Che Guevara Gedenkfeier für den "Commandante"

Che Guevara: Gedenkfeier für den "Commandante" Fotos
Bernd Peter Lindgens

Im bolivianischen Vallegrande gedachten am 8. Oktober rund tausend Menschen Che Guevara, der Ikone der Linken, die vor vierzig Jahren ganz in der Nähe ermordet worden war. Die Gedenkrede hielt Boliviens Präsident Evo Morales, selbst ein Sozialist. Von

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Totenstille herrscht über dem Hochtal der Anden in 2200 Meter über dem Meeresspiegel. Einige Fernsehteams und Pressefotografen treffen ihre Vorbereitungen für die Gedenkfeier zum 40. Todestag von Ernesto Che Guevara, darunter auch ein Team des ZDF. Um das erst vor kurzem fertig gestellte Mausoleum treffen immer mehr Menschen aus aller Welt ein, auch die Zahl der Pressevertreter nimmt zu. Eine heftige Prise wirbelt Staub auf, Fahnen mit Che und die Flaggen verschiedener Länder flattern im Wind.

Plötzlich durchbricht gegen 12 Uhr ein lautes Rattern die Stille. Die Menschen sind zuerst verunsichert, da es sich um einen Helikopter der venezolanischen Luftwaffe handelt. Wer mag da wohl ankommen, sind es Gäste aus Venezuela? Nach einigen Minuten klärt sich die Angelegenheit, als der erste indogene bolivianische Präsident Evo Morales Ayma die Maschine verlässt. Er kommt in Begleitung von Regierungsminister Alfredo Rada und Justizministerin Celinma Torrico.

Der erste Weg führt die Ehrengäste in das Mausoleum von Ernesto Che Guevara, dessen Gebeine sowie die von fünf seiner Guerilleros nach Hinweisen eines Ex-Generals der bolivianischen Armee von einem argentinisch-kubanischen Forscherteam 1997 genau an diesem Ort gefunden wurden. Zu jener Zeit wollte die bolivianische Regierung kein Aufsehen erregen und sandte die sterblichen Überreste Guevaras direkt nach Kuba.

Flaggen über der Ehrentribüne

Heute ist dieser Ort zu einer Pilgerstätte für viele ausländische Besucher geworden, und der jetzige bolivianische Präsident Morales, ein Sozialist, lässt es sich nicht nehmen, an diesem Tag hierher zu kommen. Die Gedenkstätte sieht er zum ersten Mal. Nach kurzem Aufenthalt begibt er sich mit seiner Delegation, zu der mit der kubanischen und bolivianischen Fahne beflaggten Ehrentribüne. Nicht nur die vielen Anwesenden Anhänger von Che erwarten ihn, sondern auch die Botschafter Kubas, Venezuelas, Nicaraguas, Ecuadors, Kolumbiens, Argentiniens und Brasiliens.

Es folgen die üblichen Begrüßungen des Präsidenten, ein besonderer Gruß gilt dem Botschafter von Kuba, Rafael Dausa. Bevor sich Evo Morales selbst ans Mikrofon begibt, überlässt er dieses den vielen anderen Ehrengästen. Es werden Geschenke ausgetauscht und Revolutionslieder über Che gesungen. Nun erklingt die Nationalhymne von Bolivien, wozu Morales und seine Regierungsmitglieder wie auch der kubanische Botschafter mit sozialistischem Gruß salutieren - eine hierzulande noch ungewohnte Zeremonie, die Morales auf Anraten des venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez per Dekret eingeführt hat.

Die Spannung steigt, als Morales sich mit langsamen Schritten zum Mikrofon begibt. Er beginnt mit vorsichtigen Worten und gedenkt des "Comandante" Ernesto Che Guevara. Dann klagt er die damalige bolivianische Regierung und den US-Geheimdienst CIA an, für den Mord an Che verantwortlich zu sein. Bekanntlich wurde Ernesto Che Guevara in den frühen Morgenstunden des 9. Oktober1967 im nahen La Higuera auf Befehl des CIA in der dortigen Schule erschossen.

Nur zehn Minuten für Che

Unmittelbar nach den Gedenkworten beginnt Morales vom Erfolg seiner Regierung und dem wieder auferstehenden Sozialismus in Südamerika zu sprechen. Er dankt vor allem Venezuela, aber auch Kuba für die Unterstützung und Hilfe für Bolivien. Obwohl sie ernorme soziale Unruhen hervorgerufen haben, verteidigt er die Verstaatlichung der Naturvorkommen im Land. Es folgt heftige Kritik an den USA, Bush und dem internationalen Kapitalismus.

In der rund einstündigen Rede des Präsidenten nimmt das eigentliche Thema - der 40.Todestag von Ernesto Che Guevara - nur etwa zehn Minuten in Anspruch, worüber viele der ausländischen Gäste enttäuscht sind. Viele sind der Meinung, man habe ihrem Idol nicht gebührend gedacht, was auch den Gesichtern der beiden anwesenden Söhne von Che anzusehen ist. Sie waren wegen dieser Trauer- und Gedenkfeier zum ersten Mal aus Kuba zum Fundort der sterblichen Überreste ihres Vaters angereist.

So ist die Stimmung nach der Morales-Rede trotz der vielen Ehrengästen und den wehenden Fahnen etwas gedrückt. Trotzdem war es eine Gedenkfeier von historischem Wert, der rund tausend Menschen überwiegend aus dem Ausland beiwohnten.

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1.
Ernst Pelzing 07.09.2009
Sozialismus (des XXI) wie gehabt oder die öffentlichen Medien als Störfaktor Bolivarismus, ein lateinamerikanisches Kind der Französischen Revolution, Caudilismus in neuem Kleid Der Venezolaner Simón Bolívar, der Befreier ("libertador" für seine Zeitgenossen), kämpfte neben Antonio José de Sucre und José de San Martín im 19. Jahrhundert erfolgreich gegen die spanischen Kolonialherren. Heute wird vom Venezolaner Hugo Chávez , d e m Vertreter des Bolivarismus, ein äußerer Popanz aufgebaut, um nach innen durchgreifen zu können und so von Schwierigkeiten dort abzulenken. Ein altbekanntes Strickmuster. Der sich aus Bolívar ableitende Bolivarismus Chavezscher Prägung, gepaart mit sozialistischen Kriterien, hat sich neben basisdemokratischen Elementen über Volksentscheide und Referenden u. a. die Bekämpfung des Neokolonialismus und die Einigung Lateinamerikas in diesem Sinne auf die Fahnen geschrieben. In seine (Venezuelas) Fußstapfen, also in die der "bolivarischen Achse" lt. Veröffentlichung der spanischen Tageszeitung EL PAÍS vom 7.9.2009, treten auch Evo Morales (Bolivien), Rafael Correa (Ecuador), Daniel Ortega (Nicaragua) und die Kirchners (Argentinien). Gemeinsamer Tenor dieser Achse: Störenfried unabhängige Presse. Dazu äußert sich die interamerikanische Presse SIP, die Sociedad Interamericana de Prensa, äußerst besorgt. Sie stellt fest, "dass sich in den letzten drei Jahren eine systematische Hetze gegen die unabhängigen Medien in Venezuela, Ecuador, Bolivien, Nicaragua und in geringerem Maße in Argentinien ergeben habe". Weiter "Es entstehe der Eindruck, die Presse störe den Sozialismus des XXI Jahrhunderts". Die Medien, so die bolivarische Führung, " seien Erfüllungsgehilfen der Oligarchie und des Imperialismus und verdrehten die Wahrheit". Die Folgen sind z. B. Beschränkungen in ihrer Tätigkeit, angeführt von Chávez in Venezuela in Form eines "Maulkorbgesetzes" und seinen wöchentlichen Radiopropagandasendungen "Aló Presidente". Dort ist der genannten Ausgabe von EL PAÍS zufolge z. B. folgende Blüte im Originalton nachzulesen: "Apaguemos el televisor y tengamos la mente limpia. No es necesario leer periódicos". (Schalten wir den Fernseher aus und lassen uns unseren Verstand nicht einlullen. Zeitung lesen ist nicht nötig".) Der lateinamerikanischer Sozialismus bolivarischer Prägung präsentiert sich in den genannten Ländern als Caudilismus in neuem Kleid. Ob Kleider aber wirklich Leute (und Systeme) machen? Ernst Pelzing
2.
Ernst Pelzing 03.01.2010
Zur Schreibweise des Titels: Wenn schon, dann sollte es korrekt "Comandante" heißen. Das doppelt "m" ist im Spanischen unbekannt. Zur Schreibweise einiger Bezeichnungen in den Bilddokumenten: Bild 1: Das Adjektiv zu Venezuela heißt "venezolanisch". Bild 7: Hier sollte es heißen "Der erste indigene Präsident ..." Der in der Beschreibung verwendete Begriff "indogen" existiert nicht. Für "Ministero de Gobierno" sollte es entweder korrekt "Staatsminister" oder "Ministro de Gobierno" heißen. Ernst Pelzing
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