Boygroup-Fieber "Wir hatten Spaß!"

Sie waren die deutsche Version von "Take That": Die Mitglieder der Hamburger Boygroup Bed & Breakfast füllten Mitte der Neunziger Jahre Konzerthallen und bewegten Mädchenträume. Sänger Kofi Ansuhenne über aufregende Jahre.

Kofi Ansuhenne

Ironischerweise fängt meine persönliche Musik-Geschichte in den Achtzigern an. Mit meinen besten Freunden zusammen schrieb ich einen Titel namens: "Bros goes down!" In unserem Schulenglisch, das wir so gut es ging mit dem obligatorischen Ghetto-Slang der damals bekannten und beliebten HipHop-Gruppen aus Amerika aufmotzten, meckerten wir über die aktuellen Boygroup-Platzhirsche der britischen Band "Bros"!

Haben wir sie wirklich gehasst? Ich denke nicht, aber irgendwann im fortgeschrittenen Stadium der Pubertät sind Jungs nun mal so. Einige zumindest. Ich gehörte auch dazu und bin gerade deshalb mehr als überrascht und dankbar dafür, dass nicht zu viele Männer mit uns von Bed & Breakfast in den Neunzigern so ignorant umgegangen sind wie wir einige Jahre früher mit unseren Vorgängern.

Ich lernte in den rauhen Achtzigern autodidaktisch mit kleinen Spielzeugkeyboards der Firma Casio musikalisch laufen: Ich bekam mein erstes SK-1 mit 13 Jahren zu Weihnachten und darauf jedes Jahr ein größeres. Später scheuten meine Freunde und ich uns nicht, auf Klassentischen und Schulfesten zu performen.

Kein Erfolg für "Stylus Force"

Irgendwann Anfang der Neunziger kurz vor meinem Abitur erreichte mich der rettende Anruf von einem Produzenten, der unser Zeug (HipHop meets Whatever) zumindest "ausbaufähig" fand! Nach einigen "Korrekturen" am Sound verschaffte Mr. B. Aris, späterer Produzent von Fun Factory und Nana, uns den ersten Plattendeal bei Polydor in Hamburg. Ergebnis: Die Single "We love Girliez" unserer Truppe unter dem Namen "Stylus Force" - mäßiger Erfolg - und aus die Maus! Wir hatten dann auch keine Lust mehr weiterzumachen - für einige Mitglieder stand ja bereits die Ausbildung vor der Tür.

Für mich war aber klar, dass ich außer Musik nichts Anderes machen wollte. Meine Zeit der Ignoranz hatte ich in den Achtzigern erlebt: Wir hassten nicht nur Boygroups, sondern auch "Rocker/ Moscher" und "Popper"- zumindest so lange, bis wir mit ihnen auf Teenie-Partys sturzbetrunken unterm Tisch lagen und uns im Suff gegenseitig erzählten, dass es doch den einen oder anderen Titel gab, den wir gar nicht so übel fanden.

Inzwischen hatte sich mein Musikgeschmack ein wenig erweitert. Und da für mich außer Musik nur ein Medizinstudium in Frage kam, für das man Anfang der Neunziger doch tatsächlich noch den "Mediziner-Test" absolvieren musste, (meiner fiel nur mäßig aus und ich hätte einige Wartesemester in Kauf nehmen müssen) nervte ich bei einer Künstler-Agentur so lange rum, bis sie mich in ihr Repertoire aufnahmen. Dort lernte ich neben vielen anderen Künstlern auch Florian Walberg, Daniel Aminati und David Jost kennen: 1995 war Bed & Breakfast geboren!

Mit Spaß um die Welt

Der Erfolg kam schnell: Die Single "Stay Together" stürmte die Charts. Wir tourten durch Deutschland, Europa und Asien, traten bei Viva und MTV auf, ließen uns für die Cover von Bravo, Pop Rocky und Co. ablichten. Es war anstrengend, aber aufregend. Später sagte man uns nach, die erste erfolgreiche Boyband aus Deutschland gewesen zu sein. Zahlen und Superlative interessierten uns nicht wirklich, wir wollten Spaß haben - und den hatten wir. Satt!

Daniel wollte relativ früh Solo-Pfade begehen und stieg 1996 aus. Trotzdem machten wir mit guter Laune weiter bis zum Jahr 2001: "Musikalische Sackgassen", Erfolgsdruck seitens der Plattenfirma - das war dann kein Spaß mehr. Das Wesentliche, das ich aus der Bed & Breakfast-Zeit mitgenommen habe: "Nimm dich nicht so ernst und versuche das, was Du tust, mit Freude zu machen!"

Während ich in den letzten Jahren Songs, Texte und Musikproduktionen für andere Künstler, Computerspiele und Filme realisierte, hat sich Musikmaterial angesammelt, das ich jetzt auf einem Solo-Album zusammengefasst habe. "Kofinger" ist mein neuer Künstlername. Es gibt sie noch: Lieder, die derjenige interpretieren muss, der sie sich ausgedacht hat! Genauso wie ich es von meinen Lieblingskünstlern der achtziger Jahre kenne, die ab und an ein Album veröffentlichen, wenn sie etwas zu erzählen haben!

Wenn es Spaß macht? Blick auf unendlich, Mut zur Lücke, Augen zu und durch!



insgesamt 1 Beitrag
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Diana Crocenzi , 22.09.2016
1. ????
ist das jetzt ein satire artikel? ich verstehe das ehrlich gesagt nicht- wer ist denn das und gab es diese band wirklich?
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