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Rundumschlag zum 75. Chuck Norris hat nicht Geburtstag. Er war schon immer da

Chuck Norris Facts: Der Kalte Krieger Fotos
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Er ist sechsfacher Karateweltmeister, Actionfilm-Ikone und Star unzähliger Witze. An Chuck Norris 75. Geburtstag blickte einestages zurück auf die Karriere des bulligen Bartträgers - und präsentiert die schönsten Chuck-Norris-Sprüche. Von

Das Publikum grölt vor Freude. Late-Night-Talker Conan O'Brien grinst in die Kamera und deutet auf den Hebel neben sich. Der Hebel ist riesig und rot, mit einem gelben Knauf. "Bis jetzt gab es noch keinen schlechten", sagt O'Brien und strahlt. Dann zieht er mit einem Ruck am Hebel.

Auf dem Bildschirm erscheint ein TV-Ausschnitt. Ein bärtiger Kraftprotz steht einem bewaffneten Schergen gegenüber. Der Bartträger arbeitet sich mit Karatetritten an dem Bösewicht ab. Dann die Zeitlupe: ein letzter Kick unter das Kinn. Hart getroffen fliegt der Angreifer in Slow Motion in die aufgehende Sonne und prallt auf den Rasen. Das Studiopublikum johlt. "Das ist wie mit Kartoffelchips", sagt O'Brien und dreht sich wieder zum Hebel um. "Man kann nicht nur einen nehmen."

Hebel: Der Bärtige verdrischt einen Mann im Zoo. Ein Seelöwe röhrt.

Hebel: Der Bärtige zieht ein Schmuckkettchen aus der Tasche. Eine Frau seufzt: "Oh, Walker!"

Hebel: Ein Mann holt seine Medikamente aus der Küche. Der Bärtige tritt ihn mit einem Roundhouse-Kick in den Kühlschrank.

Obwohl es auf der großen Leinwand nach der Jahrtausendwende eher still um Chuck Norris geworden war, erfuhr der Schauspieler noch einmal einen Durchbruch: als Vorlage für Witze. Der Late-Night-Talker O'Brien hatte 2004 in seiner Show den "Walker Texas Ranger Hebel" eingeführt, mit dem er absurde Dialoge und Situationen aus der erfolgreichen Serie vorspielte, die Norris zwischen 1993 und 2001 selbst produziert hatte.

Zu dem Zeitpunkt kannte das amerikanische Publikum den alternden Actionhelden bereits seit 30 Jahren. Die Zuschauer liebten Norris - und lachten doch über ihn, der seine Auftritte als stahlharter Machokrieger selbst so ernst nahm. Angefangen hatte diese merkwürdige Art der Verehrung in den Siebzigerjahren.

Für seinen Film "Die Todeskralle schlägt wieder zu" hatte die Martial-Arts-Legende Bruce Lee 1972 einen noch unbekannten Karateka verpflichtet, an dem er sich abarbeiten konnte. Noch dazu einen Amerikaner. Carlos Ray Norris Jr. hatte er fünf Jahre zuvor auf einem Karate-Turnier kennengelernt. Der durchtrainierte 27-Jährige war zu dem Zeitpunkt bereits eine feste Größe im US-Kampfsport.

Der schmächtige Junge aus Oklahoma

Nach ihrem Treffen hatte Lee Carlos Norris, den seine Freunde nur Chuck nannten, 1968 eine Rolle als Komparse im Spionagefilm "The Wrecking Crew" besorgt. Im selben Jahr wurde Chuck Norris zum ersten Mal Karate-Weltmeister im Mittelgewicht. Seine Kampffähigkeiten waren es dann auch, die Bruce Lee dazu brachten, Norris als seinen Gegenspieler zu besetzen. Als die Hongkong-Produktion 1974 auch in den USA anlief, wurde Norris einem breiten Publikum bekannt - und er hatte seinen Ruf als regungslose Kampfmaschine weg.

Norris' spätere Karriere als Leinwandheld hatte er sich hart erarbeitet. Am 10. März 1940 wurde er in Ryan, einem 800-Einwohner-Kaff in Oklahoma, geboren. Der Vater, ein Indianer vom Stamm der Cherokee, war Alkoholiker. Die irischstämmige Mutter zog ihn und seine beiden Brüder Aaron und Wieland auf sich allein gestellt groß. Seine Abstammung machte den Jungen immer wieder zum Gespött anderer Kinder. Nach mehreren Umzügen landete die Familie schließlich in Kalifornien, wo Norris seinen Schulabschluss machte.

"Ich wuchs als Träumer auf. John Wayne war mein Held", sagte Norris der "New York Times" über seine Kindheit. "Ich war schüchtern, unsportlich und nur ein mittelmäßiger Schüler. Ich schaffte es auch nicht ins Footballteam. Der Coach wollte aggressive Typen. Ich war aber keiner von denen."

Ein Karateka vor der Kamera

Trotzdem meldete er sich zum Militärdienst. Als Mitglied der Militärpolizei wurde der spätere Schauspieler 1958 auf die Osan Air Base nach Korea versetzt. Dort fand er unter den Kameraden Anschluss. Sie waren es auch, die ihm den Spitznamen Chuck gaben. Und er lernte die Kampfkunst kennen.

Monatelang trainierte Norris jeden Tag. Zuerst Judo, dann Tang soo do, eine koreanische Variation des Karate. "Ich war kein Athlet. Ich betrat die Karate-Welt, besaß aber keine der natürlichen Eigenschaften, die so viele andere Kämpfer mitbrachten", sagte der Athlet in einem Interview 1988. "Und weil ich keine dieser Eigenschaften besaß, musste ich viel härter trainieren als irgendjemand sonst."

Norris biss sich durch. Er brach sich im Training mehrfach die Hand, die Schulter und das Nasenbein, nach einem Jahr erlangte er den schwarzen Gürtel. Je kräftiger der junge Mann wurde, desto schneller verschwanden die Minderwertigkeitskomplexe, die er seit seiner Kindheit mit sich herumgetragen hatte. Zurück in den Vereinigten Staaten gründete er eine Karateschule und traf nicht nur auf Martial-Arts-Legende Bruce Lee. Einer seiner Schüler, ein gewisser Steve McQueen, vermittelte Norris an die Filmstudios in Hollywood.

Der Kalte Krieger

In den Siebzigerjahren waren Schauspieler wie Clint Eastwood und Charles Bronson zu gefragten "harten Kerlen" des US-Films aufgestiegen. Die Studios suchten weitere Darsteller, die den Hunger des Publikums nach Actionhelden stillen konnten, und Chuck Norris wurde einer von ihnen. Was seine Kollegen an schauspielerischem Talent mitbrachten, konterte der Ex-Soldat mit seiner Erfahrung als Kampfsportler. Und mit seinem typisch unbewegten Gesichtsausdruck.

Besonders in der Rolle einzelgängerischer Gesetzeshüter und als Vietnam-Veteran wurde der Kampfsportler immer wieder besetzt. In seinen Filmen ging es um die Verteidigung amerikanischer Werte. Egal ob gegen stereotype Feindbilder des "bösen Russen", des Vietcong oder gegen den inneren Feind - wie etwa korrupte Richter - Norris besiegte sie alle mit überlegener Waffengewalt oder seinem Markenzeichen, dem Roundhouse-Kick.

Seine Filme wie "Delta Force", "McQuade, der Wolf" oder die "Missing In Action"-Reihe machten ihn zum Posterboy des Kalten Krieges - eine Rolle, in der er sich auch abseits der Kamera gefiel. Der überzeugte Patriot und evangelikale Christ setzte sich besonders seit den Achtzigerjahren zunehmend politisch ein. Im Wahlkampf 1988 unterstützte er den damaligen Vizepräsidenten George Bush, der ein Jahr später ins Weiße Haus einzog.

Mit seiner Rolle in der TV-Serie "Walker, Texas Ranger" feierte Norris danach seinen letzten großen Erfolg. Als Ranger Cordell Walker spielte er eine idealisierte Version seiner selbst. Auch sein konservatives Wertemodell fand Eingang in die Serie. Drogenkonsum war Tabu, und die Protagonisten handelten nach einem Ehrenkodex, der vermengt mit den patriotischen Untertönen, Norris als Ikone der religiösen Rechten in den USA festigte.

Conan O'Brien, der den vermeintlichen Vorkämpfer für die gute Sache im Anschluss Mitte der Nullerjahre mit dem "Walker Texas Ranger Hebel" durch den Kakao zog, machte ihn schließlich dem jüngeren Publikum im Internet bekannt.

Auf verschiedenen Seiten tauchten in den folgenden Jahren angebliche Fakten zu Chuck Norris auf, die dem Schauspieler mit ins Absurde verkehrten Behauptungen huldigten und ihn zugleich veralberten: "Die Tränen von Chuck Norris heilen Krebs. Zu schade, dass er niemals weint."

Norris zeigte sich amüsiert über die angeblichen Fakten über seine Person. In seiner ersten Kolumne für das ultrakonservative Nachrichtenportal WorldNetDaily, auf dem er bis heute gegen Liberalismus, die Evolutionstheorie oder Präsident Obama wettert, stellte er sie aber trotzdem aus seiner Sicht richtig.

Am 23. Oktober 2006 schrieb er: "Es gab einen Mann, dessen Tränen Krebs und jede andere Krankheit heilen konnten, auch den Grund für alle Krankheiten - die Sünde. Sein Blut tat es. Sein Name war Jesus, nicht Chuck Norris."

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insgesamt 92 Beiträge
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1. ... und wieviele Liegestütze schafft Chuck Norris?
Martin Teuber, 10.03.2015
Alle!
2. Einen ganz großen
Lorenz menken, 10.03.2015
Einen ganz großen Auftritt hatte er als einsamer Wolf, der über sich selbst einen Witz erzählt, auch nochmal in einem Film der "the expendables"-Reihe!
3. Seit heute früh ist Chuck Norris Chef des BER-Flughafens:
Hans Heide, 10.03.2015
Seit 10:00 ist der Flughafen offen.
4. Chuck ißt kein Honig
Sven Iglesias, 10.03.2015
er kaut Bienen.
5. Chuck Norris..
Christian Schulz, 10.03.2015
... hat bis unendlich gezählt. Zweimal.
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