Kolonisator Cecil Rhodes "Der Eingeborene muss wie ein Kind behandelt werden"

Kolonisator Cecil Rhodes: "Der Eingeborene muss wie ein Kind behandelt werden" Fotos
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Er glaubte an eine Mission der "britischen Rasse" und lehrte sein Land den Imperialismus: Mit seinem Konzern annektierte der britischen Abgeordnete Cecil Rhodes Ende des 19. Jahrhunderts große Teile Afrikas. Mit Gold und Diamanten wurde er reich - und trieb Großbritannien in den Burenkrieg. Von

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Premierminister William Gladstone wollte den Landeroberer bremsen: "Was, außer neuen Verpflichtungen, bringt uns der Erwerb von noch mehr Territorien?" Cecil Rhodes jedoch predigte, Großbritannien müsse überseeische Gebiete erobern und ausbeuten, um den Arbeitern im Mutterland höhere Löhne zahlen zu können. "Wenn Sie in England keinen Bürgerkrieg wollen, müssen Sie Imperialist werden."

Rhodes (1853 bis 1902) glaubte an eine zivilisatorische Mission der "britischen Rasse". Sein Biograf Brian Roberts fand denn auch in Hitlers "Mein Kampf" Passagen, die "Cecil Rhodes verfasst haben könnte". Allerdings wollte Rhodes keine Völker ausrotten. "Der Eingeborene muss wie ein Kind behandelt werden", erklärte er.

Der Sohn eines englischen Pfarrers war als Teenager nach Südafrika geschickt worden, um auf der Farm eines älteren Bruders sein Asthma zu kurieren. Doch der Geschwächte stieg ins Diamantengeschäft ein, und als dem Edelstein-Boom ein Goldrausch folgte, sicherte er sich rechtzeitig Abbaukonzessionen. Rhodes gründete den Konzern British South Africa Company (BSAC), der sich eine eigene bewaffnete Truppe hielt.


SPIEGEL-Geschichte Heft 1/2013

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Die Briten hatten zwar ihre Cape Colony, in der Rhodes als Abgeordneter und später als Premier wirkte. Aber neben der britischen Enklave hatten sich seit dem 17. Jahrhundert holländische Auswanderer angesiedelt; die Buren waren Viehzüchter und Farmer. Ihre beiden Republiken Transvaal und Orange Free State tolerierte London - bis im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts die reichen Diamantenlager und die schier unerschöpflichen Goldvorkommen entdeckt wurden.

Nun alarmierte Rhodes das Mutterland, zumal im Osten der Region die Portugiesen ihre Kolonie Mosambik errichteten und auf der Atlantikseite Deutsch-Südwestafrika (heute Namibia) ausgerufen wurde. Mit diesen potentiellen Verbündeten, fürchtete der Tycoon, könnten die Buren die Vorherrschaft in Südafrika erringen. Im Dezember 1895 versuchten 478 Söldner des Konzerns, die Burenrepublik Transvaal für England zu erobern. Der Putschversuch scheiterte; der deutsche Kaiser bekundete dem Buren-Führer Paul "Ohm" Krüger seine Solidarität. Die "Krüger-Depesche" aus Berlin provozierte die Briten. In der Folge kam es zum ersten großen Krieg zwischen Weißen auf afrikanischem Boden.

Der Burenkrieg (1899 bis 1902) wurde Englands größter und kostspieligster Waffengang seit den Napoleonischen Kriegen. Die Briten glaubten, ihren zahlenmäßig weit unterlegenen Gegner mit 75.000 Soldaten besiegen zu können, mussten schließlich aber 450.000 Männer aus dem gesamten Empire in den Kampf schicken. Sie hatten 22.000 Tote zu beklagen. Auf der burischen Seite starben 34.000 Menschen, davon 28.000 als Zivilgefangene in "Concentration Camps". Die Briten internierten die Bevölkerung, denn die Buren führten einen Guerillakrieg, um gegen die britische Überlegenheit Erfolg zu haben.

Rhodes erlebte den britischen Sieg nicht, er starb zwei Monate vor dem Friedensschluss. Die Burenrepubliken wurden Teil des britischen Kolonialreichs, das dank Rhodes' unermüdlichem Einsatz immens gewachsen war. Der sendungsbewusste Magnat hatte mit seiner BSAC Njassaland (heute Malawi) und das schon zu seinen Lebzeiten nach ihm benannte Nord- und Südrhodesien (heute Sambia und Simbabwe) annektiert sowie wesentlich dazu beigetragen, dass Betschuanaland (heute Botswana) britische Kolonie wurde. Sein Plan, eine direkte Eisenbahnlinie von Kapstadt nach Kairo zu bauen, erfüllte sich indes nicht.

Seine letzte Ruhestätte fand der große Kolonisator an einem heiligen Ort des Ndebele-Volkes in den Matopos-Bergen im heutigen Simbabwe. Regelmäßig wollten Befreiungskrieger der Region Rhodes Gebeine exhumieren und in den Sambesi werfen. Da griff Präsident Robert Mugabe ein. Rhodes' sterbliche Überreste störten nicht, sagte der antikolonialistische Diktator. Im Gegenteil, man wolle, dass viele Leute das Grab besuchen und dafür bezahlen.

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1.
Norbert Fröhlich 11.03.2013
GB als Gründernation der Demokratie gepriesen - Aber wo bleibt die moralische Aufarbeitung ihrer Kolonialverbrechen ? - Dies stünde auch dem hehren Königshaus gut an , aber das hat ja auch "Dreck am Stecken"
2.
Hildegard Fauser 11.03.2013
.... und hat auch die Konzentrationslager erfunden, in denen die Buren verhungern durften
3.
Reynaldo Bustamante 11.03.2013
Die Sieger schreiben die Geschichte. Es wäre interessant zu erfahren welche Greueltaten sich in den Camps und überhaupt allgemein seitens des englischen Imperiums getätigt wurden. Es wäre nicht das erste Mal gewesen da schon vorher viele Kriege (und nicht so deklarierte Geschehnisse) mit Einwirkung des Imperiums gegeben hat. Diese Situationen wiederholen sich immer wieder und auch heutzutage. Deshalb sollte die UNO eine effektivere Kontrolle haben können da die Hauptleidenden immer bei der zivilen Bevölkerung sind.
4.
Gerhard Scharnhorst 11.03.2013
Jaja, der achso demokratische Westen. Stets die Guten in allen heutigen Geschichtsdokus, die man so vorgesetzt bekommt. Das leuchtende Vorbild, dem wir Deutschen im 19.Jahrhundert partout nicht folgen wollten. Aber wir Deutschen war ja schon immer böse und wollten einfach nicht anerkennen, dass England immer demokratisch und friedensliebend war.
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