Gerichte mit Geschichte Christian Rach kocht Reis mit päpstlichem Segen

Im Vatikan ging es um 1600 dekadent zu, üppigste Menüs demonstrierten die Macht der Päpste. Warum aber streute man Zimt und Zucker über alle Speisen? Fernsehkoch Christian Rach hat die Haute Cuisine von damals getestet.

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Gekocht haben die Menschen schon sehr, sehr lange - einige Wissenschaftler behaupten, dass die menschliche Kultur mit dem Kochen überhaupt erst begann. Doch erst um 1570 erschien das erste Lehrbuch für professionelle Köche. Verfasst hat es der Italiener Bartolomeo Scappi.

Der Mann aus dem Volk avancierte zum Leibkoch von insgesamt fünf Päpsten und hob die Kochkunst im Vatikan auf ein völlig neues Niveau. Die römischen Kirchenoberen verwöhnte er mit höchst weltlichen Genüssen, es gab etwa Ente mit Pflaumen und getrockneten Sauerkirschen oder geschmorte Stare mit essbaren Disteln unter geriebenem Käse.

Scappis opulente Menüs mit vielen, vielen Gängen waren sorgsam durchkomponiert und arrangiert. Unter anderem erfand er die Zabaglione, eine fluffig aufgeschlagene Creme mit dem süßen Marsala-Wein, bis heute ein beliebtes italienisches Dessert.

Scappis überbackener Reis mit Mozzarella wirkt vor all dieser kulinarischen Pracht auf den ersten Blick eher einfach. Doch Reis war damals in Europa gerade neu eingeführt worden. Und Scappi war der erste, der den Büffelmilchkäse Mozzarella in einem Rezept namentlich erwähnte - für die Geistlichen im Vatikan dürfte die Speise also durchaus einiges an Überraschung geboten haben.

Dass das herzhafte Gericht mit Zimt und Zucker bestreut wird, mutet heute recht fremd an. Doch damals streute man bei erlesenen Tafeleien Gewürze und Zucker über fast alles, nicht zuletzt um zu demonstrieren, dass man sich die teuren Zutaten leisten konnte.

Schmeckt das dann noch? Fernsehkoch Christian Rach war selbst neugierig, als er das Gericht aus dem 16. Jahrhundert nachkochte. So viel sei verraten: Der päpstliche Reis ist ein richtiges Wohlfühlessen. Und mehr historische Rezepte finden Sie in der aktuellen Ausgabe von "SPIEGEL Geschichte".

Das Rezept:

300 g Rundkornreis
800 ml Hühnerbrühe
50 g Butter
50 g geriebener Parmesan
4 Eigelb
200 g Mozzarella, in Streifen geschnitten
Zimt und Zucker nach Belieben

1. Den Reis ca. 30 Minuten in der Hühnerbrühe kochen.

2. Den geriebenen Parmesan unter den Reis heben.

3. Zwei Drittel der Masse in eine gebutterte Auflaufform geben.

4. Mit einem Esslöffel vier Mulden hineindrücken und in jeden ein Eigelb geben.

5. Mozzarella-Streifen über die Mulden legen

6. Mit Zimt und Zucker bestreuen.

7. Mit dem restlichen Reis bedecken und bei 180 Grad ca. 20 Minuten im Backofen überbacken lassen.

Guten Appetit!

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insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
ian white, 17.02.2019
1. geschmorte stare mit essbaren disteln
Das klingt interessant, ist das auch ein wohlfühlessen? Wo bekomme ich das Rezept, morgen mache ich mich auf starenjagd
Jörg Ruhe, 17.02.2019
2. Nicht so eilig, ian white
Die ersten Stare kommen gerade erst aus dem Süden zurück. Da ist garantiert noch nichts dran. Im Spätsommer sind sie bestimmt leckerer.
jan bader, 18.02.2019
3. Hilfe!
Ich bin ein Star, holt mich hier raus!
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