Computergeschichte Apples 30. Geburtstag

Computergeschichte: Apples 30. Geburtstag Fotos
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Keine Computerfirma kann für sich beanspruchen, die IT-Welt so radikal verändert zu haben wie Apple: 1976 leitete das Start-up-Unternehmen den Siegeszug des Personal Computer ein. Nach einer langen Durststrecke gilt Apple heute wieder als Hightech-Trendsetter.

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Die Firma mit dem Apfel hat die Welt verändert. Apple startete in den siebziger Jahren den Eroberungsfeldzug des Personal Computer, machte in den achtziger Jahren die Computerbedienung mit Hilfe der Maus kinderleicht und revolutionierte zu Beginn des neuen Jahrtausends mit seinem tragbaren MP3-Player, dem zum Kultobjekt aufgestiegenen iPod, das Musikgeschäft. Als das Unternehmen aus dem kalifornischen Cupertino im April 2006 30 Jahre alt wurde, gab es also jede Menge gute Gründe zum Feiern.

Wie so viele Erfolgsstorys des Computerzeitalters beginnt auch diese in einer Garage. Die Garage gehörte den Adoptiveltern des 21-jährigen Steve Jobs, der dort mit seinem fünf Jahre älteren Kumpel Steve Wozniak seine ersten Computer baute. Das magere Startkapital der beiden Studienabbrecher belief sich auf 1300 Dollar und stammte aus dem Verkauf von Jobs' VW-Bus und Wozniaks Taschenrechner.

Jobs hatte zuvor auf einer Indienreise nach spiritueller Erleuchtung gesucht und als Techniker bei Atari an Videospielen herumgetüftelt. Wozniak arbeitete damals noch bei dem Traditionsunternehmen Hewlett-Packard. Die zwei Freunde ergänzten sich perfekt: Jobs lieferte die großen unternehmerischen Visionen, und Wozniak war das technologische Supergenie, das einfach zu bedienende Computer für die Massen zu entwickeln verstand.

"Die Sache, bei der ich gut war, wurde letztlich zu der Sache, die die Welt verändern würde", erzählte Wozniak jetzt im Rückblick der Zeitung "San Jose Mercury News". Der erste PC, den er mit Jobs zusammenbastelte, hieß "Apple I" und war zwar nur ein bescheidener Erfolg. Schon im Jahr danach gelang ihnen aber mit dem "Apple II" der Durchbruch - dieses Modell brachte Millionen ein und wurde der erfolgreichste PC der damaligen Zeit.

1984 folgte dann der revolutionäre Macintosh, der erste kommerziell erfolgreiche Computer mit graphischer Benutzeroberfläche: Während zuvor noch - oft komplizierte - Befehle in den Computer eingetippt werden mussten, um ein Programm zu öffnen, genügte jetzt der einfache Mausklick auf ein leicht erkennbares Symbol.

Jobs Abgang, Apples Niedergang

Trotz dieser bahnbrechenden Neuerungen schied Jobs 1985 bei Apple aus. Grund war ein interner Machtkampf. Apple rutschte danach in eine schwere Krise, die das Unternehmen an den Rand der Pleite brachte. Ein Hauptgrund war die zunehmende Dominanz des von Microsoft entwickelten Betriebssystems Windows, das von den meisten der mit Apple konkurrierenden Computerbauern übernommen wurde.

Apple experimentierte dagegen jahrelang erfolglos mit eigenen Betriebssystemen herum. Die Erlösung kam aber erst, als Jobs 1997 zurückkehrte, nachdem Apple die von ihm zwischenzeitlich gegründete Firma NeXT aufgekauft hatte.

Neustart

Jobs leitete eine gründliche Modernisierung bei Apple ein. Zu den neuen Produkten gehörten der iMac, ein farbenfroher PC mit neuem benutzerfreundlichem Betriebssystem, und natürlich der iPod.

Zwar hält Apple weiter nur etwa fünf Prozent der Anteile auf dem Computermarkt. Doch mit dem Walkman des 21. Jahrhunderts sowie seinem Online-Musikgeschäft iTunes eroberte das Unternehmen die Vorherrschaft auf dem rasant expandierenden Markt der digitalen Musik. Bereits mehr als 42 Millionen iPods und eine Milliarde Songs hat Apple verkauft.

Jobs rückte zudem erst kürzlich in den Vorstand von Disney ein, nachdem der Unterhaltungsriese das von ihm mitgegründete Animationsstudio Pixar aufgekauft hatte - was Spekulationen über weitere Vorstöße von Apple in den Markt der elektronischen Unterhaltung nährt.

Dank des iPod hat Apple seinen Kult-Appeal für die Jugend gestärkt. Das Firmenlogo mit dem angebissenen Apfel gilt als derart cool, dass es sich manche Fans sogar eintätowieren lassen. Allerdings hat sich Jobs mit dem Symbol auch Ärger eingehandelt - und zwar ausgerechnet mit den von ihm verehrten Beatles, deren legendäre Plattenfirma Apple Records einen Granny Smith als Logo hat. Die beiden noch lebenden Bandmitglieder Paul McCartney und Ringo Starr streiten deshalb schon seit Jahren mit rechtlichen Mitteln dafür, dem kalifornischen Unternehmen seinen angebissenen Apfel wegzunehmen.

Daniel Jahn, AFP

Erschienen auf SPIEGEL ONLINE am 01.04.2006

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1.
Till Jonas 16.01.2008
30 Jahre amerikanisches Marketing und eitel Sonnenschein... 30 Jahre Innovationsankündigungen die auch nur gekupfert wurden - eine grafische Oberfläche vom PARC, das Betriebssystem vom BSD-Unix... 30 Jahre Verhinderung des freien Wettbewerbs durch ein geschicktes Lizenzmodell und proprietärer Lösungen die den Anwender zwangsbinden sollen - siehe iTunes/iPod, der als MP3 Player vermarktet wird, aber keiner ist und nur Abo-Kunden erzeugen soll. 30 Jahre Missbrauch von Design weil die strategische Mythenbildung und der Coolness-Hype vollkommen unkritische und ahnungslose User gezüchtet hat. 30 Jahre gläubige Käufer, die sich schnell erkennbar mit begrenzten Kenntnissen aber einer umso ausgeprägteren Eitelkeit präsentieren. Deswegen nur 5 Prozent - zum Glück!
2.
Gerhard Dörries 21.03.2008
30 Jahre keine ernstzunehmenden Viren - u. a. wegen des 5%igen Marktanteils, da hoffe ich als Apple-Benutzer seit 1987 eher, dass es bei 5% bleibt ... Alle meine Rechner haben mir «Dummheiten» wie versehentliches Abschalten durch Stecker ziehen usw. immer «verziehen». Als Graphiker ist der Mac für mich in Zusammenarbeit mit den Printmedien etc. die erste Wahl - ansonsten bin ich lebloser Materie gegenüber völlig leidenschaftslos und kein Fan von irgendetwas. Es muss nur funktionieren - und das tut es seit über 20 Jahren bei mir, dem Anwender, nicht dem Computerfachmann.
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