"Sehr gut aussehend" BND bespitzelte Willy Brandts Freundin

Auf Willy Brandt setzten die bundesdeutschen Geheimdienste schon früh Spitzel an. 1958 sammelte der BND auch Informationen über seine Freundin - und Besuche in ihrer Wohnung.

Willy Brandt im Dezember 1958, damals Regierender Bürgermeister von West-Berlin
Getty Images/ The LIFE Picture Collection/ Robert Lackenbach

Willy Brandt im Dezember 1958, damals Regierender Bürgermeister von West-Berlin


Der Bundesnachrichtendienst (BND) darf deutsche Politiker nicht bespitzeln, getan hat er es trotzdem. Zu den besonders prominenten Opfern des Geheimdienstes aus Pullach zählte Willy Brandt (1913 bis 1992), der SPD-Vorsitzende, Kanzler und Friedensnobelpreisträger. Wie aus Akten des BND hervorgeht, interessierten sich die Agenten dabei schon deutlich früher für den Sozialdemokraten als bislang bekannt. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL.)

Den Papieren zufolge notierte bereits am 27. November 1950 ein Mitarbeiter der Organisation Gehlen (Vorläufer des BND), Brandt sei ein "großer Arbeiter" und "erheblicher Streber". Brandt war damals Bundestagsabgeordneter.

1958 sammelte der BND Informationen sogar über eine Freundin des verheirateten Politikers; sie sei "sehr gut aussehend". Die Frau wurde laut BND auch vom Amt für Sicherheit der Bundeswehr (heute Militärischer Abschirmdienst) überwacht. Die Geheimdienstler schrieben, Brandt habe die Wohnung der Freundin "mehrfach eindeutig" genutzt, wie Observationen der Kollegen vom Amt ergeben hätten. Brandt war damals Regierender Bürgermeister West-Berlins.

Bislang gingen Experten davon aus, dass der BND erst 1960 vom Kanzleramt Konrad Adenauers (CDU) den Auftrag erhielt, das Privatleben des SPD-Rivalen auszuforschen (SPIEGEL 15/2017). Die neuen Akten hat der Geheimdienst auf Antrag der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung herausgegeben. Es sind gut 30 Blatt, darunter Zeitungsartikel. Zwei weitere Dokumente sind noch gesperrt, ansonsten sei nicht mehr über Brandt im Archiv zu finden, so der BND. Bernd Rother von der Brandt-Stiftung hält diese Aussage für "schwer nachvollziehbar".

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insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
Moritz Maier, 16.06.2018
1. Der Feind
stand für die Schnüffler schon damals links, während sich die Nazis in der BRD kommod und unbehelligt einrichten und weiter Karriere machen konnten. Daran hat sich nicht viel geändert.
Thomas Müller, 16.06.2018
2. Geheimdienste dürfen vieles nicht.
Geheimdienste sollten ja auch unter Kontrolle der jeweiligen Regierung stehen. Ob sie das tun? Oder ob die Geheimdienste im Geheimen nicht eher machen was sie wollen? Wer weiß das schon.
Gerhard Edelmann, 16.06.2018
3. Empfehlung!
In diesem Zusammenhang empfehle ich Das Buch "Nach Lektüre vernichten! Der geheime Nachrichtendienst von CDU und CSU im kalten Grieg" von Stefanie Waske. Sehr lesenswert!
Ricarda Nowa, 16.06.2018
4. BND bespitzelte Willy Brandt
Im Rueckblick betrachtend ist es beinahe ein Wunder das Willy Brandt Bundeskanzler wurde bei all dieser Gegenwehr der politischen Feinde ( und auch vermeitlichen Freunde) im eigenen Land wie auch draussen (Guillaume). Es spricht fuer den Spirit dieses Mannes in der damaligen Zeit den Muff der Nazi-und Nachnazizeit durch "mehr Demokratie wagen" verdraengt zu haben. Ein grossartiger Mann und Politiker.Menschliche Schwaechen und Fehler haben wir alle.
Joachim Kappert, 16.06.2018
5. Nazi-Gehlen
... in seinem Element. Dass der Nationalsozialist von Adenauers CDU mit der Errichtung eines Geheimdienstes beauftragt wurde, ist eine bleibende Schande für die Bundesrepublik Deutschland.
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