die Schauspielgrößen wie Bill Murray, Eddie Murphy oder Tina Fey berühmt machen sollte. Und die zur Feuerprobe für die Blues Brothers wurde.

Aykroyd und Belushi legten sich für ihren Auftritt zwei Alter Egos zu: die Brüder Elwood und Jake Blues, ehemalige Waisenkinder aus Chicago, die als Erwachsene ihrem Nachnamen entsprechend dem guten alten Blues nachhingen. Eigentlich waren in den Siebzigerjahren Disco oder Hard Rock beliebt. Doch Aykroyd mit seiner Mundharmonika und die Rampensau Belushi wussten, wie sie das Publikum für sich gewinnen konnten.

Zu Beginn traten die beiden als Warm-upper auf. Bevor die Show um 11.30 Uhr live auf Sendung ging, sollten die Komiker dem Saalpublikum einheizen. Am 17. Januar 1976 durften sie zum ersten Mal vor der Kamera auftreten mit dem Song "I'm a King Bee" - in Bienenkostümen.

Bald schon tauschten sie die Verkleidung gegen schwarze Anzüge, Ray-Ban-Sonnenbrillen und schwarze Hüte. Das Outfit wurde ihr Markenzeichen. Der Komiker Steve Martin war so begeistert von den Kunstfiguren, dass er sie für eine Show in Los Angeles buchte. Gemeinsam mit der Blues Brothers Band spielten Belushi und Aykroyd vor Hollywoods Top-Liga. Der Auftritt brachte ihnen einen Plattenvertrag ein. Das erste Musikalbum "Briefcase Full of Blues" erreichte doppelten Platinstatus. Kurz darauf kamen erste Filmangebote.

Hollywood beißt an

Gleich mehrere Studios kämpften darum, die Blues Brothers auf die Leinwand zu bringen. Den Zuschlag bekam schließlich die Firma Universal, die mit Belushi bereits die Komödie "Animal House" abgedreht hatte. Regie sollte der "Animal House"-Filmemacher John Landis übernehmen. Obwohl Aykroyd noch nie ein Drehbuch geschrieben hatte, durfte er das Skript verfassen. Mit 324 Seiten war es fast dreimal so lang wie in der Branche üblich. Landis brauchte zwei Monate, um den Text zu kürzen.

Das Resultat war ein wilder Mix aus Musical, Gangsterfilm und Buddy-Komödie: Nach einem längeren Gefängnisaufenthalt erfährt Jake "Joliet" Blues, dass das von katholischen Nonnen betriebene Waisenhaus, in dem er und sein Bruder Elwood aufgewachsen sind, kurz vor dem Bankrott steht. Um die Einrichtung zu retten, beschließen die Brüder, ein Konzert zu geben - und müssen dafür ihre alte Band wieder zusammenbringen. Schon bald werden sie nicht nur von der Polizei, sondern auch von Country-Musikern und einer Gruppe Nazis gejagt. Nicht zu vergessen die mysteriöse Killerin, die von Aykroyds damaliger Freundin Carrie Fisher, der Prinzessin Leia aus "Stars Wars", verkörpert wurde.

Hinzu kamen Gastauftritte großer Blues-Musiker: Aretha Franklin, Ray Charles oder James Brown übernahmen kleine Rollen und sangen ihre Hits. Mindestens genauso berühmt wurden viele Zitate des Films. Etwa Elwoods lakonisch vorgetragener Spruch: "Wir sind im Auftrag des Herrn unterwegs."

Liebeserklärung an Chicago

Der eigentliche Star war jedoch die Stadt Chicago. Von Beginn an bestanden die Hauptdarsteller darauf, die Geschichte in der Geburtsstadt des Electric Blues zu drehen. Dabei galt Chicago als unattraktiv für Filmcrews. Bürgermeister Richard J. Daley hatte Dreharbeiten über Jahrzehnte boykottiert - aus Angst, man würde die Stadt nur als Sündenpfuhl aus den Zeiten von Al Capone präsentieren.

Doch Daley war tot, und seine Nachfolgerin Jane Byrne hatte ein offenes Ohr für die Crew. Auf ihr Geheiß wurden die Straßen unter der Hochbahn im Stadtteil "Loop" gesperrt, damit in der berühmten Verfolgungsszene Polizeiwagen mit mehr als 100 Meilen pro Stunde durch die Innenstadt brettern durften. Außerdem bekam Landis die Erlaubnis, den Wagen der "Illinois Nazis" an einen Helikopter zu binden und ihn aus 1700 Metern auf den Boden zu schmettern.

Auch die Szene auf dem Parkplatz in Illinois, bei deren Dreh Landis auf seinen Star warten musste, ist ein Spektakel. Die Anlage gehörte zu einem verlassenen Einkaufszentrum. Im Film rasen die Blues Brothers mit ihrem Wagen - dem Bluesmobil - durch die Shoppingmeile, zerbrechen Schaufenster und demolieren einen Großteil des Inventars.

Ein Joint mit Belushi

Solche Stunt-Szenen trieben die Produktionskosten in die Höhe. Schon nach wenigen Wochen war das festgelegte Budget von 17,5 Millionen Dollar überschritten. Hinzu kamen Belushis Ausfälle. In seiner Heimatstadt Chicago kam er leicht an Drogen. Jeder Bürger wollte damit prahlen können, wie er mit dem berühmten Komiker einen Joint geteilt hatte - oder Stärkeres. Schließlich engagierte Belushi einen Drogen-Bodyguard, der ihn von den Dealern fernhalten sollte.

Kurz vor Filmstart weigerten sich einige Kinoketten, das Werk zu zeigen. Die Musik sei zu altmodisch, und der Humor richte sich vornehmlich an ein schwarzes Publikum. Statt der vorgesehenen 1400 Kopien wurden nur 600 in die Kinos geliefert. Dennoch spielten die "Blues Brothers" 115 Millionen Dollar ein.

1998 kam die Fortsetzung "Blues Brothers 2000". Allerdings ohne John Belushi. Der Komiker starb 1982 an einer Mischung aus Kokain und Heroin - mit 33 Jahren.

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insgesamt 33 Beiträge
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1. Herrlich...
andre hemkendreis, 21.06.2015
Einer der besten Filme ever....
2. Frisco Speedball
kay neumann, 21.06.2015
Ich dachte immer Belushi sei an einem Frisco Speedball gestorben, weil seine Pumpe die paradoxe Wirkung nicht mitgemacht hat.
3. cool wie nie.
Martin Hermann, 21.06.2015
mit Herzblut gemacht und genial. Leider heute nicht mehr möglich da ohne Gewinnmaximierung gemacht. Gute alte Zeit. .
4.
Karl Wanninger, 21.06.2015
Schöner Artikel, nur eines wäre noch zu erwähnen, die Musik der Blues Brothers ist Rhythm & Blues und Soul.
5. Animal House vs Blues Brothers 3:0
Ernest Bender, 21.06.2015
Landis hat Aykroyds Script nicht nur gekürzt, sondern offenbar umgeschrieben auf 'Animal House minus Harold Ramis plus Stuntbudget' – ohne zu Ursprünglichkeit und Charme des Vorbilds auch nur annähernd zurückzufinden.
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