Charlton Heston und die NRA "Nur aus meinen kalten, toten Händen"

Charlton Heston und die NRA: "Nur aus meinen kalten, toten Händen" Fotos
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Als "Ben Hur" und "Moses" wurde er zur Hollywood-Legende. US-Waffengegner sehen in Charlton Heston dagegen eher eine biblische Plage: Als Präsident der National Rifle Association avancierte der Schauspieler zur Galionsfigur amerikanischer Waffennarren. 2003 legte Heston von Alzheimer gezeichnet, sein Amt nieder.

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"Ich werde euch vermissen", rief Heston seinem jubelnden Publikum zu. Am Samstag hatte er bei der Jahresversammlung der National Rifle Association (NRA) in Orlando seinen letzten öffentlichen Auftritt als Präsident des mächtigsten Lobbyvereins der amerikanischen Waffennarren. Die NRA schenkte ihrem scheidenden Chef zum Abschied ein Winchester-Gewehr von 1866. Heston nutzte die Gelegenheit, sich in seine berüchtigte Pose zu werfen: Er reckte die Waffe in die Höhe und versprach, sie könne nur seinen "kalten, toten Händen" entrissen werden - "from my cold dead hands".

Spätestens seit dem 23. Oktober 2002, als Heston in dieser Pose auf der Titelseite der "New York Times" abgebildet war, ist der Tote-Hände-Satz sein Markenzeichen. John Lee Malvo und John Allen Muhammad, die Heckenschützen von Washington, hatten kurz zuvor ihr zehntes Opfer aus dem Hinterhalt erschossen und fuhren noch immer frei herum.

Keine Rücksicht auf Empfindlichkeiten

Es war nicht das erste Mal, dass der Hollywood-Star sich seinen Terminkalender vom Tagesgeschäft des Tötens nicht durcheinander bringen ließ. Selbst nationale Tragödien konnten ihn nicht von seiner Linie abbringen. Als Dylan Klebold und Eric Harris im Jahr 1999 in der Columbine High School zwölf Mitschüler, einen Lehrer und sich selbst erschossen, tauchte Heston zwei Wochen später am Ort des Massakers auf und hielt bei einer NRA-Versammlung eine flammende Rede für das Recht auf freien Waffenbesitz.

Als das öffentliche Verlangen nach schärferen Waffengesetzen in den Wochen nach dem Amoklauf seinen Höhepunkt erreichte, suchte der Star sein Heil im Angriff: Unverdrossen wies er Vorwürfe an Waffenbesitzer zurück und verhinderte einmal mehr die Einführung schärferer Waffengesetze - obwohl die NRA schon seit 1996 mit der Regierung Bill Clintons diesbezüglich im Clinch lag.

Seitdem die Republikaner wieder die Macht in Washington haben, laufen auch die Geschäfte der NRA wieder besser. Zuletzt errang die Waffenlobby einen wichtigen juristischen Sieg: Waffenhersteller können in den USA nicht verfolgt werden, wenn sich Menschen mit ihren Produkten selbst oder gegenseitig umbringen.

Heston gilt darüber hinaus als überzeugter Anhänger von US-Präsident George W. Bush und dessen Außenpolitik. Zu Beginn des Irak-Kriegs sagte Heston, die US-Streitkräfte verträten "alles, was an Amerika und dem wahren Gesicht des amerikanischen Patriotismus gut und richtig ist". Die Freundschaft zwischen der 4,2 Millionen Mitglieder starken NRA und den Republikanern dürfte auch künftig prächtig gedeihen: Hestons Nachfolger ist Kayne Robinson, der frühere Republikaner-Chef im US-Bundestaat Iowa.

Rücktrittsgrund Alzheimer

Nun tritt die Hollywood-Legende, berühmt geworden durch Monumentalfilm-Hauptrollen wie "Ben Hur", "Moses" und "El Cid", zurück. Als Grund werden bei Heston Symptome der Alzheimerschen Krankheit vermutet, über die der 78-Jährige erstmals vor etwa einem Jahr sprach. Bei seinem eher unfreiwilligen Auftritt in dem Oskar-prämierten Dokumentarfilm "Bowling for Columbine" war er bereits sichtbar gesundheitlich angeschlagen. Unwirsch und fahrig reagierte er auf die bohrenden Fragen des Journalisten und Waffengegners Michael Moore.

Von seinen Freunden bei der NRA bekam Heston zum Abschied weniger kritische Bemerkungen zu hören: "Wir wissen, dass du gehen musst", sagte NRA-Vizepräsident Wayne LaPierre. "Aber du bist der Beste."

Markus Becker

Erschienen auf SPIEGEL ONLINE am 27.04.2003

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