Böse Fouls Die Flachleger

Böse Fouls: Die Flachleger Fotos
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Ist das noch Kicken oder schon Kickboxen? Wenn beim Fußball Gegner mit Karateeinlagen statt Doppelpässen mattgesetzt werden, zieht der Fan die Luft durch die Zähne - doch fiese Fouls gehören zum Fußball wie grandiose Tore. Ein Rückblick auf die schmerzhaftesten Augenblicke der Fußballgeschichte in Bildern.

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Zielsicher und in hohem Lauftempo, den Ball eng am Fuß geführt, strebte Mittelfeldspieler Ewald Lienen am 14. August 1981 auf das Tor von Werder Bremen zu. Sekunden später wälzte sich der langmähnige Regisseur von Arminia Bielefeld auf dem Rasen des Stadions. Ungläubig umfasste der Sportler mit beiden Händen sein rechtes Bein und starrte mit vor Schmerz weit aufgerissenen Augen auf seinen Oberschenkel: Dort klaffte von kurz über dem Knie bis weit hinauf gen Hüfte eine offene Fleischwunde. Lienens Schenkel war vom Stollenschuh seines brutal eingestiegenen Gegners aufgeschlitzt worden wie eine Blutwurst.

Szenenwechsel, ein knappes Jahr später: Fußball-Weltmeisterschaft in Spanien, Halbfinale Deutschland-Frankreich am 8. Juli 1982. Der französische Nationalspieler Patrick Battiston nähert sich gefährlich dem Tor der Deutschen - und wird mit voller Wucht vom heranfliegenden Fuß des deutschen Keepers Toni Schumacher am Kopf getroffen. Bewusstlos knallt Battiston auf den Rasen. Er verliert drei Zähne und wird mit einer schweren Gehirnerschütterung ins Krankenhaus eingeliefert.

Es waren diese wohl fiesesten Fouls der deutschen Fußballgeschichte, an die Fans vergangenen Dienstag bei der Flugattacke von Werder Bremens Torhüter Timo Wiese gegen den HSV-Stürmer Ivica Olic unweigerlich denken mussten. Nur, weil sein Opfer nicht wie Battiston im Hospital landete, wird Wiese wohl nicht in die ewige Brutalstenliste der Bundesiga aufgenommen werden. Toni Schumacher wird bis heute von der Szene im Sanchez-Pizjuan-Stadion von Sevilla verfolgt.

Die schnellste Gelbe Karte aller Zeiten

Nicht, dass die Deutschen besonders brutal wären: Dass ein Kicker mit beiden Beinen voraus unvermittelt einen Fan anspringt, wie der für Manchester United spielende Franzose Eric Cantona 1995, ist hierzulande noch nicht vorgekommen. Und eine Type wie der britische Ex-Profi Vinnie Jones ist unter den karriereorientierten Stromlinienspielern der Bundesliga kaum vorstellbar.

Bevor Jones Anfang der Neunziger als erfolgreicher Macho-Darsteller vom Stadion ins Filmfach wechselte, kassierte er 13 Platzverweise sowie die schnellste Gelbe Karte aller Zeiten (nach drei Sekunden). Als "Die Axt" berüchtigt, scheute sich Jones nicht davor, seinen Gegenspieler Paul Gascoigne heimtückisch und hinterrücks kräftig am Gemächt zu zwacken oder in einem Freundschaftsspiel per Blutgrätsche einen Knirps im Grundschulalter umzunieten. Und nachdem Jones ausnahmsweise einmal selbst unsanft von den Beinen geholt worden war, soll er dem Übeltäter, der schottischen Kickerlegende Kenny Dalglish, gedroht haben: "Mach das noch einmal, dann reiße ich dir das Ohr ab und spucke in das Loch!"

Der Trend geht allerdings wohl weg von den spektakulären, filmreifen Fouls à la Schumacher oder Wiese - und hin zu den fies versteckten, deswegen nicht minder brutalen Tätlichkeiten wie einer kurzen trockenen Kopfnuss auf die Nase des Gegners, zu der sich auch schon einmal ein als Gentleman auf dem Platz geltender Spieler wie "Sir Michael" Ballack hinreißen lässt. Nur solche Fouls können den allgegenwärtigen TV-Kameras mit etwas Glück noch entgehen - es sei denn, man heißt Zinedine Zidane und muss sein Gegenüber ausgerechnet in einem WM-Finale vor 30 Millionen Zuschauern per Rammstoß niederstrecken.

hmk

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1.
Corinna Glasbrenner 10.05.2008
Warum ist hier eigentlich kein Foto von Oliver Kahn zu sehen? Weil er (rätselhafterweise) für seine Tätlichkeiten nie vom Platz flog? Weil (glücklicherweise) nie Blut dabei geflossen ist (oder doch)? Der Kopfstoß von Zidane im WM-Finale 2006 war natürlich eine Tätlichkeit und konnte nur mit Platzverweis geahndet werden, aber wirklich brutal wäre ein Stoß ins Gesicht gewesen (ist ja auch schon vorgekommen), nicht vor die Brust - nur ein Italiener fällt da um. Ich will nichts beschönigen, wie gesagt, Tätlichkeit bleibt Tätlichkeit, und legendär ist es schon allein, weil das Spiel nicht nur ein WM-Finale, sondern Zidanes letztes Spiel für die französische National-Elf war, aber dieses Foul in die Top-Liste der "Brutalo-Fouls" zu erheben ist lächerlich. Trotzdem, schön ist sowas nicht - aber es gehört wohl zum Fußball dazu. Übrigens der Torwart von Werder heißt Tim Wiese, nicht Timo.
2.
Jochen Grabler 12.05.2008
Norbert Siegmann kann man fußballerisch so Einiges nachsagen. Vor allem, dass seine spielerischen Fähigkeiten ziemlich begrenzt waren und dass er die eher harte Geangart bevorzugt hat. Aber eines nicht: Dass die fiese Verletzung, die er 1981 dem Spieler Lienen zugefügt hat, die Folge eines "brutalen Fouls" gewesen wäre. Dass diese Mär immer und immer wieder verbreitet wird, dass diese Geschichte immer wieder abgeschrieben und weiter verbreitet wird, macht sie auch nicht wahr. Wer sich die Mühe macht und die Szene tatsächlich studiert, wird feststellen: Lienen und Siegmann rutschen in dieser Aktion derart unglücklich drehen ineinander, dass Siegmanns Stollen eben über Lienens Oberschenkel schrappt. Die Folge ist bekannt. Übringens auch die Folgen der einsetzenden Kampagne, die unter anderem von Lienen selbst angeheizt wurde. Siegmann und Rehhagel erhielten Morddrohungen, Rehhagel saß hernach mit kugelsicherer Weste auf der Trainerbank.
3.
Frank Schmachel 16.05.2008
Merkwürdig, dass das Foul von Wiese im Gedächtnis bleibt, die Entwicklung dazu aber vollkommen vergessen wird . Keine Frage, das war Rot ( sage ich als Werderfan), dazu geführt hat aber letztendlich ein volkommen überforderter Schiri. Der erst brutalste Hamburger Fouls gar nicht oder wenigstens nicht mit einer Karte ahndete, eine klare Tätlichkeit ( Faustschlag) von Vincent Kompany an Diego übersah , um dann anschließend an den Werderakteuren Exempel zu statuieren. Gut, das soll Wieses Einsteigen nicht beschönigen, aber die Atmosphäre, in dem dies gedieh wurde geschaffen.
4.
Markus Leve 25.06.2008
Mich wundert es, daß unter diesen ganzen Fouls auch der Tritt von Rüstü gegen Dyer im Qualifikationsspiel zu EM 2004 nicht erwähnt wird. Für mich war das eines der brutalsten Fouls, die ich je gesehen habe. Dazu wurde es unverständlicherweise nur mit Gelb bestraft.
5.
martin hess 17.03.2009
Ein Foul, das allein aufgrund seines Resultats die Aufnahme in diesen illustren Kreis verdient haette, ist doch sicherlich auch das von Bimingham's Taylor an Eduardo von Arsenal aus der letzten Saison... Mir wird heute noch schlecht, wenn ich die Bilder davon sehe... http://img.thesun.co.uk/multimedia/archive/00445/80_eduardo_682x490_445179a.jpg http://fortheintegrityofsoccer.blogs.com/photos/uncategorized/2008/02/24/eduardo_da_silva_broken_leg_2.png
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