Botschaften aus den achtziger Jahren Die Kultkleber

Botschaften aus den achtziger Jahren: Die Kultkleber Fotos
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Politischer Hilfeschrei, Blödelei, Augenwischerei - in den Achtzigern waren Aufkleber das, was heute Handys sind: Bekenntnisse zum Fortschritt und Symbole der Coolness. Gunnar Donis hat die schönsten Exemplare gesammelt. Manche sind aus heutiger Sicht kaum erträglich.

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Damals - das war die Zeit, in der ich noch im Sandkasten und mit Matchboxautos spielte. Eine Zeit, in der Deutschland zweigeteilt und Spielball der Machtblöcke war, in der es nur öffentlich rechtliches Fernsehen gab, in der sich Friedens- und Umweltinitiativen gründeten, die gegen Nato und AKWs demonstrierten, streikten, sich anketteten und dann von der Polizei wegtragen ließen.

Gedanken an Jamaika-Koalitionen waren damals ketzerischste Science-Fiction (für alle Seiten), in der DDR ging man davon aus, dass der 3. Oktober 1990 ein ganz normaler Mittwoch würde, und Zukunftsforscher sagten uns für das Jahr 2000 Magnetbahnen, fliegende Untertassen, den Weltuntergang, aber nicht das Internet voraus.

Es war eine Zeit, in der man eigene Botschaften noch analog weitertrug und fremde Botschaften entdecken musste. Anstatt SMS und E-Mail waren Ansteckbuttons und Aufnäher die Botschaftsträger, die beispielsweise einen uniformen Bundeswehr-Parka und seinen Träger zu einer individuellen, wandelnden Litfasssäule werden ließen.

Augenkrebs am Fahrzeugheck

Billigere und bessere Druckverfahren auf PVC erweiterten das Spektrum der Meinungsweitergabe um Aufkleber und Sticker, die in den achtziger Jahren Hobbykellertüren, Gartenlaubenmöbel und Kofferraumklappen verzierten.

Während heute auf ein Auto allenfalls noch ein dezenter Sylt-Aufkleber geheftet wird, war es in den achtziger Jahren Volkssport, das Fahrzeugheck mit allerlei Botschaften zu versehen. Politische Statements, Nonsens, "Achtziger-Jahre-Coolness" und andere Peinlichkeiten wurden teilweise mit Augenkrebs verursachender Grafik aufbereitet und ließen nicht selten die Rückansicht eines Wagens zu einem Flickenteppich werden, unter dem die Lackfarbe nur noch erahnt werden konnte.

Da Aufkleber heute nur noch eine untergeordnete Rolle spielen (und Autos als nahezu unantastbar gelten), soll hier ein kleiner Rückblick ohne Wertung gemacht werden, der in einer kleinen Galerie ein paar Klassiker und Unbekannte dieser Epoche vorstellt: Vorhang auf für die Aufkleber der Achtziger!

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insgesamt 6 Beiträge
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1.
Markus Wendig, 25.03.2008
Sehr schöne Sammlung, vielen Dank! :-) Zum aktuellen Sylt Aufkleber hinten am Auto habe ich auch noch folgenden Bericht http://www.sylt-blog.info/sylt-aufkleber/
2.
Eugen Cluster, 25.03.2008
Die Aufkleber sind auch heute noch erträglich. Kaum erträglich allerdings die Bildunterschriften mit der zur Zeit üblichen reaktionären Polemik gegen berichtigte Proteste und berechtigte Ansinnen (35-Stunden-Woche) der Gewerkschaften.
3.
ralf stein, 25.03.2008
Und dann waren da noch... Japanische Motorradmarkenstoffgewebteflügel... Immer gerne auf Wrangler oder Lewis Jeans Jacken.. Auf Lederjacken auch aufgeklebt... Mercedes Sterne und Rasierklingen als Halsschmuck.. Die Heckscheibe oder Heckklappe als Hinweis auf die weniger Reisenden auch mit Campingplätzen-Groß Glockner Alpenpässen oder wahlweise auch mit John Player Special Aufklebern bestückte Vehikel, vorzugsweise der Marke Opel, Ford und VW. Ja Ja... was dem einen früher der Groß Glockner war, daß ist dem anderen heute der Sylt Aufkleber wert...
4.
Michaela Rombeck, 27.03.2008
Die Giraffe gabs doch in den Zoos wenn ich mich nicht irre. Sie hat sich für Spenden an den Zoo bedankt, meine ich mich zu entsinnen :-)
5.
star1de celloman, 24.04.2008
Löwenstark könnte sich auf die Löwenstadt Braunschweig beziehen... siehe http://www.braunschweig.de/rat_verwaltung/verwaltung/ref0413/pm_wirtschaft_tourismus.html
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