"Das Erbe der Guldenburgs" Bier und Bilder für den Durchschnittspapi

Ruth Maria Kubitschek als durchgeknallte Bierbrauerin, Iris Berben als Säuferin: Die Serie "Das Erbe der Guldenburgs" bündelte die deutsche Fernsehelite der achtziger Jahre und begeisterte mit Geschichten - fast wie aus dem echten Leben. Und alles schöööön langsam!

DPA

Ich gebe zu: Ich habe mal wieder Geld für eine DVD-Box ausgegeben. Seit Neuestem steht in meinem DVD-Regal "Das Erbe der Guldenburgs" - in fast allen Folgen. Diese Serie wurde von 1987 bis 1990 im ZDF ausgestrahlt und hatte eine riesige Fangemeinde. Wir Deutschen waren allmählich ein wenig von "Dallas" und "Denver" aus den USA genervt, denn mit der Gewinnung von Öl konnten wir uns nicht wirklich identifizieren. Mit den "Guldenburgs" schon eher. Es ging nämlich um ein altes Adelsgeschlecht, das seit Jahrhunderten Bier braute. Bier! Endlich mal etwas, das der deutsche Durchschnittspapi auf dem Sofa verstand.

Graf Guldenburg verstirbt im Pilotfilm und hinterlässt seiner herrlich naiven Gattin (Christiane Hörbiger) einen großen Schuldenberg und ein Geschäft mit der verfeindeten "Balbeck-Brauerei". Deren Chefin (Ruth-Maria Kubitschek), ihr Sohn (Sigmar Solbach) und ihre Tochter (Susanne Uhlen) sind nicht nur scharf auf ein Geschäft mit der Brauerei der Guldenburgs, sondern auch auf das Schloss und die Ländereien. Die Guldenburgs, allen voran die Matriarchin der Familie (Brigitte Horney), versuchen nun mit allen Mitteln, den Verlust ihres Besitzes zu verhindern. Und so nimmt das 39-Folgen-Schicksal seinen Lauf.

Die Serie wurde mit viel Liebe zum Detail verfilmt. Einem Zuschauer von heute tut die schöne Langsamkeit der achtziger Jahre gut. Heute sind bei Serien und Filmen schnelle Schnitte und viel Action wichtig, bei dieser alten Serie kann man schon mal minutenlang einem Schauspieler beim Sinnieren zusehen. Einfach herrlich! Bei den "Guldenburgs" war die deutsche Elite der Schauspieler zu sehen. Genial anzuschauen sind Wilfried Baasner als böser Schwiegersohn Achim Lauritzen und Iris Berben als dessen verzweifelte, versoffene Ehefrau.

Aber ungeschlagen ist Ruth-Maria Kubitschek: Als Brauereichefin Balbeck verzweifelt sie am vermeintlichen Selbstmord des Sohnes, wird depressiv, alkohol- und tablettenabhängig. Einfach toll setzt Frau Kubitschek das Durchgeknalltsein um. Aus heutiger Sicht zum Lachen ist allerdings die Szene in der Nervenheilanstalt, in der ständig Menschen mit Lenkdrachen durch die Gärten rennen und hysterisch herumgebrüllt wird. Wäre noch der Verrückte aufgetaucht, der sich für Napoleon hält, wäre jedes Klischee erfüllt.

Die Serie war damals ein so großer Erfolg, dass es zeitweise im Handel ein "Guldenburg-Bier" (hergestellt von Jever) gab. In Reisebussen pilgerten Fans zu den Drehorten. Der Fernsehzuschauer wollte die Erlebnisse der "Guldenburgs" als Geschichten aus dem wahren Leben sehen. Und seien wir mal ehrlich: Ist Fernsehen nicht genau dazu da?



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